Aufsatz 
Geschichte der religiösen Bewegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahrhunderts / von J. Gegenbaur
Entstehung
Einzelbild herunterladen

34

innerhalb 20 Tage vollſtändig auf die Abtei Fulda zu verzichten und alle Hinderniſſe, welche der Wiedereinſetz⸗ ung Balthaſars im Wege wären, zu beſeitigen. An den Abt ſelbſt ergieng ein Ermunterungsſchreiben,*) auszu⸗ harren und ſeinem Rechte nichts zu vergeben.

Im Jahre 1586 erſchienen im Stift Johann Euſtachius von Weſternach, Statthalter zu Mergent⸗ heim und Dr. Leonhard Kirchheimer mit einem kaiſerlichen Mandate, wonach der ſeitherige Adminiſtrator des Stifts, der Deutſchmeiſter Herzog Heinrich Alters und Schwachheits halber auf ſein Nachſuchen von ſeinem Amte entbunden und damit der Erzherzog Maximilian von Oeſtereich beauftragt worden ſei. Es wurde demſelben gehuldigt und im September desſelben Jahres kam der Erzherzog nach Fulda. Die Vornehmſten aus der buchiſchen Ritterſchaft ritten ihm mehre Meilen weit entgegen und darauf beſchrieb der Erzherzog die ganze Ritterſchaft nach Fulda um daſelbſtHuldigung und Pflicht zu thun. Die Ritter leiſteten dem Befehle Folge, doch mit der unterthänigſten Bitte,**)Ihre Durchlaucht wolle ſie bey Ihren Immunitäten, Rechten, Gerechtig⸗ keiten und dann bei der Religion Augsburgiſcher Confeſſion gnädigſt bleiben laſſen. Da Ihnen hieraufgute Vertröſtung geſchah, ſo legten ſie Ihrerſeits auch der Einführung des Gregorianiſchen Kalenders keine Schwierig⸗ keiten in den Weg, nur der Stadtrath zu Hammelburg glaubte eine Verwahrung gegen den neuen Kalender in⸗ ſofern einlegen zu müſſen,das es Ihnen an Ihrem Exercitio der Religion Augspurgiſcher Confeſſion nicht nachtheilig ſei. Auch die Prediger in Hammelburg beſchloſſen des Kalenders wegen ſich zu fügen, obgleich ſie wohl bedacht haben,das es etliche Theologi gar widerrathen, in dieſem Falle Ichtwas dem Papſt, von dem der Kalender urſprünglich herkomme, einzuräumen, undt die Freyheit der Kirchen in dieſen Euſſerlichen Ceremo⸗ nien in gratiam hostium zu begeben.

Schon im Herbſte desſelben Jahres verließ der Erzherzog wieder das Stift und ließ ſeinen Statthalter zu⸗ rück; als aber Maximilian 1588 von etlichen Ständen in Polen zum König erwählt wurde, zog er mit einem Kriegsheere dorthin, wurde aber in Petſchin gefangen genommen. Der Kaiſer übertrug nun das Fuldiſche Com⸗ miſſariat einſtweilen dem Statthalter Weſternach, ohne daß jedoch deswegen eine neue Huldigung vorgenommen wurde. Derſelbe verwaltete das Fürſtenthum, bis Maximilian 1589 frei wurde und die Adminiſtration in eigener Perſon wieder übernahm. Derſelbe kam 1590 nochmals nach Fulda, in demſelben Jahre wo durch die Kriegsvölker, welche der Kurfürſt Chriſtian von Sachſen und Chriſtian von Anhalt nach Frankreich führten, die Juden der Stadt Fulda ſchwer heimgeſucht wurden.***) Im Jahre 1594 ging der Abt Balthaſar auf den Reichstag nach Regensburg, um dort perſönlich die Entſcheidung ſeiner Angelegenheit zu be⸗ treiben. Der Pabſt Sixtus V., welcher ebenfalls ſchon 1588**ss) ein ſehr dringendes Schreiben an Julius erlaſſen hatte, ſandte wiederholt einen eigenen Legaten nach Würzburg und Fulda, ohne daß jedoch dieſer den Würzburger Biſchof zu vollſtändiger Entſagung hätte bewegen können und es ſchrieb) darum Balthaſar an den Pabſt, daß es das einzige Mittel ſei, um aus dieſen Zuſtänden herauszukommen, den Kaiſer zum rechtsgiltigen Endsbeſcheid zu veranlaſſen, denn der Biſchof von Würzburg wiſſe recht gut, daß der Pabſt ſich in die eigentliche Nechtsfrage nicht miſchen könne. So zogen ſich wiederum mehrere Jahre hin; Maximilian, der nochmals 1597 nach Fulda kam und den Abt Balthaſar in Biberſtein beſuchte, ließ ſich durch Commiſſare vertreten; es hatten deren zehn nach und nach dem Stifte vorgeſtanden, der letzte wurde 1600 ernannt in der Perſon Udalrich's von Stotzingen, unter deſſen Leitung die ſ. g. lange Brücke über die Fulda 1601 erbaut wurde.

*) Schan. h. f. 273.

**) Chroniſt Korn.

***) Brow. A. F. 369. 8

*4.☛☚£ Schan. h f. 275. ) Wid. 275.