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Aufgabe durchzuführen. Die Ritter des Stifts ſtellten an ihn das Erſuchen, die Errichtung einer neuen Schule zu fördern. Der Abt faßte den Entſchluß, die Jeſuiten zu berufen. Kaum aber hatten die Ritter von dieſem Plane Kunde erhalten, als ſie ſich am 8. März 1571 auf einem Tage zu Hünfeld verſammelten und daſelbſt eine Geſammtpetition an den Abt unterzeichneten, worin ſie baten, das Stift mit den Jeſuiten zu verſchonen. Allein der Entſchluß des Abtes ſtand feſt; er ſuchte die Erlaubnis, die Jeſuiten einzuführen, in Rom nach, erhielt dieſelbe und ſchon am Ende des Jahres 1572*) waren 19 Jeſuiten meiſtens von Mainz und Trier in Fulda eingezogen; der Abt hatte ihnen das Barfüßer⸗Minoriten⸗Kloſter eingewieſen, worin ſie alsbald eine Schule gründeten, in welcher ſie unentgeltlich Unterricht ertheilten.**) Noch ſtärkeren Wind in die Flamme aber, als die Einführung der Jeſuiten, brachten gewiſſe Verordnungen, die ſich auf Zucht und moraliſchen Lebenswandel der Geiſtlichen, insbeſondere der Capitularen und des damaligen Domdechanten, Hermann von Windthauſen, be⸗ zogen. Der Abt befahl das canoniſche Leben nach der ganzen Strenge der Benedictinerregel wieder herzuſtellen, den überhandgenommenen Verkehr mit der Stadt zu regeln; er ließ viele liederliche Dirnen aus der Stadt weiſen; die„ſchöne Maid“ des Dechanten ließ er auf offener Straße ergreifen und auf das Schloß Bieberſtein bringen, woſelbſt ſie ſchwören mußte, nie wieder das Stift Fulda betreten zu wollen.
Mit dem Oſtertage des Jahres 1573 unternahm der Abt die vollſtändige Wiederherſtellung des katholiſchen Glaubens. Unter dem 14. März 1573 erſchien ein Mandat desſelben an den Magiſter Adam Mangold,***) worin er demſelben aufgab, ſtreng darüber zu wachen, daß Niemand, den er nach dem canoniſchen Rechte, insbe⸗ ſondere aber nach den Beſtimmungen des Tridentiner Coneils eines geiſtlichen Beneficiums für unwürdig halte, dasſelbe fernerhin beſitze, noch weniger aber, daß ein ſolcher für die Folge eines empfange; zugleich ſolle er alle diejenigen, von denen er glaube, daß ſie nicht unter den obigen Bedingungen ihre beneſicia bezögen, vor das geiſtliche Tribunal des Abtes laden, um daſelbſt von ihnen Auskunft über ihre Anſichten und Handlungen zu gewinnen. Damit jedoch dieſe Entſcheidung nicht zu lange ſich hinausſchöbe, ſo ordnete der Abt an, daß alle diejenigen, welche ſein magister officinlis zu dieſem Zwecke vor ſich geladen habe, inſolange der Nutznießung ihrer Pfründen und Lehen enthoben ſein ſollten, bis ſie vor dem geiſtlichen Conſiſtorium erſchienen und ſich gerecht⸗ fertigt hätten.
Am 20. Juli 1573 wandte ſich der Stadtrath zu Fulda mit einer„unterthenigen suplicatio“ mündlich an den Abt, erhielt aber den Befehl, ſchriftlich ſeine Puncte aufzuſetzen. Dieſem Befehl kamen vier Tage darauf die Räthe der Stadt nach.****) Es ſind im ganzen vier Puncte, aus denen man ſehr deutlich erſteht, daß die Religionsfrage gerade nicht die Hauptſache war, ſondern daß weſentlich materielle Verhältniſſe in dem Vorder⸗ grunde ſtehen. Der erſte Punct handelte„von der verenderung der Müntz“, wodurch nur den Juden und Aus⸗ ländern Nutzen geſchafft ſei, der zweite von der„armuht und unordentlichen teuere Brodtnarung, von dem Vorkauf und der Ausfuhr der Frucht,“ und erſt der dritte Punct wandte ſich„an die verenderung allhier In der Pfarr⸗ kirchenn;“ die Beſchwerde führte aus, daß„viele Chriſtherzige menſchen ganz troſtloß hungers geſtorben und das hl. Abentmal nach der Einſezung Jeſus Chriſtus(wie ſie von Jugend uff bis zu Irem tödtlichen Hintritt von den vorigen Pfarrherrn und Herrn Martini aus Gottes Wort geleert worden) nicht haben nieſſen und Entpfahen
*) Das Schreiben des Papſtes Gregor XIII, worin er den Entſchluß des Abtes belobt und billigt, iſt vom 18. Juni 1573 und ſteht bei Schannat c. p. Dioec. 353. **) Auf der Landesbibliothek zu Fulda befindet ſich ein Foliant, Manuſcript, welcher über Lehrplan, Feierlichkeiten u. ſ. w. der Jeſuitenſchule eine reichhaltige Quelle liefert; derſelbe wird bei der Geſchichte der Jeſuitenſchule als Hauptquelle benutzt werden. *r**) Schan. c p. Dioec. 350. ree) Die Acte iſt aus dem Völkershäuſer Archiv abgedruckt in der Zeitſchrift des Vereins für Heſſiſche Seſchichte und Lan⸗ deskunde 2, 77. 3


