Aufsatz 
Geschichte der religiösen Bewegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahrhunderts / von J. Gegenbaur
Entstehung
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zu widerrufen, was ſie gepredigt hatten; dieſelben weigerten ſich und da ſie zu predigen fortfuhren, ſo erhielt der Nath die Weiſung die Prediger zu entlaſſen, dagegen verweigerte nun der Rath am Himmelfahrtstage dem Für⸗ ſten die Schlüſſel zur Kirche, der Abt befahl bei hundert Thaler Strafe, die Schlüſſel herauszugeben; auch dieſem Befehle wurde keine Folge gegeben; es erhielten nunmehr einige Schloſſer den Auftrag die Kirchenthüre zu öffnen, auch dieſe weigerten ſich. Der Abt ließ nun die ganze Bürgerſchaft vor das Rathhaus fordern und ihr da⸗ ſelbſt in ſeiner Gegenwart durch den Secretar Georg Pfaff folgendes Reſeript verleſen:Wiewohl J. F. G. anders nicht Wiſſen noch erfahren, dann das Bürgermeiſter, Rath und gantze Bürgerſchaft Sich gegen Ihre Fürſtl. Gnaden auch derſelben Vorfahren allezeit alles ſchuldigen Gehorſams in unterthenigkeit erhalten undt ſich dero⸗ wegen in gnaden verſehen hätten, Sie ſollten ſich hinfüro allezeit nichts Wenigers als zuvor alles gehorſambs befleiſſen undt erhalten undt ſich gegen Ihr Fürſtl. Gnaden als Ihnen von Gott vorgeſetzter ordentlicher Obrig⸗ keit in nichten mit ungehorſam geſetzt haben; So haben doch J. F. G. wider alle Ihre Hoffnung in Nellichkeit erfahren müſſen, daß durch Bürgermeiſter und Rath, alß J. F. G. hieher kommen undt in der Kirchen ein of- ſicium Missae für ſich zu halten begehret, die Kirchen für J. F. G. geſperret, desgleichen die beiden Prädicanten uff J. F. G. begehr, von wegen daß Sie dieſelbe in Ihren Predigten injurirt, diffamirt undt an Ihrer Repu⸗ tation verkleinert, nicht abſchaffen wollen, auch J. F. G. die Schlüſſel zu gedachter J. F. G. Kirchen dieſe zwei Tage aufgehalten und geweigert worden, In welchem allem Sie wieder Ihre gethane Eydt und Pflicht, damit ſie J. F. G. zugethan, gehandelt und derhalben J. F. G. höchlich verurſacht, einen Rath und Sonderlich die Bürgermeiſter und etliche wenige Redleinsführer ſambt den Prädicanten als ungehorſame Aufwiegler in ernſte ſtraf zu nehmen, derowegen J. F. G. gnädiges Begehren, Sie die gantze Bürgerſchaft wollen ſich hinfürer auch alles gebürlichen und ſchuldigen Gehorſams verhalten undt ſich J. F. G. vorhabens in Vornehmung gebürlicher Strafe nicht ahnnehmen, in Anſehung, das J. F. G. nicht gemeint ihre Religion Augspurg Confeſſion aufzuheben, noch eintrag zu thun, auch ſonſten eine gantze Gemeine Bürgerſchaft bey Ihren alten gerechtigkeiten Undt Her⸗ kommen bleiben zu laſſen, zu ſchützen Undt handthaben, daran thäten ſie was gehorſamen Unterthanen gebühre.

Nachdem dieſes Mandat verleſen war, begab ſich der Abt in ſeine Wohnung, indeß in der Bürgerſchaft eine große Unruhe ſich bemerklich machte, weil ſie glaubte,daß man fürhätte Bürgermeiſter, Rath undt Prädi⸗ eanten zu ſtrafen. Der Bürgermeiſter bat jedoch die⸗Bürgerſchaft ruhig nach Hauſe zu gehen, ſie gehorchten, beſchloſſen jedoch eine Eingabe an den Abt zu machen und darin zu erkennen zu geben, wie die Bürgerſchaft das Verfahren des Raths und Bürgermeiſters billige. Die Kirche wurde nun für die Folge dem Abte nicht mehr verſchloſſen; er fuhr fort, darin regelmäßig katholiſchen Gottesdienſt halten zu laſſen, desgleichen ließ er auch in den benachbarten Orten thuen; zugleich erklärte er, daß er die verhängten Strafen nochmals nachlaſſe und ver⸗ ſicherte die Bürgerſchaft, daß er ſie in ihrem Glauben nicht beeinträchtigen würde, nur werde er auch für ſich und ſeine Diener einen Geiſtlichen ſenden, der regelmäßig nach Katholiſchem Brauche Gottesdienſt halte; den Prädi⸗ canten ließ eralles Injuriren, Schmehen und Stichreden auf die katholiſche Religion unterſagen. Mittlerweile bereiteten ſich jedoch neue Zerwürfniſſe vor. Während der Pfingſttage hatten die Rathsherrn die Kirche zwar geöffnet, aber die Sakriſtei verſchloſſen und verweigerten beharrlich die Schlüſſel heraus zu geben, ſowie ſie ſich auch der ſtändigen Zulaſſung eines katholiſchen Geiſtlichen widerſetzten.

Verwickelter geſtalteten ſich die Verhältniſſe für den Abt, als auch in Fulda ein neuer Sturm gegen den⸗ ſelben aufgeregt wurde. In Folge der oben erzählten Begebenheiten hatten die Bürger Fulda's zwei Abgeord⸗ nete an den Kaiſer geſandt, um demſelben auf dem Reichstage zu Regensburg die Beſchwerden der Stadt zu übergeben. Die Geſandten waren ein Bürgermeiſter von Fulda Johann Silligmoller und der Procurator Eckhardt Glitſch; die Beſchwerdeſchrift, welche dieſelben zu überbringen hatten, beſtand aus zwanzig Puncten,

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