Aufsatz 
Geschichte der religiösen Bewegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahrhunderts / von J. Gegenbaur
Entstehung
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nehmſten ſeiner Ritterſchaft und der Domherrn gekommen. Als nun Tags darauf die beiden Fürſten frühe zur Meſſe gegangen waren und darauf Mahlzeit gehalten hatten, erſchienen Dechant und Kapitel ſammt allen anweſenden der buchiſchen Ritterſchaft in der Kellerei, mit dem Vorſatze die geſtrigen Tags angefangene Handlung zur Ent⸗ ſcheidung zu bringen. Wie es aber gangen, hat man nicht wiſſen können, ſagt der Chroniſt und nachdem er ſich in allerlei Vermuthungen und Geruüchten erſchöpft hat, fügt er hinzu:wir als arme unterthanen haben Wohl abnehmen können, das Wichtige Sachen abgehandelt würden, dieweil man die Bürgerſchaft faſt zwen Tage in Ihren Wehren ſtehen laſſen. In der That war die Bewegung von der Beſchwerde zur Gewalt übergegangen; zwei volle Tage und Nächte ſchwebte die Entſcheidung. Die Thore der Stadt wurden zugehalten und ſtark be⸗ wacht, bewaffnete Bürger wurden in die Kellerei und um dieſelbe beordert, ein Theil derſelben mußte Wache thun vor dem Gemach des Abtes, ſeine Diener wurden abgehalten, bei demſelben einzutreten, einige derſelben wurden gefangen genommen, daſſelbe geſchah mit dem Schultheiß und dem Stadtknechte. Die ganze Nacht hin⸗ durch war Alles ſtark beſetzt, Niemand durfte aus der Kellerei heraus. Als die Ritter und die von Würzburg vernahmen, daß der Abt die Schlüſſel zur Kellerei eingefordert und erhalten habe, entſtand ein großer Aufruhr; die Junker eilten aus ihren Herbergen in die Kellerei, ſuchten den Diener auf, welcher die Schlüſſel zu bewahren hatte, nahmen denſelben gefangen und fahndeten auf den Pfarrer Martin Göbel und den Jeſuiten Petrus; den erſten fand man hinter dem Schornſteine verborgen, der andere hatte ſich auf dem oberſten Boden der Kellerei verſteckt; beide wurden auf das Rathhaus gebracht und von einigen Bürgern allda Tag und Nacht bewacht. In derſelben Nacht ſtürzten die Ritter bewaffnet vor das Bett des Abtes und drohten, wenn er nicht einwillige, vom Amte abzutreten, ſo würden ſie ihn wie einen räudigen Hund tödten und das Land ſodann an die Fürſten von Heſſen und Sachſen übertragen. Als der Pater Petrus an den Bürgern, die mit ihren Wehren vor dem Nath⸗ haus ſtanden, vorbeigeführt wurde, ſagte der Conrad Dill von Berlepſch zu den Bürgern:do bring ich den Bößwicht, der den Stift ein Blutbad und unſer viell um die Köpf bringen wollen, der mein Herrn alſo verfüh⸗ ret. Als darauf der Pater erwiederte:das hab ich nit gethan, da ſchlug Berlepſch ihn mit der Hand auf den Mund; als dieſes die Bürger ſahen, liefen ſie zu, beſonders einer, der ein bloßes Schlachtſchwert trug, weil ſie meinten, der Junker ſchlüge den Jeſuiten darum, daß er ihnen Anlaß geben wollte, ebenermaſſen auch mit Ihm zu verfahren; ſie waren ſchon im Begriffe dem Beiſpiele zu folgen, als ihnen der Junker zurief Friede zu halten. So war die Nacht vergangen; am Sonnabend früh erſchien Berlepſch von Dechant und Capitularen abge⸗ ſandt auf dem Rathhaus und forderte die Bürgerſchaft auf, zu ſchwören, Nichts gegen Capittel und Ritterſchaft fürzunehmen ſondern ihnen beizuſtehen, was ſie auch immer gegen Abt Balthaſar der Landſchafft zum beſten für⸗ nehmen würden. Der Rath bat um Bedenkzeit, entſchuldigte ſich ſodann, daß ſie nicht alle beiſammen wären und erhielt den Auftrag, die ganze Bürgerſchaft mit ihrer beſten Wehr vor das Rathhaus zuſammen zu läuten. So waren nun am 24. Juni die Sachen dahin getrieben, daß Balthaſar, der Gewalt weichend, ſein Amt als Abt niederlegte und dasſelbe dem Biſchofe von Würzburg übertrug; noch am Abende desſelben Tages wurde die Bür⸗ gerſchaft benachrichtigt, daß ſie am folgenden Tage, wenn man auf dem Rathhauſe läuten würde, ſich zur Hul⸗ digung verſammeln ſolle. Der Rath wollte ſich vorher über den Stand bei dem Fürſten ſelbſt erkundigen; man ließ ihn aber nicht zu demſelben kommen, ſondern brachte ihn zu den Würzburgiſchen Räthen, woſelbſt ihnen ge⸗ ſagt wurde, daß alles in Güte abgemacht worden und der Abt freiwillig abgetreten ſei. Nachdem noch erſt weit⸗ läufige Verhandlungen zwiſchen der Stadt Hammelburg und den Räthen des Biſchofs von Würzburg wegen der Religionsübung gepflogen worden waren, nachdem namentlich der Biſchof ſich geweigert hatte weder ſchriftlich noch mündlich eine Anerkennung der Augsburger Confeſſion auszuſprechen, begnügten ſich die Hammelburger bei der gemachten Zuſage, daß ſie in ihren Rechten und Freiheiten nicht gekränkt werden ſollten; ſie verſammelten ſich am