Aufsatz 
Geschichte der religiösen Bewegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahrhunderts / von J. Gegenbaur
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

können.Alſo und ebener maſſen ſeindt wir auch mit dem hl. Sacrament des Tauffs beſchwert, führte die Supplication weiter aus,das die armen Kindlein In lateiniſcher ſprach getauffet werden, denn obwohl Eadem verba darinnen, die ſunſten in teutſcher ſprach vermeldet werden, ſo kann es doch der arme Einfeltige Mann nicht verſtehen und kein Wiſſenſchaft haben, Weſſen er ſich In ſolchem Chriſtlichen Werk, do einer zu gevatteren gebeten, verobligire und verbinden thut und der gemeine Mann Allbereidt genug ruchloß und ſolche gnadt und Gabe gottes nicht verſteht, wie er billig wiſſen und verſtehen ſoll. Es iſt wol keinem Zweifel unterworfen, daß es ſich hier nur um die Durchführung des Edicts Philipps von Schweinsberg oder des ſogenannten Interims handelt. Schließlich baten die Räthe,der Abt möge ſich gnedig reſolviren ſunderlich aber mitt einem Chriſtlichen Ehrbaren frommen Evangeliſchen ſeelſorger ſie wiederumb gnediglich verſehen oder ihnen geſtatten auf ihre Koſten einen zu unterhalten. Die Bewegung war nun im vollen Gange, ſechs Tage darauf, nachdem dieſe Beſchwerde⸗ ſchrift dem Abte überreicht war, verſammelten ſich ſämmtliche Zünfte oder wie es in der Unterſchrift heißtſämmt⸗ liche vnd ſonderliche alle Zunfftverwande vnd Zugehörige beneben vnd mitt de gemeine allhie Zu Fulda, auſs ein wenig Perſonen In gantz gering au Zahl und richteten an den Rath der Stadt ein Bittgeſuch) um Verwendung an den Abt, daß die bisherigen Veränderungen in kirchlichen Angelegenheiten wieder zurückge⸗ genommen und die Bürgerſchaft bei der augſpurgiſchen Confeſſion gelaſſen und geſchützt werde. Dies iſt die erſte Acte, worin des Augsburger Bekenntniſſes beſtimmt Erwähnung geſchieht. Den zwei Hauptbeſchwerde⸗ puncten wegen des Abendmahls und des Gebrauchs der lateiniſchen Sprache bei der Taufe fügten ſie noch weiter bei, daß der Abt den Buchbindern auferlegt habe, nicht nur nicht Bücherſo In dem heil. Römiſchen reich der augspurgiſchen Confeſſion Zugelaſſen, deren keins anhero Zu verkauffen, ſunders auch, da Inen ein bürger eins einzubinden bringen würdt, das Ime ſolches nicht eingebunden werden ſoll. Schließlich beklagten ſich die Zunft⸗ genoſſen auch darüber,das denn Juden Eine Synagog allhier Zu haben gnediglichenn von Irer F. G. geſtattet und zugelaſſen wurde, durch und von Welchen ſunſten ſie arme höchlicher genug auff den Märkten mitt kaufen und verkauffen beſchwert worden.

Der damalige Stadtpfarrer Martin Göbell hatte, wie das oben angeführt wurde, früher die gottesdienſt⸗ lichen Handlungen nach der Ordnung des Interim verwaltet; derſelbe hatte ſich auch früher mit der Tochter ſeines Amtsvorgängers Dr. Othe verlobt, das Verlöbniß aber wieder reumüthig aufgegeben und in Allem ſich den Anordnungen ſeines Abtes gefügt. So ſtanden die Sachen Ende Juli 1573; ſchon am 13. Auguſt, nachdem von Seiten des Abts noch keine Entſcheidung gekommen war, wandten ſich die Räthe der Stadt mit einem ſchriftlichen Geſuche an das Capitel, theilten demſelben die dem Abte überreichten Petitionen mit und baten, daß das Capitel in Gemeinſchaft mit der Ritterſchaft die Genehmigung der Geſuche und Abſtellung der Beſchwerden bei dem Abte betreiben möge. Das Capitel ging auch wirklich auf die Sache ein und übergab dem Abte unter dem 20. Auguſt ein Bittgeſuch, worin die Capitulare die Forderungen des Stadtraths unterſtützten. Der Abt erklärte ihnen jedoch auf das Beſtimmteſte, daß er am katholiſchen Glauben feſthalte und daß er keinen andern Gebrauch gelten laſſen werde als dieſen und daß er für die Aufrechthaltung desſelben bereit ſei, Leib und Leben, Gut und Blut einzuſetzen. Nachdem nun dieſe Antwort bekannt worden war, beriefen die Capitulare eine Con⸗ ferenz der Nitterſchaft nach Geiſa, worin ſie beſchloſſen, den Abt zu erinnern, wie er bei ſeinem Regierungsantritt ſich reverſirt habe, die von Fulda bei ihrem Herkommen zu belaſſen und falls er ſeinem Verſprechen nicht nach⸗ kommen würde, ſich von allen Verpflichtungen gegen denſelben loszuſagen. Dieſe Zuſammenkunft war am 21. Auguſt; an demſelben Tage berief der Abt den Rath und die Bürgerſchaft in das Schloß und ließ denſelben

*) Das Original beſindet ſich im Archiv des Rathhauſes Act. Pasc. Nr. I 1573 1580. Dasſelbe iſt abgedruckt Zeit⸗ ſchrift des Vereins 2, 77, doch mit vielfachen Lücken.