Aufsatz 
Geschichte der religiösen Bewegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahrhunderts / von J. Gegenbaur
Entstehung
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25. Juni Morgens 9 Uhr vor dem Rathhauſe; daſelbſt erſchienen beide Fürſten von Fulda und Würzburg ſammt ihren Räthen und der Rath Vollpracht verlas ſodann die Urkunde, wonach der Abt erklärte, daß erauß für⸗ fallenten urſachen undt ausgefolgter Unterhandlung der Negierung des Stifts zu Gunſten des Biſchofs von Würz⸗ burg entſagt habe; in Folge deſſen entbinde er ſeine Unterthanen des ihm geleiſteten Eides und weiſe ſie deshalb an ihren neuen Adminiſtrator. Hierauf verlas der Dr. Eiſenmenger den Heißbrief des Capitels, worin das⸗ felbe die Unterthanen ermahnte dem neuen Adminiſtrator Pflicht zu thun. Darauf nahmen die Bürger, nachdem ihre alten Rechte und Freiheiten ihnen beſtätigt worden waren, die Huldigung vor. Während dies auf dem Rath⸗ haus vorging, huldigten die benachbarten Dorfſchaften gleichfalls vor der Kellerei.Kan es jetz nicht anders ſein, mus es Gott heimbſtellen, ſagte der Abt, als die Hammelburger von ihm Abſchied nahmen, er ſetzte ſich ſodann auf das Pferd und ritt neben dem Adminiſtrator nach Brückenau und von da nach Fulda, wo uͤberall für den Biſchof von Würzburg die neue Huldigung vorgenommen wurde. Der Abt Balthaſar mußte überall beiwohnen, um fortwährend den Schein zu wahren, als ob nirgends Gewalt mitgewirkt hätte. In Fulda wurde nun des Stifts Barſchaft, Silbergeld, Kleinodien, Hausrath und anderes zwiſchen dem Abte, dem Biſchofe und dem Capitel getheilt, während der Abt nach Neuhof ritt, um daſelbſt am 7. Juli die Hochzeit ſeiner Schweſter mit dem Oberamtmann auf dem Eichsfeld, Leopold v. Strahlendorf, zu begehen. Er hatte viele von Adel dazu eingeladen, es waren aber ſehr wenige erſchienen; von ſeiten der Stadt Hammelburg war ein Deputirter abgeſchickt worden, um dem Hochzeitspaare ein ſilbernes Trinkgeſchirr zu überreichen. Schon jetzt machte der Abt kein Geheimnis mehr daraus, daß er gegen die an ihm verübte Gewalt proteſtirt und ſeinen Kanzler nach Re⸗ gensburg abgeſandt habe, um ein Mandat de restituendo zu erwirken.

Der Biſchof von Würzburg ſetzte in Fulda als ſeinen Statthalter Hans Georg von Erthal, Amt⸗ mann zu Biſchofsheim v. d. Rhön ein und ordnete demſelben den Dechant und andere Domherrn bei; dieſelben unterzeichneten ſich alsFürſtliche Wirtzburgiſche und Fuldiſche Verordnete, Statthalter und Räthe. Während der Abt ſich noch in Neuhof aufhielt, kamen Abgeſandte des Biſchofs zu ihm und verlangten Ausfertigung eines Schreibens an Kaiſ. Majeſtät, worin der Abt erkläre, daß er freiwillig ſein Amt niedergelegt habe. Der Abt, um nicht von Neuem einen Sturm herauf zu beſchwören und um nicht die Hochzeitsfeierlichkeiten zu ſtören, da er ſich noch ganz in der Gewalt ſeiner Gegner befand, und um jeden Verdacht zu entfernen, als ob er das, was ſie ihm abgenöthigt hätten, nicht zu halten geſonnen ſei, unterzeichnete die bereits ausgefertigte Urkunde. Als nach der Hochzeit die Geſandten des Biſchofs wieder kamen und verlangten, daß er ein ähnliches Schreiben auch an den Pabſt unterzeichnen ſolle, ſo bat ſich der Abt, um Zeit zu gewinnen, Bedenkzeit aus; als nun am an⸗ dern Tage die Geſandten wieder kamen, begehrte er nochmals Bedenkzeit, und am dritten Tage begab er ſich unter dem Vorwande, ſeine Freunde und Hochzeitsgäſte bis gen Fulda geleiten zu wollen, auf die Flucht und ritt mit zwanzig Pferden nach dem Kloſter Hauſen, von da wiederrief er nun vollſtändig, ſchrieb auch an den Pabſt*), an den Herzog von Baiern**), wie nur Gewalt ihn zu dieſer Abdankung habe verleiten können. In Folge dieſer Zuſchrift erließ der Herzog von Baiern an den Biſchof von Würzburg ein Schreiben,***) worin er demſelben ſeine entſchiedene Misbilligung zu erkennen gab. Julius wandte ſich an Mainz und ſuchte durch eine Geſandt⸗ ſchaft den Kurfürſten für ſich zu gewinnen, allein er fand hier eine ſehr ungünſtige Aufnahme und vernahm man⸗ ches ſtrenge misbilligende Wort.

Kaum einen Monat nach dem Hammelburger Vorgange erſchienen in Fulda zwei Kaiſerliche Commiſſare,

*) Das Schreiben theilt Korn S. 343 mit. **) Schannat h. f. S. 269. ***) Vergl. Korn S. 348.