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Schuljahr zur Verfügung. Der Unterricht beginnt im Real⸗Gymnaſium mit VI und geht bis ein⸗ ſchließlich O III, an der Realſchule umfaßt er die Klaſſen 6 bis 3. Bei einer ſo beſchränkten Anzahl von Unterrichtsſtunden muß man ſich auf Weniges und Weſentliches beſchränken und dies zu einem dauernden Beſitz des Schülers machen. Ein Teil der Stunden fällt überdies noch überſichtlichen Repetitionen anheim, die Vergeſſenes wieder neu beleben, das Vorhandene erweitern und befeſtigen ſollen.
Die Lebeweſen der Heimat bilden bei dem Unterrichte den Kernpunkt. Der erſte Anſchauungs⸗ kreis fällt in die unmittelbare Nähe der menſchlichen Wohnungen. Von hier ausgehend, werden die Kreiſe immer weiter gezogen und zu den betrachteten Objekten ſtets neue Formen hinzugefügt. Auf den oberſten Stufen folgt eine Konzentration des geſammten Stoffes, eine überſichtliche Zuſammen⸗ ſtellung desſelben nach einem von unten herauf ausgearbeiteten Syſtem. Dabei werden die am Ende jeder Stufe gemachten Zuſammenſtellungen benützt. Wie bei einem Bauwerk muß ſchließlich das Ganze einen harmoniſchen Abſchluß finden. Das ängſtliche Vermeiden aller Tier⸗ und Pflanzenformen, die nicht in der engeren Heimat vorkommen, iſt nicht zu rechtfertigen. Sobald es der deutſche oder der geographiſche Unterricht verlangt, ſind auch jene im Unterricht zu behandeln.
Der Natur der Sache nach fällt der Unterricht in der Zoologie auf die Winter⸗, der botaniſche Unterricht auf die Sommermonate. Beide müſſen aber, wo es ſich nur irgendwie erreichen läßt, mit einander verknüpft werden(Schulgarten, Exkurſionen).
Ein klares, ſelbſtändiges Denken ſetzt ein klares, wohlgeordnetes Wiſſen voraus. Mit dem Abſchluß des Unterrichtes muß ſich der Schüler die Fähigkeit erworben haben, unbekannte Tier- und Pflanzenformen richtig auffaſſen und verſtehen zu können, wenigſtens der Hauptſache nach. Er muß ferner das Band erkennen können, welches dieſe an andere Formen knüpft. Dazu gehört ein Führer, der bei der kaum überſehbaren Fülle von Naturformen, den Schüler ſicher zum Ziele führt. Dieſer Führer iſt und bleibt die Syſtematik. Sie bildet das Gerippe, an das alles Uebrige ſich anſchmiegen muß. Die Erkenntniß der Naturgeſetze, das Auffinden und Abſtrahieren derſelben aus dem bearbeiteten Stoffe dürfen in den unterſten Klaſſen, wo der Schüler erſt zum Denken erzogen werden ſoll, wo ihm noch die nötige Schärfe der Sinne und des Denkens fehlt, nicht allzu ſtark betont werden. In dem Maße wie die Verſtandskraft wächſt, nehmen auch dieſe Betrachtungen an Umfang zu. Die Anpaſſung der Organe an die Lebensweiſe, den Aufenthaltsort ꝛc, die Differenzierung derſelben, die allſeitigen Beziehungen der Organismen zu einander und zum Menſchen u. ſ. f. ſind naturgemäß Gegenſtand der Betrachtung ſchon auf den unterſten Stufen. Es tritt nur inſofern eine Beſchränkung ein, als auf dieſen vorbereitenden Stufen des Unterrichts nur einzelne große Tier⸗ und Pflanzenformen Gegenſtände des Unterrichts bilden können. Es liegt klar zu Tage, daß dieſe aber nicht immer eine von der Natur gegebene Lebensgemeinſchaft ausmachen, alſo auch von Geſetzmäßigkeiten nur in beſchränktem Sinne die Rede ſein kann. Der Lehrgang muß ſich aber der Entwickelung des kindlichen Geiſtes in ſeinen Anforderungen anſchließen, darf das Kind nicht verwirren durch Dinge, die gar nicht in ſeinem Ideen⸗ kreis liegen können. Der Unterricht dehnt ſich auf eine Reihe von aufeinanderfolgenden Klaſſen aus, er muß, dem geiſtigen Voranſchreiten dieſer folgend, ebenfalls vom Leichten zum Schweren vorangehen, ſowohl was Stoff, als was Abſtraktionen aus demſelben betrifft. Im Anfang vorbereitend, an größere, leichter faßliche Naturobjekte geknüpft, muß er auf den Mittelſtufen immer intenſiver ſich geſtalten und immer kleinere, ſchwerer verſtändliche Formen zur Anſchauung und zum Verſtändnis bringen. Auf den oberen Stufen wird das Ganze einheitlich zuſammengefaßt und abgeſchloſſen. Hier hat man jetzt zu den Schlüſſen die nötigen Prämiſſen, eine abgegrenzte Menge klar erkannten Materials neben der nötigen geiſtigen Reife, die Fäden klar erkennen zu laſſen, die bei der unendlichen und heterogenen Vielgeſtaltung der Formen, dieſe alle verknüpfend, doch in einem Punkte zuſammenlaufen.


