Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des chemischen Unterrichtes an der Universität Gießen : mit einem Plan / von G. Weihrich, Direktor des Großherzoglichen Realgymnasium und der Realschule in Gießen
Entstehung
[Giessen] [2018]
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und himmelhoch jauchzend; welche Einrichtungen ſind getroffen, von welchen Unzuträglichkeiten iſt Liebig mittlerweile befreit worden?

Am 13. November 1832 richtet er an die akademiſche Adminiſtrations⸗Kommiſſion eine Ein⸗ gabe, worin er zunächſt die ihm zur Verfügung ſtehenden drei Laboratoriumsräume(vergleiche oben) ſchildert. In dem kleinen, mit Steinplatten belegten Kabinet, das die Apparaten⸗, Inſtru⸗ menten⸗ und Präparatenſammlung enthalte und deshalb nicht geheizt werden dürfe, müßten alle Wägungen vorgenommen werden. Er ſei daher gezwungen, ſtundenlang in dieſem, im Winter eiſig⸗ kalten Raum zu verweilen. In dem eigentlichen Laboratorium ſei es durch die, nach den Plänen des Geheimen Finanzrates Schmidt(Phyſiker) ausgeführte Erbauung eines neuen Herdes in der Mitte dieſes Raumes möglich geworden, eine größere Anzahl Laboranten aufzunehmen. Die hierdurch aber um ſo dringender gewordene Lüftung und Ableitung der ſchädlichen Dünſte ſei noch nicht auszuführen ge⸗ weſen. In dieſem Raum mußte nun Liebig neun bis zehn Laboranten anleiten und mitten darunter ſeine eigenen epochemachenden Unterſuchungen ausführen!). Gelüſtet wurde durch Offnen von Fenſtern und Thüren. So allen Störungen der Laboranten ausgeſetzt, den ſchädlichen Dämpfen, der Zugluft, dem Kohlenſtaub und ⸗Dunſt preisgegeben, darf es nicht Wunder nehmen, wenn ſeine Geſundheit be⸗ denklich geſchädigt wurde. Er wünſcht deshalb, den ſeitherigen, unmittelbar hinter dem Gebäude ſtehenden, dem akademiſchen Hoſpital und dem Laboratorium gemeinſamen Holzſtall zu einem Auditorium umzu⸗ bauen, das ſeitherige Auditorium aber in ein heizbares die Apparate aufnehmendes Wagezimmer und in ein Privatlaboratorium zu teilen. Hierdurch wäre es dann auch möglich, die täglich durch ſeine und ſeiner Schüler Arbeiten wachſende Präparatenſammlung in jenem unheizbaren Raum unterzubringen. Der Schluß jener Eingabe iſt zu charakteriſtiſch, als daß ich ihn hier nicht wiedergeben ſollte:Das Laboratorium, ſo wie es daſteht, iſt nach und nach unter meinen Händen entſtanden, die kleinſte Ver⸗ änderung und Verbeſſerung iſt aus der Natur meiner Arbeiten hervorgegangen; mich davon trennen zu müſſen, wäre das bitterſte, was mir begegnen könnte. Wieder ſteht der Phyſiker Schmidt bei der ſchriftlichen Abſtimmung der Adminiſtrations⸗Kommiſſion mit ſeinem Votum vom 24. Nov. 1832 an der Spitze; angeſichts der großen Verdienſte Liebigs um die Wiſſenſchaft und die Univerſität ſei es die Pflicht der Letzteren, jene billigen Wünſche zu befriedigen; er beantragt, dem Baukonduktor Sonnemann den Auftrag zu geben, die Wünſche auf ihre Ausführbarkeit zu prüfen und darnach Pläne und Koſtenvoranſchlag auszuarbeiten. Sonnemann ſtattet ſein Gutachten am 10. Dez. 1832 dahin ab, daß die dermalen beſtehenden Verhältniſſe unzulänglich und unſtatthaft ſeien, daß jedoch der Vorſchlag des Profeſſor Liebig, den Holzſtall zu einem Auditorium auszubauen, aus mehreren Gründen unausführbar ſei. Der Holzſtall, ein Lehmſtein⸗Fachwerkbau, müſſe ganz abgebrochen werden. Wollte man nun einen einſtöckigen Anbau für den Hörſaal errichten, ſo laſſe ſich derſelbe äſthetiſch nicht mit dem jetzigen Gebäude in Einklang bringen. Er ſchlage deshalb eine zweiſtöckige Fortſetzung dieſes Gebäudes vor, wodurch man zugleich die dringend nötige Erweiterung der überaus engen Wohnung des Profeſſor Liebig erreiche. Der hierzu erforderliche Koſtenaufwand belaufe ſich auf etwa 3500 fl. In ſeiner Entſchließung vom 7. März 1833 verlangt das Miniſterium detaillirte Riſſe, Koſtenanſchläge, um nach den Anträgen der Adminiſtrations⸗Kommiſſion(bez. des Baukonduktors Sonnemann) den Ständen Vorlage zu machen.

¹) Liebig ſchreibt hierüber in ſeinen Aufzeichnungen(Deutſche Rundſchau):Wir arbeiteten, wann der Tag begann bis zur ſinkenden Nacht; Zerſtreuungen und Vergnügungen gab es in Gießen nicht. Die einzigen Klagen, die ſich ſtets wiederholten, waren die des Dieners(Aubel), welcher am Abend, wenn er reinigen ſollte, die Arbeitenden nicht aus dem Laboratorium bringen konnte. Die Erinnerung an ihren Aufenthalt in Gießen erweckt, wie ich häufig hörte, bei den meiſten meiner Schüler das wohlthuende Gefühl der Befriedigung über eine wohlangewendete Zeit.