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Sehr häuſig überwachſen die Pflanzen alle Signaturen, namentlich die an kürzeren Stäben befeſtigten. Um nun doch ein raſches Sichzurechtfinden zu ermöglichen, ſind am Mittelweg entlang die Grenzen der Unter⸗ und Hauptabteilungen durch kleine farbige Holzkreuze markiert.
Der Wert des Gartens liegt einmal darin, daß er als Pflanzengarten die im Unterricht nötigen Pflanzen liefert, ohne daß die Schüler Gefahr laufen, mit Flur⸗ und Waldhütern beim Botaniſieren in Konflikt zu geraten. Sodann bietet er dem Schüler ein geordnetes Beobachtungsfeld zum Studium der Pflanzenwelt in allen Entwickelungsſtadien und der vorzüglichſten biologiſchen Verhältniſſe der Pflanzen. Er giebt ferner die beſte Gelegenheit zur Beobachtung gewiſſer Tiere und bietet ſo eine weſentliche Ergänzung des zoologiſchen Unterrichtes im Winterſemeſter, zu dem er überdies ſchon lebendes Material geliefert hat. Ein weſentlicher Vorzug iſt weiter die Möglichkeit, den Unterricht im Freien abhalten zu können, unabhängig von der Witterung. Dabei hat man ſtets friſches Material zur Hand, und die Schwierigkeiten der Beobachtung an halb verwelkten Exemplaren fallen weg. Außerdem hat der Schüler in ſeinen Muſeſtunden Gelegenheit zu nützlicher, geſunder Beſchäftigung im Freien. Zum Schluſſe mögen noch die metereologiſchen Beobachtungen hervorgehoben werden.
Da der Schüler das im Unterricht Gegebene durch Beobachtung erweitern und befeſtigen, da ferner ſeine Beobachtungsgabe geweckt, geſchärft und ſtets auf das Richtige und Weſentliche hingelenkt werden ſoll, ſo ſchließt dies die Möglichkeit eines öfteren Beſuchs des Gartens im Beiſein des Lehrers ein. Um dieſen zu ermöglichen, bringen die Schüler klaſſenweiſe an beſtimmten Tagen mehrere auf⸗ einanderfolgende Pauſen, deren Dauer jedesmal ¼ Stunde beträgt, in dem Garten zu. Die Klaſſen wechſeln dabei ab. Ferner ſteht es den Schülern frei, an beſtimmten ſchulfreien Nachmittagen den Garten zu beſuchen. Sie teilen beim Durchwandern des Gartens ihre Beobachtungen einander mit, machen ſich gegenſeitig auf dies oder jenes aufmerkſam und belehren ſich ſo gegenſeitig. Die Kontrolle über das Beobachtete übt der Lehrer im Unterricht oder auf Exkurſionen. Ueberdies ſind den einzelnen Schülern beſtimmte Beete zur Pflege und Beobachtung überwieſen.
Die Litteratur über die Vorzüge der Schulgärten bedarf wohl kaum eines neuen Beitrags. Es mag hier genügen, dem bereits oben über den Wert des Gartens Geſagten noch einige kurze Bemerkungen in Bezug auf ſeine erziehliche Bedeutung hinzuzufügen.
Der Name Schulgarten iſt für die hieſige Einrichtung beibehalten worden, im Gegenſatz zu ähn⸗ lichen Einrichtungen an anderen nicht Heſſiſchen Anſtalten, die man als Pflanzengärten bezeichnet hat. Dieſe Bezeichnung entſpricht wohl auch vollkommen dem Zwecke. Denn ſie ſollen nur die Pflanzen für den Unterricht liefern und den Schüler unabhängig von Feld⸗ und Forſtpolizei machen. Dieſen erheb⸗ lichen Vorteil ſchließt die hieſige Anlage vollkommen ein, bietet aber dem Schüler noch viele andere Vorteile. Der Schulgarten ſoll ein richtiges Lehrmittel für den naturbeſchreibenden Unterricht ſein, ein Stückchen Natur, das der Beobachtung des Schülers jederzeit zugänglich iſt. Hierdurch wird nicht nur die Beobachtungsgabe des Schülers geſchärft, ſondern es erwächſt ihm daraus der Vorteil allſeitiger geiſtiger Anregung, die ihm im ſpäteren Leben jeden Gang in's Freie zum äſthetiſchen Genuß macht. Naturſinn, Liebe zur Natur und ihren Geſchöpfen werden weſentlich gefördert und das Intereſſe für Naturerſcheinungen ſtets wach gehalten. In dem Maße wie ſo die Liebe zur Natur geſtärkt wird, nimmt der gedankenloſe Zerſtörungstrieb, der ſich bei der Jugend auf ihren Ausflügen in's Freie ſehr häufig in gedankenloſem Abreißen von Blättern und Blüten oder gar in Quälereien und im Töten von Tieren äußert, ab. Dadurch, daß ihm hier Gelegenheit gegeben iſt, dieſe Tiere in ihrer ganzen Lebensweiſe kennen zu lernen, gewinnen ſie eine ganz andere Bedeutung für ihn, als dies beim Vor⸗ führen toter Exemplare zu erreichen möglich iſt. Aquarien leiſten im Winter ſchon ausgezeichnete Dienſte. Den Schülern wird beiſpielsweiſe der Gebrauch der Floſſen des Fiſches, das Atmen durch


