Aufsatz 
Geschichte der religiösen Bewegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahrhunderts / von J. Gegenbaur
Entstehung
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weil ſie nur bis zur definitiven Löſung der ſtreitigen Fragen durch ein Concil Geltung behalten ſollte, das Interim hieß, entwerfen laſſen. Dasſelbe war hauptſächlich im Sinne der katholiſchen Kirche abgefaßt und nur bis zur endgültigen Entſcheidung durch ein Concil die Prieſterehe und die Communion unter beiden Geſtalten nachgegeben. Zur Zeit Philipps von Schweinsberg war Hilliger Brockmann Stadtpfarrer zu Fulda, derſelbe hielt den Gottesdienſt nach der Verordnung ſeines Abtes und dem Augsburger Interim. Auf denſelben folgte Dr. Jacobus Othe, welcher anfing unter der Communication deutſche Meſſe zu halten und das Abendmahl unter beiden Geſtalten reichte; der Caplan desſelben hieß Gabriel. In einem Schreiben, welches Rath und Scheffen der Stadt Fulda ſpäter am 25. Mai 1578 an den Kurfürſten von Sachſen erließen, nennen ſie den Jacob Otheeinen wunderlichen Wetterhahn, einen ſeltſamen Ambidenter. Zur Zeit des Regierungsantritts Bal tha⸗ ſars von Dermbach war Martinus Göbell Pfarrherr, von demſelben behaupten die Bürgermeiſter in einer Erklärung, die der Amtmann Meckbach unter dem 20. Jun. 1574 dem Landgrafen Philipp mittheilte, daß derſelbe anfänglich viel ſchöne Predigten de justificatione hominis gehalten habe. In wieweit dies begründet iſt, ſteht nicht nachzuweiſen, nur das ſteht feſt, daß dieſer Martin Göbell ſpäter eifriger Katholik und ein Hauptdorn im Auge der Rathsherrn war: denn am 2. Januar 1577 entſetzten Bürgermeiſter und Rath den Stadtkirchner: weil er ſich die chriſtliche teutſche Pſalmen mit dem gemeinen Volk in der Kirchen zu ſingen ſchemet und Pfaff Martin Göbell zu ſeinem papiſtiſchen Handel fuchsſchwentzelt. Zwölf Jahre lang, ſagen ſie von dieſem Göbell, habe er die reformatio Philipps ausgeübt, er predige aber ohne Methode, was ihm immer in den Sinn käme und ſie nennen ihnein in unkeuſcher Schandt erſoffenen Mameluck, weil er wieder angefangen hätte, die Meſſe einzuführen.

Im Jahre 1566 war in Salmünſter Jakob Gerlau Tnttht; derſelbe nahm ſich ein Weib und wurde Lutheraner; 1572 begannen die Pfarrer Paulus Molitor und Gabriel Séhilling die Wiederherſtellung des Katholieismus, aber auch ſpäter noch war ein Theil der Einwohner ſchwierig. 1568 nahm Herbſtein den Proteſtantismus an, der erſte Pfarrer daſelbſt hieß Johannes Leining.

In dieſer unentſchiedenen Lage blieben die Verhältniſſe unter der Regierung Wolfgangs von Euſigheim, Wolfgangs Schutzpar von Milchling(1558 1567), Georgs Schenck von Schweinsberg(1567 1588), Wilhelms Hartmann von Klaurus(15881570) bis auf den Abt Balthaſar von Derm⸗ bach, der 1570 als ſolcher erwählt wurde.*) Nachdem die Bürgerſchaftdie gewonliche Huldigung und Pflicht gethan, ertheilte er am 9. Mai 1570 der Stadt einen Revers,**) worin er verſprach, daß erwas dieſelbenn Vonn Fulda rechtlicher, nutzlicher Undt loblicher Freyheyth Undt Herkommen Vonn alter gehabt, Undt Herbracht haben, ſie, Ire Erbenn Undt nachkommen, auch fürther dabey laſsen Undt nach Vermögen darbey Handthaben Undt Schirmen Wolle ohn alles geverdte.

Balthaſar von Dermbach, genannt Grauel, war ein geborner Heſſe uud Sohn des Peter von Dermbach und der Clara von Klaur; er wurde erzogen unter dem Einfluſſe der Biſchöfe von Mainz und Würzburg und ſeines Schwagers, des Oberamtmanns auf dem Eichsfelde Lippold von Stahlendorf. Er wurde als Decan der Hauptkirche zum Abte gewählt, empfing die Regalien vom Kaiſer Maximilian und wurde vom Papſte Pius V. beſtätigt und vom Suffraganbiſchof Stephan von Mainz feierlich zum Abte geweiht.

Schon gleich nach ſeiner Wahl erhielt Balthaſar durch den Suffraganbiſchof von Erfurt, Nicolaus Elgard, ein Schreiben von Pius V., worin er ermahnt wurde, dafür Sorge zu tragen, den katholiſchen Glauben und die Gebräuche der Kirche wieder in ihrer Reinheit herzuſtellen. Balthaſar war ganz der Mann dazu, dieſe ſchwere

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*) Unanimi Nobilium collegarum voto ac suffragio. Schann h f, I, 268. *) Rathsprotokoll I, 165.