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Abteilungen mußten noch angelegt werden trotz der ſchon vorhandenen Holzbeſtände, weil hier eine allſeitige und beſtändige Beſtrahlung möglich iſt. Abteilung I. iſt eine Lebensgemeinſchaft, in dem gebräuchlichen Sinne genommen. Tier⸗ und Pflanzenwelt des Teiches kommen hier nebeneinander vor. Der Teich iſt mit Schildkröten, Krebſen, Fiſchen, Tritonen u. ſ. f. bevölkert und enthält überdies die in der Umgegend Gießens vorkommenden Waſſerpflanzen. Er wird durch unterirdiſchen Abfluß aus dem höher gelegenen Baſſin geſpeiſt, das wiederum ſein Waſſer durch einen mit der ſtädtiſchen Waſſerleitung verbundenen Springbrunnen erhält. Zur beſſeren Beobachtung ſind die einzelnen Tiergattungen von einander getrennt. Das Reſervoir iſt ähnlich bevölkert wie der Teich und ſeine Ufer.
Einzelne Tiere wie Astacus, Anodonta, Cobitis. Gasterosteus verlangen fließendes Waſſer, es mußte deshalb ein Abfließen des Teiches ermöglicht werden. Zu dem Zwecke wurde an der Siüdoſt⸗ grenze des Teiches ein Graben gezogen, der das Waſſer zur Verſickerung aufnehmend, gleichzeitig noch als Standort Feuchtigkeit liebender Pflanzen dient(Algen, Caltha etc).
Das nordöſtlich der Mauer entlang laufende, 1,40 m breite Beet iſt mit Spalierobſt und Reben bepflanzt. Ein Treibbeet befindet ſich ebenfalls dort. In Zukunft werden noch Terrarien und Volièren ihre Aufſtellung hier finden.
Die Wege im Garten ſind alle 1,20 m breit; nur der Zugang vom Haupteingang beſitzt eine Breite von 1,50 m.
Zur Begießung einer ſo großen Fläche war die Einrichtung eines Hydranten erforderlich, der nahe dem Teiche ſich befindet und durch Zweigleitung auch den Springbrunnen ſpeiſt.
Zum Zwecke allſeitiger Ausnutzung des Gartens für den Unterricht haben noch metereologiſche Inſtrumente ihre Aufſtellung in demſelben gefunden. Thermometrograph, einfache Thermometer, nach S und N erponiert, geſtatten die Beobachtung der Lufttemperaturen. Zum Zwecke der Beobachtungen der Bodentemperaturen in den verſchiedenen Tiefen wurden Gasleitungsröhren von 4 cm Durchmeſſer in den Boden gegraben, oben durch einen Kork, an dem das Thermometer befeſtigt iſt, geſchloſſen, und über das obere Ende nochmals ein erdfarbener Tiegel geſtülpt. Ein Kreuz nach dem aſtronomiſchen Meridian orientiert zur Beſtimmung der Himmelsgegenden und Feſtſtellung der Windrichtung nach der Wetterfahne des Hauſes, Ombrometer und Pſychrometer vervollkommnen die Reihe der Beobachtungs⸗ inſtrumente.
Die Wirkungen ſtrahlender Wärme ſichtbar zu machen, werden noch an der Mauer hinter den Zweigen des Spalierobſtes und der Reben helle und dunkle Flächen angebracht werden.
Für die beſſere Orientierung des Schülers in dem Garten und im Intereſſe des Betriebs und der Aufſtellung des Inventars wurde folgende Einteilung für den Garten gewählt.
Die einzelnen Hauptabteilungen tragen an über 1 m hohen Stäben die im Plane angegebenen Signaturen. Dieſelben ſind, mit weißer Oelfarbe auf rotem Grunde hergeſtellt, von weitem ſichtbar. Die Unterabteilungen, die Pflanzbeete, tragen ähnliche Signaturen au kürzeren Stäben und in den kleinen Buchſtaben des Alphabets. Wird eine Unterabteilung nochmals in kleinere zerlegt, ſo werden dieſe mit Nummern bezeichnet. Dieſe Bezeichnung geſchieht grundſätzlich in der Art, daß das dem Mittelweg zunächſt liegende Beetchen die Nr. 1 trägt und das am Seitenweg liegende die höchſte Ziffer. Auf jedem Beet iſt ferner auf einem Zinkſchildchen der vollſtändige deutſche und lateiniſche Name, ſowie der Name der betreffenden Pflanzenfamilie angegeben. Dieſe Einrichtung iſt von manchen Seiten als unvorteilhaft geſchildert worden, weil der Schüler den Namen der Pflanze erſt im Unterricht ſolle kennen lernen. Ich halte dafür, daß die Beigabe des Namens viel mehr nützt, da ſie erſtens die Orientierung erleichtert und dann dem Schüler Gelegenheit giebt, jederzeit vergeſſene Namen wieder dem Gedächtnis einzuprägen.


