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ſitäts⸗Budget eingeſtellt hatte. Es ſcheint, daß Liebig mit der Verzögerung einverſtanden war; denn der ihm ſehr befreundete Hofkammerrat Hofmann legt am 1. Februar 1835 einen neu bearbeiteten Plan und Voranſchlag im Betrag von 4864 fl. vor und begründet dieſe Mehrforderung durch eine beſſere Verbindung mit dem alten Gebäude und mit der Aufführung eines getrennten Holzſtalles. Dieſer neue zweckmäßigere Plan findet allſeitige Zuſtimmung; trotzdem nun bei der Vergebung der Arbeiten durch Abgebote ſich der ganze Koſtenaufwand auf 4431 fl. ſtellt, ſo weiſt nach Vollendung des Ganzen die Wirtſchaftsrechnung einen Betrag von 5035 fl. nach. Der Mehraufwand rührt von einer Reihe während des Baues und nach deſſen Vollendung von Liebig vorgetragenen Wünſchen her. Der Rohbau war am 15. September 1835 vollendet; am 17. d. M. verlangt Liebig neue eichene Bänke für den Hörſaal, weil die alten nicht recht paßten und durch das Herumziehen auch etwas ſchadhaft geworden ſeien; ferner einen neuen Experimentiertiſch mit pneumatiſcher Waſſer⸗ und Queckſilberwanne in vertiefter und gegen Queckſilberverluſt geſchützter Lage. Unter dem alten Experimentier⸗ tiſch im früheren Auditorium ſei in Staub und Kehricht 5 Pfund Oueckſilber ausgeſchieden worden; ſolche Verluſte müßten fernerhin vermieden werden. Alle dieſe und andere Wünſche werden immer einſtimmig befürwortet und genehmigt. Alle hierbei mitwirkenden Profeſſoren waren in der Erkennt⸗ nis der wiſſenſchaftlichen Stellung Liebigs eifrigſt beſtrebt, deſſen Wünſche zur Ausführung zu bringen. Am deutlichſten tritt der Eifer zu Tage, als die Regierung— ohne Zweifel in Folge der politiſchen und finanziellen Lage— eine Verzögerung herbeiführte. Wie ſehr aber die Regierung eine„Ahnung von der Bedeutung und Größe des Mannes hatte, welcher hauptſächlich Gießen nach außen hin Glanz und Ruhm verlieh“, das würde wohl auch Kolbe, falls er noch lebte, zugeben, wenn er die folgende Verfügung des Miniſteriums, datiert Darmſtadt, 2. April 1835, kennen lernte:
„pp. an die Landes⸗Univerſität.
Bei dem Standpunkt, auf welchem ſich gegenwärtig das chemiſche Laboratorium zu Gießen hauptſächlich durch den Eifer und die Sorgfalt des Profeſſor Dr. Liebig befindet, hat derſelbe aus dem Grunde, daß es ihm bei aller rühmlichen Anſtrengung bisher nicht möglich geweſen, die zu dem Unterrichte der Chemie und der dahin einſchlagenden Fächer erforderlichen Geſchäfte allein zu beſorgen, ſondern ſchon ſeit mehreren Jahren zur Annahme eines Aſſiſtenten auf eigene Koſten ſich genötigt geſehen, um widerrufliche Anſtellung eines ſolchen mit einer jährlichen Remuneration von 300 fl. unterthänigſt nachgeſucht und zu dieſer Stelle den Dr. Ettling aus Frankfurt, der die erforderlichen Eigenſchaften beſitze, vorgeſchlagen.
In Folge Allerhöchſter Ermächtigung haben wir dieſen Antrag genehmigt, wovon wir Sie zur Nachricht und Nachachtung in Kenntnis ſetzen.
du Thil.“
Wie klar und verſtändig die Anſchauungen der Regierung über die Stellung der Chemie als ſelbſtändiger Wiſſenſchaft im Gegenſatz zu ihrer früheren Abhängigkeit von Medizin und Pharmacie, über die Art ihres mit praktiſchen Arbeiten verbundenen Unterrichtes an der Univerſität, über die Wirkſamkeit Liebigs geweſen ſind, geht auch aus dem 1838 erſchienenen Werke des Geheimen Staats⸗ rates Linde hervor:„überſicht des geſamten Unterrichtsweſens im Großherzogtum Heſſen, beſonders ſeit dem Jahre 1829. Gießen, Ferber“, Seite 320. Daß dieſe Anſchauungen dem Eifer Liebigs zu verdanken ſind, ſchmälert nicht das Verdienſt der Regierung, ſich dieſelben zu eigen gemacht und ihnen gemäß auch gehandelt zu haben.
Wenn in jenem vielbeſprochenen Briefe Liebigs vom Herbſte 1833 auch die Gehaltsfrage ſcharf betont wird, ſo iſt ja wohl Grund dazu für ihn vorhanden geweſen. Daß aber andere daraus


