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die übrigen Vorkommniſſe(einſchließlich ſämtlicher Abiturienten des Pädagogs) ſchildert. Merkwürdiger⸗ weiſe war Crome auch im Jahre 1826 Dekan; erſt in der Überſicht für dieſes Jahr fällt ihm gelegentlich der Beförderung des außerordentlichen Profeſſors in der mediziniſchen Fakultät, Dr. Werne⸗ kinck, zum ordentlichen Profeſſor in der philoſophiſchen Fakultät endlich ein zu erwähnen, daß„im vorigen Jahre dem Profeſſor Dr. Liebig die Stelle des ſeligen Profeſſors Zimmermann als Lehrer der Chemie in der philoſophiſchen Fakultät verliehen worden ſei.“
Bei dieſer Gelegenheit möge auch bemerkt ſein, daß Liebig als dem Nachfolger Zimmer⸗ manns auch die Verpflichtung oblag, über Mineralogie und Geognoſie Vorleſungen zu halten. Nur einmal, für das Winterſemeſter 1825/26, hat er Mineralogie, zweiſtündig publ., angekündigt und wahrſcheinlich gar nicht geleſen. Zum Belege deſſen und auch als Beiſpiel dafür, auf welch' ſonder⸗ baren Pfaden ein Fach ſelbſtſtändig werden kann, mag hier das Folgende erzählt werden. Etwa im Juli 1825 reicht der als Lehrer und als Schriftſteller auf dem Gebiete der Anatomie und der Mineralogie gleich hochgeſchätzte Proſektor und außerordentliche Profeſſor Dr. Wernekinck ein Geſuch um Gehalts⸗ aufbeſſerung ein. Bei der hierüber ſtattgehabten Verhandlung wurde die Gewährung dieſes Geſuches zunächſt von dem Kanzler Arens befürwortet mit dem Hinweis, daß man dem Profeſſor Werne⸗ kinck zugleich die Verpflichtung auferlege, ſeine Geſchicklichkeit in der Mineralogie für die Univerſität durch Vorleſungen über dieſes Fach und durch die Aufſicht über das Mineralienkabinet zu verwerten. Im Sinne dieſes von der Majorität gebilligten Votums wurde durch Allerhöchſtes Dekret vom 1. September 1825 dem Profeſſor Wernekinck der Auftrag erteilt, Mineralogie zu lehren und das Mineralienkabinet zu beaufſichtigen; der dafür ausgeworfene Gehalt betrug 400 fl., wozu für die Thätigkeit als Proſektor noch 300 fl. kamen. Auf das Geſuch Wernekincks vom 27. Juli 1826 um Ernennung zum Ordinarius in der mediziniſchen Fakultät beſchließt die letztere einſtimmig unter beſonderer Betonung ſeiner Verdienſte ihm nur den Titel eines Ordinarius zu verleihen, dagegen von der Teilnahme an den Geſchäften und den daraus erwachſenden Einkünften ihn auszuſchließen. Da nämlich in dem Schlußexamen der Mediziner, in dem doch die praktiſche Seite in den Vordergrund zu treten habe, der theoretiſche Teil ſchon hinlänglich vertreten ſei, ſo wäre ſtark zu befürchten, wenn zu den fünf ordentlichen Profeſſoren noch als ſechster Exraminator Wernekinck auf rein theoretiſchem Gebiete hinzukäme, daß die jungen Mediziner allzu ſehr überbürdet würden. Dieſem Präliminar⸗ votum trat mit Ausnahme von zwei Mitgliedern der ganze Senat bei. Profeſſor Oſann ſtellt nämlich dagegen mit ſcharfer Begründung ein Separatvotum auf, in welchem er den Antrag der mediziniſchen Fakultät als eine Verletzung der Verfaſſung, die weder Supernumerar⸗ noch Honorar⸗ profeſſoren kenne, bezeichnet. Dieſem in ſehr entſchiedener Schreibweiſe abgefaßten Proteſt tritt nur noch Liebig bei. Um aus dieſem Widerſtreit herauszukommen, trifft die Regierung eine Maßregel, welche die Begründung eines Ordinariates für Mineralogie in ſich ſchließt. Durch Allerhöchſtes Dekret vom 22. September 1826 wird Wernekinck unter Belaſſung als Extraordinarius in der mediziniſchen Fakultät zum Ordinarius in der philoſophiſchen ernannt. Sein Gehalt betrug einſchließlich der Re⸗ muneration, die er als Proſektor bezog, im ganzen 800 fl. Durch Verfügung vom 10. Auguſt 1829 beſtimmt der Miniſter du Thil, daß jene Remuneration nur zur Hälfte auf den Profeſſorgehalt zu rechnen ſei, daß ſomit an dem normalmäßigen Gehalt von 800 fl. noch 150 fl. fehlen. Deshalb ſei durch Allerhöchſtes Dekret von demſelben Tag dieſe Summe als Zulage und ſomit der Geſamtbezug auf 950 fl. feſtgeſetzt worden. Eine weitere Gehaltszulage von 150 fl. hat Wernekinck nur 40 Tage genießen dürfen; er ſtarb am 23. März 1835. Um die Univerſität hat er ſich insbeſondere noch durch die Erwerbung der zoologiſchen Sammlung verdient gemacht. Sein Vater, der Medizinalrat Wernekinck


