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heißen Zeughaus) begnügte“, ſo iſt grade der Profeſſor der Phyſik derjenige geweſen, der ſelbſtlos Liebigs Verdienſte gebührend gewürdigt und ſtets für ihn ſeinen großen Einfluß geltend gemacht hatte, wie auch noch im Folgenden gezeigt werden ſoll. Damit fällt auch die Behauptung Kolbesn): „Niemand dankte ihm dieſe Aufopferung für die Univerſität wie für die Wiſſenſchaft, welcher wohl auch kein anderer der damaligen Gießener Profeſſoren fähig war. Eben weil man eine ſolche Hintanſetzung des eigenen Intereſſes nicht begriff, ſchob man ihm andere, ſogar ſelbſtſüchtige Motive unter, ſah darin die Abſicht, ſeine Privatintereſſen zu fördern u. ſ. w.“ Das iſt eine durchaus einſeitige und gefärbte Darſtellung, welche durch die Akten in jedem Punkte widerlegt wird. Die verunglimpften Profeſſoren dürfen dazu doch auch beanſpruchen, daß man etwa ihre Privatgeſpräche(falls aus ſolchen heraus Kolbe und Vogt ihre Anklage ſchöpften) von rein menſchlichem Standpunkte beurteilteꝛ). Wir können im Gegenteil als feſtſtehend anſehen, daß Liebig— wenn überhaupt von Schwierigkeiten geredet werden kann, die er hier in Gießen zu überwinden hatte— wohl an jeder andern deutſchen Univerſität damals weit größere gefunden hätte, falls er in irgend einen Lehrkörper ſo raſch aufgenommen worden wäre. Es waren eben die damaligen Verhältniſſe, die ganze Armut des Staates und des öffentlichen Lebens in erſter Linie, welche hier nicht außer Acht gelaſſen werden dürfen, ebenſo wenig der Umſtand, daß die Chemie grade durch Liebig ſich einen ebenbürtigen Rang unter den Wiſſen⸗ ſchaften erſt erringen mußte. Aus Wöhlers Briefen geht deutlich hervor, in welch' trauriger Lage damals Mitſcherlich, Roſe, Magnus, ſogar auch Hermbſtädt ſich in Berlin befandens). Liebig war im Gegenteil von den deutſchen Chemikern ſeiner günſtigeren Lage wegen beneidet. Der großartige Brief Liebigs vom Herbſte 1833 an den Geh. Staatsrat von Linde iſt eine echte Leiſtung Liebigs, ein Glied in der Kette ſeiner Kämpfe für die Förderung der Wiſſenſchaft; dieſen denkwürdigen Brief aber gegen die damaligen Perſonen innerhalb der Regierung und der Univerſität ausbeuten und zu Anklagen verwenden zu wollen, iſt einfach ungerecht. Zunächſt will ich, um die zeit⸗ liche Folge einzuhalten, die von Karl Vogt und ihm nach von Carriere in die Welt geſchickte Bemerkung vom„Feuer unter dem Dache u. ſ. w.“(ſiehe oben) als unbegründet nachweiſen.
Nachdem in Folge von Streitigkeiten zwiſchen Militär und Studentenſchaft(1821) das Regiment von hier nach Worms verlegt worden war, ſtand die Kaſerne auf dem Seltersberg zum großen Teil unbenutzt. In der Kaſerne und ihren Nebengebäuden befand ſich nur ein Gendarmeriekommando und die Dienſtwohnung, die einem Lieutenant Volz eingeräumt war; außerdem war eines der öſtlichen Nebengebäude den Katholiken zur Abhaltung des Gottesdienſtes bis zur Fertigſtellung der katholiſchen Kirche überwieſen worden, Das dem heſſiſchen Kriegsminiſterium unterſtellte Gebäude war wegen der immerhin koſtſpieligen Unterhaltung dem Militärfiskus eine Laſt geworden. Trotzdem erforderte die mit jener Behörde geführte Unterhandlung in Betreff der Ueberweiſung der Kaſerne an die Univerſität
¹) K. a. a. O. S. 436.
²) Daß es Liebig nicht an Feinden gefehlt hat, geht auch aus ſeinem Brief an Wöhler vom 1. Fe⸗ bruar 1836 hervor:„... meine Berufung nach Göttingen war gewiß, man wollte aber vorſichtshalber in Beziehung auf meinen Charakter und Vortrag noch Erkundigungen einziehen, und man wandte ſich deshalb an einen Schurken, der ganz in meiner Nähe wohnt, mit dem ich mich voriges Jahr überworfen hatte, und der in ſeiner Antwort ſagte, daß ich mit meinen Kollegen in Unfrieden lebe und eine ſchwache Geſundheit habe. Dieſe niedrige Verleumdung war die Urſache, daß von mir keine Rede mehr war.“ Er fügt noch bei, daß er dem Ruf keine Folge gegeben hätte, weil man in Gießen ſeinen Wünſchen zuvorkäme; nur auf die Gehaltsfrage wäre der Ruf von Einfluß geweſen.
²) Vergl. auch Liebigs berühmte Abhandlung„Ueber den Zuſtand der Chemie in Preußen, 1840“ in „Reden und Abhandlungen“ von J. v. Liebig, Heidelberg, Winter 1874, Seite 27 u. ff. und Hofmann, zur Er⸗ innerung an Wöhler, Seite 46 und 23; ferner Liebigs Aufzeichnungen, Deutſche Rundſchau, 1891, Seite 33 ff.


