Aufsatz 
Geschichte der religiösen Bewegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahrhunderts / von J. Gegenbaur
Entstehung
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bei der Religion,darzu ſich die Obrigkeit bekennet, zu verbleiben ſei, war die Antwort auf die vom Adminiſt⸗ rator überſchickten Eingaben. Dieſer kaiſerliche Befehl wurde am Charfreitag 1578 den Buͤrgermeiſtern mitge⸗ theilt, dieſelben legten ihn am 22. April dem ganzen Rathe vor mit der Auftage ihn den Zünften zu verkünden. Der Magiſtrat ſah ſich nun von Neuem auswärts um Unterſtützung um. Er wandte ſich an den Profeſſor zu Witten⸗ berg Dr. Jacob Andreä und bat denſelben,*) er möchte ſich doch für ihn bei dem Kurfürſten, Auguſt von Sachſen, an den er ebenfalls eine Bittſchrift abgeſandt hatte,**) verwenden. Unter dem 11. Juni 1578 ging die Antwort des Kurfürſten darauf ein; er verſprach darin die Bitte des Magiſtrats bei Kaiſ. Majeſtät zu un terſtützen, erſuchte zugleich denſelben andere vornehme Stände des Augsburgiſchen Bekenntniſſes zu veranlaſſen, gleiche Schritte mit ihm zu thun.

Im Jahre 1579 war Statthalter des Deutſchmeiſters Hans Georg von Dachshauſen, Comthur zu Morſtätt; derſelbe hatte ſeinen Pfarrer Johann Knorr mitgebracht und denſelben zweimal in Fulda predigen laſſen, alsbald wandte ſich der Magiſtrat***) an den Adminiſtrator und bat, daß Knorr als Pfarrer nach Fulda berufen würde. Das Geſuch des Magiſtrats wurde zurückgewieſen; die Fuldaer erhielten einen Geiſtlichen aus Rom zum Stadtpfarrer, und als dieſelben ſich auch bei dem Deutſchmeiſter darüber beſchwerten, daß die deutſche Schule abgeſchafft wurde, verwies ſie dieſer an den Kaiſer, indem er und ſein Statthalter nur nach deſſen Befehl zu handeln hätten. Am Frohnleichnamstage desſelben Jahres war es auch zu ärgerlichen Auftritten gekommen. Die gewöhnliche Proceſſion wurde nämlich damals auf dem Pfarrkirchhofe um die Kirche herum abgehalten. Die⸗ ſelbe wardurch muthwilliger leut frevelhaftiges beginnen moleſtirt, perturbirt oder verhindert worden, wie dar⸗ über das Mandat des Kaiſ. CommiſſarsHeinrichs und Johannes Achilles Ilſung zu Künberg ſich ausdrückt. Dasſelbe erſchien am 20. Mai 1580 und bedrohte diejenigen mit ſchwerer Strafe, welche es in dieſem Jahre wieder wagen würden, die Proceſſion zu ſtören. In Folge dieſes Mandats wurde die Proceſſion ohne Anſtoß abgehalten.

Jedoch ſchon zu Anfang des Jahres 1579 hatte durch den vorläufigen kaiſerlichen Beſcheid, wonach dem Abt Balthaſar, der ſich ſeither größtentheils zu Seligenſtadt im Stifte Mainz aufgehalten hatte, das Schloß Bi⸗ berſtein eingeräumt worden war, für dieſen die Streitfrage eine beſſere Wendung genommen. Balthaſar bezog das Schloß und hielt dort, bis zur definitiven Entſcheidung der Sache, ſeine Reſidenz; auch hiergegen erhoben Ritter und Capitel, aber ohne Erfolg, Einſprache; aber auch der Pabſt war mit dieſer Masregel nicht zufrieden geſtellt. Er erließ ein neues Breve an den Kaiſer,****) worin er ihm die Sache dringend ans Herz legte und bat, den Abt definitiv einzuſetzen. Im Jahre 1582 veranlaßte Balthaſar den Zuſammentritt einer Commiſſion zu Mainz; daſelbſt erſchienen die Geſandten des Kaiſers und des Pabſtes und zweier geiſtlicher Kurfürſten, der Geſandte Kölns blieb aus, darum wurde nichts verhandelt, ſondern die Sache auf den künftigen Reichstag ver⸗ ſchoben. Balthaſar zog ſelbſt nach Augsburg, erlangte aber trotz der eifrigen Unterſtützung, die ihm namentlich Baiern gewährte, dennoch nichts. Wie ſehr übrigens dem Pabſte fortwährend die Schlichtung dieſer Angelegenheit im Sinne lag, dafür geben die bereits wiederholt erwähnten Schreiben desſelben an den Kaiſer klaren Beweis; auch jetzt noch ſetzte er unermüdlich ſeine Beſtrebungen fort; am 4. Februar 1584 erließ er ein neues Erinner⸗ ungsſchreiben an den Kaiſer) und zugleich einen drohenden Brief an Julius von Würzburg) mit der Auflage

*) Rathsprotokoll I, 194. **) Rathsprotokoll I, 188. ***) Rathsprotokoll I, 199b. ***) Schan. h. f. 274.

) Schan. h. f. 272. ††) Schau h. f. 272.