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zwecke beſtimmten Räume des Erdgeſchoſſes. Es waren drei; der erſte ſtellte das eigentliche Laboratorium, der zweite den Hörſaal vor und der dritte war eine mit Steinplatten belegte Kammer, in welcher alle Apparate, Inſtrumente(Luftpumpe u. ſ. w.) und die ganze Präparatenſammlung aufbewahrt wurden und zugleich alle Wägungen vorgenommen werden mußten. Um jedoch ein unbefangenes Urteil zu ge⸗ winnen, iſt es wohl nötig, Vergleiche anzuſtellen und nachzuſehen, wie es damit anderwärts beſtellt war. In den„Jugenderinnerungen eines Chemikers“ ¹) ſchildert uns Wöhler, wie er zu Ende Oktober 1823 bei Berzelius in Stockholm eintraf, um das ſeltene(von Deutſchen nur von Mitſcherlich, H. u. G. Roſe und ſpäter von Guſtav Magnus geteilte) Glück zu genießen, der Schüler dieſes großen Chemikers zu ſein.„Das Laboratorium beſtand aus zwei gewöhnlichen Zimmern mit höchſt einfacher Einrichtung; man ſah darin weder Ofen, noch Dampfabzüge, weder Waſſer⸗ noch Gasleitung. In dem einen ſtanden zwei lange Arbeitstiſche von Tannenholz; an dem einen hatte Berzelius ſeinen Platz, an dem andern ich den meinigen. An den Wänden ſtanden einige Schränke mit den Reagentien, in der Mitte die Queckſilberwanne und der Glasblaſetiſch, letzterer unter einem in den Stubenofen⸗Schornſtein mündenden Rauchfang von Wachstaffet. Außerdem befand ſich darin die Spülanſtalt, beſtehend aus einem Waſſer⸗ behälter von Steinzeug mit Hahn und einem darunter ſtehenden Topf, wo täglich die geſtrenge Anna, die Köchin, die Gefäße zu reinigen hatte. In dem andern Zimmer befanden ſich die Wagen und einige Schränke mit Inſtrumenten und Gerätſchaften, nebenan noch eine kleine Werkſtatt mit einer Drehbank. In der nahen Küche, in der Anna das Eſſen bereitete, ſtand ein kleiner, ſelten gebrauchter Glühofen und das fortwährend geheizte Sandbad.“ Wie die Unterrichtslaboratorien in Frankreich bis in die neueſte Zeit beſchaffen waren, hat beſonders ſcharf Kolbe beleuchtet, ſo daß darüber hier jede weitere Bemerkung überflüſſig iſt. Die hierherbezüglichen Verhältniſſe an der Univerſität in Erlangen, wo Liebig ſtudierte, ſind von dem älteren Martius(Erinnerungen aus meinem neunzigjährigen Leben von Dr. Ernſt Wilh. Martius, Leipzig, Leopold Voß, 1847) in köſtlicher Weiſe geſchildert. Als Martius 1788 wieder nach Erlangen kam, wohnte im Hauſe ſeines Oheims der Phyſiker Johann Tobias Mayer, Sohn des berühmteren Mathematikers und Aſtronomen. Während die Vertreter der Chemie in Erlangen als ſtandhafte Phlogiſtiker die neuen Entdeckungen der antiphlogiſtiſchen Chemie von ſich wieſen, beſchäftigte ſich der genannte Phyſiker mit der Darſtellung der verſchiedenen Gasarten, welche die Grundlage der neuen Lehre bilden und bediente ſich dabei als Gehilfen des jungen Martius. Die Verſuche wurden in dem Laboratorium der Martiusſchen Apotheke angeſtellt und nach dem Vorgange von Lavoiſier genaue Gewichtsbeſtimmungen z. B. über das Verhältnis des Oxygens und des Mer⸗ kurius im roten Oueckſilberoxyde gemacht. Alle dieſe Verſuchsergebniſſe wurden protokollariſch aufge⸗ nommen, von dem jungen Martius mitunterſchrieben und ſofort in der Erlanger gelehrten Zeitung ab⸗ gedruckt. Als drei Jahre ſpäter der junge Mann vor drei Mitgliedern der mediziniſchen Fakultät Delius, Schreber und Iſenflamm ſein Examen als ſelbſtſtändiger Pharmaceut zu beſtehen hatte, waren die Examinatoren noch überzeugungstreue Phlogiſton⸗Anhänger; doch hatten ſie die anti⸗ phlogiſtiſchen Anſichten des Examinanden unangefochten gelaſſen. Der Hauptvertreter der Chemie war damals in Erlangen der markgräfliche Leibarzt und Präſident der Kaiſerlich Leopoldiniſchen Akademie
¹) Berichte d. d. chem. Geſ. 1875, I, 840. In einem Brief an Liebig ſchreibt Wöhler am 27. April 1860 (Briefwechſel II, S. 88):„Als Du in Paſſau krank lagſt, ſprachen wir davon, für die Annalen„Erinnerungen aus den Laboratorien von Berzelius und Gay⸗Luſſac“ zu ſchreiben. Denke doch einmal daran. Alles kommt darauf an, die richtige Form zu treffen.“ Leider iſt dieſe Abſicht nicht ausgeführt worden. Wahrſcheinlich ſind die in der Deutſchen Rundſchau abgedruckten Aufzeichnungen Liebigs aus dieſer Abrede hervorgegangen. Auch in der unvollendeten Form ſind ſie für die Geſchichte der Chemie von erheblicher Wichtigkeit.


