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Von den Lehrmitteln iſt der Schulgarten das wichtigſte. Außerdem ſtehen an der hieſigen Anſtalt dem botan. Unterrichte eine reichhaltige Sammlung in⸗ und ausländiſcher Pflanzenprodukte, Längs⸗ und Querſchnitte durch Stämme der verſchiedenen Holzarten, mikroskopiſche Präparate, ein Herbarium, eine Moos⸗, Flechten⸗ und Pilzſammlung, ſowie Pflanzenatlanten und Wandtafeln zur Verfügung.
Für den zoologiſchen Unterricht gilt beziehungsweiſe dasſelbe.
Die Phyſiologie in 0 III, die ſich auf die Hauptſachen beſchränken muß, erfordert zum Verſtändnis der Funktionen der Organe, die Kenntnis des Aufbaues derſelben. Hierfür dienen mikroskopiſche Präparate mit den betreffenden Skizzen. Aber trotz dieſer bleibt das richtige mikros⸗ kopiſche Sehen für den Schüler eine ſchwierige Sache, was nicht wundern kann, da das Mikroskopieren eine Uebung vorausſetzt, die der Schüler nicht haben kann. Außerdem fehlt ſehr häufig die nötige Zeit ſich ſo eingehend, als dies erforderlich erſcheint, mit den einzelnen Schülern beſchäftigen zu können. Bei größeren Klaſſen deckt ſich der Zeitaufwand nicht mit dem Erfolge. Angeſtellte Verſuche mit dem Skioptikon haben weit beſſere Reſultate ergeben. Alle Schüler ſehen dabei zugleich das Präparat körperlich vor ſich, und es wird dem Lehrer die Gelegenheit gegeben, das, was geſehen werden ſoll, für alle gründlich zu erläutern. Die Gefahr, bei der Anwendung der Projektionslampe in Spielerei zu verfallen, iſt kaum zu befürchten. Der Lehrer hat es ferner in der Hand, ſich das ihm für den Unterricht paſſend Erſcheinende ſelbſt auszuwählen, wenn er ſich die Diapoſitive ſelbſt herſtellt und ſich von den Handlungen und ihren ſtereotypen Präparaten unabhängig macht. Auch ſtereoskopiſche Photo⸗ graphieen leiſten im Unterrichte weſentliche Dienſte und ſind Wandtafeln vorzuziehen. Da, wo ſich das Mikroskop abſolut nicht entbehren läßt(Blutkreislauf des Froſches, lebende Organismen— Hydra u. ſ. f.), thut man gut, die Demonſtrationen auf einen freien Nachmittag zu verſchieben, um von der Zeit unabhängig zu ſein.
In der Anatomie des Menſchen werden neben dem Skelett die vortrefflichen Modelle von Rammé in Hamburg verwendet.
Ueber den fraglichen Wert von Sektionen an narkotiſiertem oder auch totem Material iſt ſchon geſprochen worden. Gute Modelle, Photographieen und Wandtafeln, ſo verwerflich die letzteren auch ſonſt ſind, müſſen hier aushelfen.
Nach dieſen allgemeinen Bemerkungen möge noch kurz die Verteilung des Lehrſtoffes beſprochen werden. Der Einfachheit halber werden dabei nur die Klaſſen des Realgymnaſiums berückſichtigt da ſich der Unterricht in den betreffenden Klaſſen der Realſchule analog geſtaltet.
a. Botanik.
VI. Hier kommt es nicht darauf an, dem Schüler die genaue Kenntnis einer Reihe von Pflanzen einzuprägen. Vielmehr ſoll hier die Terminologie, die Kenntnis der Pflanzenorgane, deren äußere Geſtaltung, ihre Bedeutung für die Pflanzen u. ſ. f. die Hauptſache für den Unterricht ausmachen. Nur große Formen kommen zur Betrachtung. Beobachtungsfelder für den Schüler ſind: Schulgarten, Hausgarten, Anlagen der Stadt(Feld und Wald bei Ausflügen). Der Unterricht wird im Garten erteilt. Dem Schüler ſind von Stunde zu Stunde beſtimmte Beobachtungsaufgaben zu ſtellen. Da eingehende Pflanzenkenntnis hier wegfällt, ſo iſt der Lehrer in der Auswahl des Stoffes nicht an die Blütezeit gebunden. Zeichnung verſchiedener Pflanzenteile nach dem Objekte iſt unerläßlich notwendig. Der Name der betrachteten Pflanze iſt dem Schüler anzugeben.


