b
11
Dienſtboten Cathechismus Eeclesiae*), daß iſt die Lehr und Handlung des Hl. Chriſtenthums aus der Wahr⸗ heit göttliches Worts gezogen, vorgeleſen und darin bericht ſoll werden, nehmlich in der Erzählung der zwölf Artikel unſers hl. Chriſtenthums Glaubens und im Gebet des HErrns, Vatter Unſer genanndt u. ſ. w. auch in den zehen Gebotten GOttes, damit die Jugend von ihren erſten Jahren auf in oberzehlten Stuckchen einen klaren Verſtand bekhommen über des daß ſie auch dieſe Stuck ſampt etlichen ſchönen und leichten Sprüchen aus dem Evangelio und Paulo gezogen im Gedächtnuß faſſen und durch vielfältige Uebung außwendig recitiren und ſagen kunnten.“ Der dritte Punct enthält ein Buß⸗ und Strafverbot dagegen,„daß unter dem Predigen und den gött⸗ lichen Ampten, ſo man das Wort Gottes verkündet, darin ſinget und die Sacramente des Tauffs und andere reicht, ſich von geiſtlichen und weltlichen, alles Schwetzens, Spatzierengehens und anders auſſerhalb des Gebets und der Andacht enthalten werden; dergleichen daß niemand vor der Kirchen oder auf dem Kirchhof ſtehe, ſchwatze, gebranten Wein feil habe, drinke oder etwas handel, dardurch das Volck von dem Wort und Dienſt GOttes gezogen und die andächtigen Chriſten an ihrem Gebet und Andacht verhindert werde.“ Ferner richtet ſich die Verordnung gegen die pomphaften Aufzüge, welche bei Taufen und Trauungen ſtatt fanden; bei der Taufe wird den Eltern des Kindes oder den Pathen desſelben das Recht eingeräumt, zu beſtimmen,„ob ſie das Kind Teutſch oder Lateiniſch taufen laſſen wollen, doch daß in alleweg die Ceremonien ſo im Latein begriffen, ſambt den Gebetern und andern wie von alten Herkommen*s) im Teutſchen alſo gehalten und gebraucht werden.“ Der vierte Punct verordnet in allen Predigten„gemein Gebet vor alle Oberkeyt und allerley Noth der Chriſtenheit.“ Der fünfte handelt von der Spendung der hl. Sacramente und lautet wie folgt:„Zum fünften ſollen die hl. Sacramente mit großer Andacht und Ernſt tractirt, gebraucht und mitgetheilt werden, auch der gemein Mann deutſchlich und verſtändlichen Unterricht und verſtändigt, was da gehandelt und gethan und was die Wirkung, Crafft und Frucht eines jeden Sacraments ſey, desgleichen was in den Kirchen geſungen und gehandelt, worzu auch die Ceremonien der Kirchen gut, nutz und dienſtlich und daß unſer Seeligkeit an denen nicht ſtehe oder hange, auch wie der gemeine Mann täglich bei dem Ampt der heiligen Meeß und ſonſten das heilig hochwürdig Sacrament des Altars des wahren Fleiſch und Bluts Chriſti durch ſeinen Glauben und Gebet geiſt⸗ lich empfhan möge, ſo er das je zu Zeithen und ſeit allwege das Volck zum Kirchgang, zur Andacht, Gebet und Dankſagung gereitzet, gezogen und gehalten werden, und ſonderlich daß er ſich auf die Sonntag und Feſttage zur Kirchen den göttlichen Aemptern gebetten und dem Wort GOttes verfugen, auch ſich zur Entpfhaung des Saera⸗ ments ſchickhen, darin wir nicht gedenkhen jemals wider ſein Gewiſſen einig Geſetz zu geben oder beſchweren ſondern wollen einem jeglichen das frey laſſen, ſeinem Gewiſſen und Andacht befehlen das hl. Hochwürdig Sacra⸗ ment des wahren leibs und bluts Chriſti unter einer oder zweyerley Geſtalt zu empfahen, doch daß kein Teyl dem andern derhalben Urtheilen verſpreche, ſchwere oder ſchelte, ſondern ſie miteinander in chriſtlicher und brüder⸗ licher Liebe und Einigkeit vordern und ſich, wie wahrhaftigen Gottes Kindern gebürth, erzeigen und halten.“ Am Schluſſe geſtattet dieſer Artikel die Anwendung chriſtlicher deutſcher Geſänge unter den hl. Aemtern und vor und nach der Predigt. Der ſechste, ſiebente und achte Punect enthält polizeiliche Beſtimmungen über die Feier der Sonn⸗- und Feſttage der Apoſtel und Frauentage. Der neunte erinnert an die Verpflegung der Armen und Kranken, ſowohl in den Siechen⸗Häuſern als in den Privatwohnungen und ſchärft dabei das Verbot gegen Bettler und Müßiggänger ein und ermahnt zu Almoſen. Der zehnte und elfte Artikel handelt vom Leben und Wandel der
*) Hier iſt doch wol nicht, wie Heppe S. 21 angiebt, der catechismus Lutheri gemeint?!
**) Kann man etwa, wie Heppe S. 21¹ thut, das ſo misverſtehen, daß man ſagt, es ſeien die Sacramente nach evange⸗ licher Ordnung geſpendet und der Kultus von allem geſäubert worden, was mit der Schrift im Widerſpruch ſtand?!
2*


