12 Geiſtlichen und der letzte beſtimmt, daß in allen Städten und Flecken Schulen beſtehen, welche„mit ehrbar, frommen und gelehrten leuten beſtalt und verſehen werden, damit die Jugend in chriſtlichen, ehrbaren Wandel und Sitten beneben guten Künſten erzogen und ausbracht werden, auf daß die Chriſtliche Kirche und Predig⸗ ſtule mit guten, tuglichen Prälaten, Seelſorgern und derogleichen Perſohnen verſehen, auch gemeiner Nutz und gute Policey, Ordnung und Regiment in geiſtlichen und weltlichen Sachen beſtellet und verſorget möge ſeyn und künfftiglichen erhalten werden möge.“
Wenn übrigens noch irgend ein Zweifel vorhanden ſein könnte, ob dieſe Reformatio des Abts Philipp im Zuſammenhang mit der Hauptbewegung, welche von Wittenberg ausgegangen war, geſtanden hätte, ſo würde dieſer noch vollends ſchwinden, wenn man damit das zu gleicher Zeit ergangene zweite Ediet an die Geiſtlichkeit des Stifts zuſammenhält. Dasſelbe iſt eigentlich nur eine weitere Ausführung der Puncte des erſten Ediets, welche von den Geiſtlichen und deren Amte handeln. Der Abt ſchreibt darin vor,„daß die göttliche Ambt zu Tag und Nacht wie ſich das nach chriſtlicher Ordnung und vermög der Ordensregel gebüret und daß in allen kein Saumnuß oder Abgangk ſeyn, oder daß durch einige weltliche oder ſunſt andere erdachte oder vorgenommene Urſach verbleibe“. Ferner ſchreibt er darin das Gebet für die Verſtorbenen vor, ſchärft Mäßigung in Speiſe und Trank ein, erinnert daran in geburlicher Ordenskleidung und Tonſuren zu gehen, ſchärft im Allge⸗ meinen die Ordensregel ein,„damit ſie nicht Benedicten heißen, ohne den Wandel zu führen, ſondern mit dem Namen den Wandel auch üben.“*)
Bis hierher ſteht noch die ganze Bewegung entſchieden auf katholiſchem Gebiete, es läßt ſich aber nicht verkennen, daß nach den 40 Jahren dieſelbe eine ſchärfere Richtung zu Gunſten der Reformation annahm; wenn man auch nicht genau nachweiſen kann, von wem dieſe Bewegung ausging, ſo läßt ſich doch aus einzelnen Erſcheinungen mit Sicherheit ſchließen, daß ſie vielleicht geſtützt auf die hier und da halbe Masregel des Abts Philipp, deſſen Rathgeber der ſchwankende Witzel war, nach und nach immer mehr Boden gewonnen hat. Aus ſpäterer Zeit, über 30 Jahre nachher, haben wir freilich Berichte, welche vou dem Abgeſandten Philipps, dem Amtmanne Meckbach, an dieſen erſtattet wurden, und welche ſich auf Angabe damalig lebender Magiſtratsper⸗ ſonen ſtützen; aber ſie ſind wol immer vom kritiſch⸗hiſtoriſchen Standpuncte aus nur als Parteiangaben mit Vor⸗ ſicht aufzunehmen, da es ja der ſpäteren Zeit weſentlich darauf ankam, den Beweis des rechtmäßigen verjährten Beſitzſtands zu begründen, der von der anderen Seite beſtritten wurde.
In Hammelburg blieb der Pfarrer Dr. Bachofen in ungeſtörter Ausübung ſeines Amtes. Der Chroniſt ſagt darum:„Unſer gnädiger Fürſt und Herr Abt Philippß, ein gar gelehrter ahnſehlicher und ver⸗ ſtändiger Fürſt hat nicht allein nachgeſehen, daß der Doctor durch Burgermeiſter und Rath von Wittenberg hier⸗ her berufen worden, ſondern ihre Fürſtl. Gnaden ſind darüber Ihnen noch mit Gnaden geweſen.“ Das letzte iſt offenbar unwahr, denn nachdem 1548 das Interim verkündet worden war und der Abt erfahren hatte, daß wider ſein Verbot ſich etliche Prädicanten unterſtanden, gedachter Reſolution zuwider zu handeln, ſo ermahnte er ſeinen Schultheiß, daß er die Uebertreter ohne alles Anſehen der Perſon ſtrafe. Dieſer fürſtliche Befehl, ſetzt der Chroniſt hinzu,„hat große Betrübniß und Sorge erwirket.“ Die Hammelburger ſandten eine Deputation nach Fulda und ließen vorſtellen, daß ſchon über 9 Jahre das Domeapitel zu Würzburg ihnen keinen Prediger geſandt habe, daß ſie alſo ſich ſelbſt hätten helfen müſſen. Der Abt von Fulda überſandte die Beſchwerde der Stadt nach Würzburg und 1549 vor Oſtern ſandte das dortige Domcapitel den magister liberal. art. und baccalaureus Stephan Rein als Pfarrer. Es konnten nun natürlich Schwierigkeiten und Streitigkeiten nicht ausbleiben;
*) Heppe S. 20 übergeht den Kauptinhalt und führt nur daraus an: der Abt habe den Ordensleuten im Stift geboten, alle ihre Mußeſtunden dem Leſen der heiligen Schrift zu widmen.


