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in Münſter i. W. überließ die ihm gehörige Sammlung der Univerſität unter der Bedingung, daß ſeinem Sohne die Aufſicht darüber übertragen werde. Nach des Letzteren Tode verlangt die mediziniſche Fakultät durch ihren Dekan von Ritgen für ihr Mitglied, den Profeſſor Wilbrand in ſeiner Eigenſchaft als Profeſſor der Naturgeſchichte, das Inſpektorat über die geſamten naturhiſtoriſchen Sammlungen, alſo auch über Mineralienkabinet und zoologiſche Sammlung. Wenn dem auch will⸗ fahrt wurde, die Profeſſur für Mineralogie und Geologie blieb beſtehen; dieſelbe wurde im Jahre 1836 dem Profeſſor von Klipſtein übertragen. Wie der Mediziner Baumer der erſte Ordinarius für Chemie, ſo war auch der Mediziner Wernekinck der erſte Ordinarius für Mineralogie an hieſiger Univerſität.
Wenn hiernach Herr Geheimerat von Hofmann den vorhin erzählten Vorgang ein wenig zu günſtig geſchildert hat, inſofern er den Profeſſor der hebräiſchen Sprache als den einzigen Gegner Liebigs bezeichnet, ſo darf doch nach dieſer aktenmäßigen Darſtellung die Behauptung Carrieres“¹) von einer mißgünſtigen Beurteilung Liebigs oder gar die Behauptung Kolbes und Karl Vogts) von dem Neid und dem daraus weiter entſpringenden Haß der andern, weniger leiſtungsfähigen Pro⸗ feſſoren, oder endlich von der feindſeligen Stimmung„der bigott⸗ultramontanen, aus Weſtfalen ſtam⸗ menden Clique, welche die Univerſität damals und noch lange unter ihrem Daumen hielt“, nicht aufrecht erhalten werden. Grade die Profeſſoren, welche man der letzterwähnten„Clique“ zurechnen müßte, ſtimmten zum Teil ſehr energiſch für ihn, ſomit kann nicht geſagt werden, daß der intime Briefwechſel Liebigs mit dem Dichter Platen bei dieſer Clique keine Empfehlung war“). In den Akten war diesmal und, wie wir ſehen werden, auch ſpäter etwas von der Art nicht zu entdecken. Daß bei einem heißblütigen und für ſein Fach ſo ſehr begeiſterten Manne wie Liebig(beſonders in anbetracht der Art, wie die Univerſitäten, welche keine zielbewußte Kuratoren in ihrer Mitte haben, überhaupt ihre Angelegenheiten verwalten) Meinungsverſchiedenheiten nicht nur leicht entſtehen, ſondern auch raſch zu mehr oder weniger heftigen Auseinanderſetzungen führen können, iſt Jedermann verſtändlich. Carriere giebt ſelbſt die raſch zufahrende und die polemiſche Natur Liebigs zu; der unlängſt veröffentlichte Briefwechſel mit Wöhler bietet hierfür eine Menge Belege. Wie oft muß der ruhige Wöhler den Freund beſänftigen, ihn wegen ſeiner Heftigkeit tadeln; nicht ſelten ſchreibt Wöhler wegen irgend einer von Liebig angeregten Polemik:„Man muß ſich ja vor Dir bekreuzigen“ u. ſ. w.“) Dieſes kampf⸗ luſtige Weſen, das ja für die Entwickelung der Chemie ſo unendlich ſegensreich war, iſt nach Wöhlers Meinung für Liebig ſelbſt vielfach die Quelle des Verdruſſes geweſen. Hat nun Liebig unter ſeinen Kollegen auf die eben genannte Art ihm erwachſene Gegner gehabt, ſo wird es gewiß auch dem genauen Kenner der hier in Frage kommenden Perſonen ſchwer werden, in den nach der Weiſe jener Zeit bei allen Geſuchen und ſonſtigen Verwaltungsfragen ſchriftlich abgegebenen Voten irgend eine nachweisbare Abweichung von ſtreng ſachlicher Beurteilung zu finden. Und wenn geſagt wird,„daß Feuer unter dem Dach war'), als der endlich definitiv angeſtellte Profeſſor gar ein Laboratorium verlangte, ja daran arbeitete, die Gendarmerie aus einem Pavillon neben der Kaſerne zu vertreiben und ſich dort für ſeine Schüler einzurichten, während der Profeſſor der Phyſik ſich mit einer Küche im alten Schloß ſoollte
¹) C. a. a. O. Seite 303.
²) Kolbe a. a. O. Seite 435.
¹) Carriere a. a. O. Seite 303.— Kolbe a. a. O. Seite 435.
⁴) Vergl. insbeſondere den höchſt charakteriſtiſchen Brief Wöhlers, dat. Kaſſel, 3. März 1834, Bd. I, S. 79; und noch bezeichnender Liebigs Antwort, dat. Gießen, 8. März a. a. O. S. 81.
⁵) C. a. a. O. S. 303.


