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Nach gehaltenem Mittagsmahle verſammelten ſich Ritter und Kapitulare und begaben ſich in die ſ. g. Kellerei, wo der Abt Hof hielt, und legten daſelbſt durch den Dr. N. Eiſenmenger aus Würzburg dem Abte ihre Be⸗ ſchwerden vor. Kapitel und Domdechant hatten zwölf Puncte formulirt; der Abt habe der Vorfahren Brief und Siegel caſſiren laſſen, er habe das Kapitel in Sachen, welche das Stift betroffen hätten, nicht um Rath gefragt, auch habe er die Beamten nicht in den Dienſt des Kapitels genommen, er habe die Jeſuiten in großer Anzahl eingeführt, die Sachen der Klöſter und der Armen leut vor ſeine Canzlei gezogen, er dehne die Pflicht des Ge— horſams zu weit aus, er habe ſie genöthigt ein gemeinſames Schlafhaus aufzubauen, er habe die Markſteine, welche das Kapitel habe ſetzen laſſen, auszureißen befohlen, er habe gewaltſam die Regiſter über das„Sälgeräth“ eingezogen und habe die Kündigungsfriſt bei ausgeliehenen Capitalien wegfallen laſſen. Die Ritter übergaben ihre eigene„Beſchwerungen“ und erklärten,„nur etliche in generalissima generalitate ferners ahnzudeuten, weil in specie ſie alle zu erzehlen zu lang und verdrieslich ſein wollte.“ Sie führten vorzugsweiſe an, daß die Kir⸗ chen für den Gottesdienſt augsb. Confeſſion zum Theil geſperret, zum Theil für den kath. Cultus thätlich eröffnet worden, ferner daß die Jeſuiten eingeführt worden ſeien, daß der Abt„das ehrenwerthe Capitel für ſein land und hinterſaſſen halte“ und ohne deren Zuſtimmung ſeine Einrichtungen treffe, daß„viele von Adel, auch erfah⸗ rene Redliche Knechte von Aemptern und Dienſten ohne Urſach ganz unbeſonnen verſtoßen“ würden, daß Niemand zur Ehe eingeſegnet werde, der nicht das Abendmahl unter Einer Geſtalt genoſſen habe. Nachdem ſie nunmehr dieſe Puncte auseinander geſetzt hatten, erklärten ſie, daß, nachdem ihr„vielfältiges undt untertheniges Bitten, Flehen und unaufhörliches Suchen“ keine Linderung verſchafft habe, ſie ſelbſt„uff zuläſſige mittel und weg trachten, dieſen Uebelſtänden abzuhelfen.“*)
Am Tage vorher hatte der Ausſchuß der Ritterſchaft durch einen Boten ein Schreiben*) an Bürgermeiſter und Rath der Stadt Fulda ergehen laſſen, worin die Ritter demſelben mittheilen, daß ſie der Stadt Fulda und Geiſa gravamina hohvonnöthen hätten; ſie erſuchten deshalb den Rath, eine Abſchrift derſelben„mit eilender Botſchaft ſobald immer ſolches bei Tag und Nacht geſchehen könne, wohlverwahrlich“ zu überſenden, indem ſie„Morgen des Tags des künftigen Herrn Coadjutors Ankunft und fernerer Capitulation mit J. F. G. gewärtig wären.“ Man ſieht daraus, wie weit die Dinge ſchon vorgerückt waren. Der Brief iſt von Hammelburg Abends datirt; es ſcheint am 21. noch keine Antwort von Fulda dageweſen zu ſein, wenigſtens erwähnt der Chroniſt Korn der⸗ ſelben noch nicht. Der Abt entbehrte ſeiner beßten Räthe, der Canzler Dr. Winkelmann war am Reichstage zu Regensburg und den Dr. Friedrich Landau hatte der Abt, als er merkte, was Dechant, Ritter und Kapitel vorhatten, zum Erzbiſchof nach Mainz geſchickt, um daſelbſt ſich Rath zu erholen; bei dem Abte waren die Junker von Terff, Schaden, der Amtmann von Saleck, der Schultheiß von Hammelburg und der Licentiat Kling⸗ harten. Mit dieſen berieth ſich der Abt und erbat ſich Abſchrift der übergebenen Beſchwerden, welche ihm jedoch verweigert wurde. Der Abt bat ſich Bedenkzeit aus. Schon im Mai d. J. jedoch waren ſeitens der Rit⸗ terſchaft und des Kapitels Verhandlungen mit dem Biſchofe von Würzburg, Julius Edler v. Mespelbrun, eingeleitet worden, um denſelben zum Coadjutor zu ernennen. Der Biſchof war auch bereits am Tage vorher in der Nähe von Hammelburg, in Waldaſchaf eingetroffen; er ließ ſich beim Abte anmelden, nachdem er bereits früher von demſelben wiederholt freundlich eingeladen worden ſei, wolle er ihn jetzt beſuchen. Am Frohnleich⸗ namstage Nachmittags ritt der Abt mit dreißig Pferden dem Biſchofe entgegen und als ſie in die Kellerei einzogen, ſtanden alle von der Ritterſchaft auf dem Markte; der Abt, ſagt der Chroniſt,„hat den Biſchof gar freundlich empfangen undt ehrlich gehalten, auch Ihme ſein eigen Gemach eingeräumt.“ Mit dem Biſchofe waren die Vor⸗
*) Die Beſchwerden ſtehen ausführlich in Korn's Hiſtoria S. 269— 282. **) Das Original iſt im ſtädtiſchen Archive Act. Pasc. I. Nr. 12.


