Aufsatz 
Geschichte der religiösen Bewegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahrhunderts / von J. Gegenbaur
Entstehung
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der Fürſt mahnte zum Gehorſam und befahl endlich die evangeliſchen Prädicanten und Schulmeiſter zu entfernen. Der Rath fügte ſich und gewährte den Prädicanten nicht einmal Schutz oder Wartegeld, worum dieſe baten⸗ Aber nichts deſtoweniger geſtalteten die Verhältniſſe zwiſchen dem neuen Pfarrer und ſeiner Gemeinde ſich nicht günſtiger, auch dieſer Pfarrer legte ſeine Stelle nieder und während der Verhandlungen, die deshalb zwiſchen Würzburg und Fulda ſtattfanden, blieb die Stadt ohne Prediger; 1552 erhielt ſie einen neuen, doch auch dieſer wandte ſichbaldt wieder von hinnen, weil in der kurzen Zeit, während welcher er in Hammelburg geweſen war,niemand das Abendmahl von Ihm zu empfangen begehrt. Die Stadt war nun abermals ohne Pfarrer; da nahm der Rath ſich wieder einen Prediger augsburgiſcher Confeſſion an, entließ denſelben ſchon zwei Jahre daraufetlicher Urſachen halber und nahm einen andern an, der jedoch auch ſchon 1560 vom Bürgermeiſter und Rathauß etlichen bedenklichen Urſachen verurlaubt wurde. Im Jahre 1567 wurden endlich Georg Horn und Mattheus Sileſius als Pfarrer berufen, welche viele Jahre daſelbſt predigten und die wir zur Zeit Balthaſars von Dermbach wiederfinden werden.

Aus der päbſtlichen Bulle vom Jahre 1568 entnehmen wir mit Beſtimmtheit, daß ſchon im Jahre 1548 die Ordenshäuſer der Franziskaner zu Fulda öd und verlaſſen waren. Ob dies mit der Verkündigung des Interims oder mit andern Umſtänden zuſammenhängt, läßt ſich nicht genau ermitteln. Jedenfalls ſteht feſt, wie dies ein Manuſcript im Regierungsarchiv S. 123 beſtimmt angiebt, daß nach der Verkündigung des Interims, welche am 12. October 1548 in der Pfarrkirche und ſodann bei allen Zünften geſchah, in der Pfarrkirche von nun an, wie dies übrigens bereits ſeit Philipps Verordnung von 1542 erlaubt war, das Sacrament des Altars in beiden Geſtalten gereicht und deutſch getauft wurde. Im Stift aber, ſagt dieſelbe Quelle, iſt es jeder Zeit catholiſch mit meß halten und Reichung des Sacraments in einer geſtalt verblieben. Auch in der St. Severi Kirche iſt das letztere der Fall geweſen, denn in der Stiftungsurkunde*) der Zwölf⸗Uhr⸗Meſſe in der Severien⸗ kirche führt der Kaufmann Johann Heinrich Zwenger(1725) an, öfters von ſeinem Vater gehört zu haben, wie daßſein Alt Vater Namens Philipp Zwenger, geweſener Handelsmann hierſelbſt in denen bößen Zeiten, als die acatholici hieſige Stadtkirche innegehabt, in der löbl. St. Severi Kirch allier ſeinen Troſt geſucht. Dagegen erließ im Jahre 1551 der Abt Wolfgang von Euſigheim(1550 1558) wiederum ein Edict,**) worin er im Eingange ſehr bedauert, daß einige aus der Geiſtlichkeit den Erklärungen und Anordnungen des Kaiſers, ſowie den ernſtlichen Vermahnungen ſeinerſeits entgegenuff Irer disputirlicher undt vorgenommener Neuerung und un⸗ kirchiſchen meynung verharren. Sodann gebietet er allen Geiſtlichen und Pfarrern des Stifts,daß ſie ſich ſambtlich und ſonderlich geſchickt machen, damit ſie baldt folgende Charwoche und Oſterlich feſt halten, wie ſich das Chriſtlichen und katholiſchen lehrern geburtt, alſo mitt unſectiſch predigt, mitt allen geſengen, leſungen, gebetten, faſten und Ceremonien des heyligen Palmtags, mit Catholiſcher lateiniſcher Meß, wie ſie vormals gehal ten, mitt der lection undt predigt der paſſion, mit der Obſervation des grünen Donnerſtags und großen freyttags zuſambt des Oſterabends mit Beichthören, inſonderheyt der Communion, es ſey unter einer oder beyderley geſtalt, mit der Conſecration des Taufbrunns und brauch des Chryſambs, mit gewöhnlicher procession und was mehr von alters göttlich, ehrlich, heylſam und nutzlich gehalten worden iſt. Im Allgemeinen finden dieſe im innern Widerſpruch zu einander ſtehenden Verhältniſſe ihre Erklärung aus den Zuſtänden im ganzen Reiche. Im Jahre 1548 hatte Carl V. von zwei katholiſchen Theologen, von Julius von Pflug und Michael Helding und von einem Proteſtanten Agricola, dem Hofprediger des Kurfürſten Joachim auf älteren Grundlagen, wozu das Regensburger Interim und Pflugs formula sacrorum emendandorum gehörte, eine Kirchenordnung, welche,

** Regierungsarchiv fundat stipend S. 165. **) Dasſelbe ſteht in einem Manuſcripte des hieſigen Regierungsarchivs in 40 Papier mit der Aufſchrift: Liber Manuscriptus.