Aufsatz 
Geschichte der religiösen Bewegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahrhunderts / von J. Gegenbaur
Entstehung
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der Stadt Fulda an den Reichstag nach Regensburg daſelbſt den Evangeliſchen Fürſten dieſe ſ. g. Reformatio als Beweismittel vorlegen wollten, erklärten die proteſtantiſchen Fürſten,daß ſie dieſe als ſolche nicht annemen wöllen als die zur ſachen undienlich und mehr zur Papiſtiſchen als zur Evangeliſchen Religion dienlich und verſtendig*). Ja in einem Schreiben aus dem Jahre 1578 an den Kurfürſten von Sachſen ſprachen Nath und Scheffen der Stadt, welche doch vorher fortwährend dieſe Reformatio Philipps zum Beweis des evangeliſchen Glaubensbekenntniſſes aufgeführt hatten, ſich dahin aus,daß dieſelbige mehrertheils mit dem Bapſtthum beſudelt, beſchmeiſt und in efleclu anders nichts, dann das bäpſtiſche Interim ſei. Später kamen ſie nochmals auf die⸗ ſelbe zurück, und da ſagten ſiedieſelbe ſei mit dem Bapſtthum in vielwegen vermiſchet und geflickt. In einem Schreiben aus demſelben Jahre an Dr. Jacob Schmiedlinger geſtanden ſie zu,daß die Meß gleichwol in Iren Würden und Brauch allhie blieben. Daraus wird man beurtheilen können, was es zu bedeuten hat, wenn Heppe S. 21 ſagt:Der Katholieismus war in Fulda ausgeſtorben; der Hunger nach dem lebendigmachenden Wort von der Gnade und dem Glauben hätte das ganze Volk dem evangeliſchen Bekenntniſſe zugeführt. Betrachten wir nunmehr die Sache ſelbſt: Im Eingange der erſten Verordnung bezieht ſich der Abt auf den Reichstagabſchied zu Regensburg, wie der Kaiſerſampt Päbſtlicher Heiligkeit legaten allen geiſtlichen Prä⸗ laten auferlegt und befohlen habeein Chriſtlich Ordnung und Reformation, die zu guter gebürlicher und heil ſamer Adminiſtration der Kirchen förderlich ſey, fürzunehmen und aufzurichten. Die ausdrückliche Beziehung auf die Zuſtimmung des päpſtlichen Legaten wird ebenfalls ein Beweis für die ausgeſprochene Behauptung ſein, ebenſo wie der Umſtand, daß der Abt, ehe er dieſe Verordnung erließ, dieſelbe dem Kurfürſten von Mainz vorlegte, indem er denſelben bat, dieſelbe zu durchleſen und ihm etwaige Bedenken mitzutheilen**). Die Verordnung beginnt:Erſtlich meynen und wollen wir, daß die Pfarren und Predigſtule, zum beſten ſo viel immer muglich, mit guten Chriſtlichen Gelehrten, redlichen Pfarrherrn und Predigern durch diejenigen, ſo ſie zu verſehen und beſtellen haben, beſtelt und verſehen werden, die das Evangelium Chriſti und Gottes Wort rein, klar, deut⸗ licher und verſtändlicher weiß verkündigen, predigen, auslegen und verklären, nachdem und wie es ſein eigenes Wort und der hl. Biblia und Apoſtoliſchen**) Schrifft und Lehr mitbringen ſampt den unausſprechlichen Verdienſten Chriſti thun und laſſen ſoll und ſolches Alles ſonder und ohn einiges Schmehen, Schelten. Nach⸗ dem ſodann die Verordnung weiter Bezug genommen hat, wie die Geiſtlichen die Menſchen zu beſſerem Leben bekehren ſollten, was in der Zeit beſonders nötig ſei,wo Gottes Zorn über ihre Miſſethaten alſo brennet, daß der Ertztyrann und Erbfeind des Kreuzes, der Türke mit neuer Gefahr drohe und daß Gott das Land heimſuche durch Peſtilentz ſambt vielen neuen Krankheiten, Teuererung und Uneinigkeit u. ſ. w., warnt ſie die Prediger unberührt zu laſſen, was dieſer Zeyth Zank⸗artickel ſeyn, dardurch das gemeine Volk mehr geärgert denn ge⸗ beſſert oder unterrichtet würde, daß ſie fernerdas gantze gemeine leyenVolck mit disputirlichen ſchweren Sachen itzt ſchwebender Zwietracht verſchonen und mehr ihr Augenmerk darauf wenden möchten,was es ihm thue, damit es die ewige Seligkeit erlange. Die Verordnung ſchreibt ſodann weiter vor, daß auf Sonn⸗ und Feſttagen in allen Pfarreien zwei Predigten gehalten werden,nemlich eine vormittag, daran dem Volck die Epiſtel und Evangelium verleſen und verkündigt und daraus mit Chriſtlicher Lehr wohl gelehrt und unterweiſen werden, wie oben vermeldet, die andere Predigt nachmittag, darinnen dem Volck und ſonderlich dem jungen Geſinde und

*) Dronke Prog. 1846 S. 30. **) Der Brief des Abts an den Kurfürſten iſt im Archiv der hieſigen Regierung in dem lib. manuscr. enthalten und dati't: Dienſtag nach quasi modo 1542. rn) In der Urkunde am Rathhauſe ſteht ebenſo wie bei Schannat: Catholiſchen. Der liber manuscriptus im Re⸗ gicrungsarchive enthaͤlt ebenfalls eine Abſchrift, darin ſteht übrigensapoſtoliſcher wie bei Heppe S. 20.