32
Euſtachius von Lichtenſtein und Maximilian Ilſung und behändigten dem Biſchofe von Würzburg, dem Capitel und der Ritterſchaft, ſowie den Räthen zu Fulda, Geiſa, Hammelburg und Brlückenau ein kaiſerl. Mandat, worin die Abſetzung des Abts und die Uebertragung der Adminiſtration des Stifts an den Biſchof für nichtig erklärt und denſelben aufgegeben wurde, binnen ſechs Wochen vor dem Kaiſer zur weiteren Vernehmung zu erſcheinen; zu gleicher Zeit erhielten die Landgrafen von Heſſen die Weiſung, den Biſchof von Würzburg nicht als Lehnsherrn anzuerkennen.
Die Commiſſion verweilte längere Zeit in Fulda und zog von allen Seiten die umfaſſendſten Berichte über die letzten Vorgänge ein. Biſchof, Capitel und Ritterſchaft übergaben jedes beſonders Vertheidigungsſchriften, wo⸗ rin ſie nachzuweiſen ſuchten, daß die Kaiſerlichen Mandate erſchlichen ſeien; allein vergeblich. Durch ein kaiſerli⸗ ches Dekret wurde Heinrich, Adminiſtrator des Hochmeiſterthums in Preußen, Meiſter deutſchen Ordens, zum kaiſerlichen Commiſſar ernannt. Der Hochmeiſter übernahm das Amt und kündigte dem Biſchofe von Würzburg an, daß er den 12. März 1577 zu Hammelburg dem Werk einen Anfang machen wolle. Der Biſchof, der ein⸗ ſah, daß Ernſt gemacht werden ſolle, lud die Stände des Fürſtenthums nach Fulda ein und eröffnete denſelben, daß man dem Befehle des Kaiſers nicht entgegenhandeln könne, daß man aber durch allerlei Einreden Zeit zu ge⸗ winnen ſuchen müſſe. Durch ein Schreiben lud der Deutſchmeiſter auf den 12. März die Stände des Fürſten⸗ thums nach Hammelburg ein, woſelbſt er ebenfalls am genannten Tage eintraf. Er kam daſelbſt mit hundert Pferden und von ſechs vornehmen Commenthuren begleitet an; der ehrbare Rath von Hammelburg ließ ihm vier Malter Haber und ein halbes Fuder Wein verehren.
Nach verſchiedenen vorausgegangenen Beſprechungen mit den Abgeſandten der Ritterſchaft, des Capitels und der Städte forderte endlich am 15. März auf einer allgemeinen Zuſammenkunft der Deutſchmeiſter die Abgeſandten Würzburgs auf, das Stift Fulda wieder frei zu geben. Unter verſchiedenen Proteſtationen gaben dieſe ſowie die Stände des Fürſtenthums endlich nach, der Commiſſar ließ nun die neue Form des Eids vorleſen, welchen die Unterthanen im Stifte Fulda, zunächſt die Bürger Hammelburgs, demſelben ſchwören ſollten. Nach mannigfachen Einreden, durch welche man die Sache hinzuhalten ſuchte, erhob endlich der Kaiſerl. Commiſſarius ſeine Stimme und rief:„Ich gebiete Euch, ſo hoch ich euch von Kaiſerl. Majeſtät wegen zu gebieten habe, daß ein Jeder zween Finger ausſtrecke, daß man's ſehen kann.“ Als nun dasſelbe geſchehen, ſprachen die Bürger den Eid nach und Bürgermeiſter und Rathsherrn gaben Handgelöbniß. Dieſem Beiſpiele Hammelburgs folgten nun mit mehr oder weniger Widerſtreben die anderen Städte und Stände des Fürſtenthums, überſandten ihre Beſchwerdeſchriften au den Kaiſer und ließen Proteſtations⸗Inſtrumente aufnehmen.*) Dieſer lud nun auf den 1. September 1577 die Parteien ein, perſönlich in Wien zu erſcheinen, um die Sache in Güte auszugleichen. Abt Balthaſar wies jedoch jeden Verſuch der Güte in ſolange ab, als er nicht wieder vollſtändig vorher eingeſetzt ſei. Daran ſchei⸗ terte denn im December die Verhandlung und Balthaſar fuhr am 7. December von Wien nach Prag. Der Kaiſer verwies nunmehr die Streitfrage auf den Rechtsweg. Der Pabſt Gregor Xlll. erließ ein Breve an den Biſchof von Würzburg, worin er demſelben bei Strafe der Excommunication aufgab, das Stift wieder heraus⸗ zugeben und ſich jeglicher Jurisdiction in demſelben zu enthalten. Derſelbe legte ebenfalls in einem Schreiben 8) an den Kaiſer Maximilian dieſem die Reſtitution Balthaſars dringend an das Herz.
Die Räthe der Stadt Fulda wandten ſich in wiederholten Eingaben an den Adminiſtrator um Freigebung der Religionsübung.***) Die Kaiſerl. Erklärung vom 28. Januar 1578, wonach dieſelben bedeutet werden, daß
*) Das der Stadt Fulda, von dem Notar Dr. Eiſenmenger aufgenommen, ſteht im Rathsprotokolle I, 166. **ν) Schan. h. f. 270.
*e) Rathsprotokoll I, 172 vom 26. März 1577; I, 151 vom 15. Juli 1577; I, 184 vom 30. December 1577.


