Zu bemerken iſt, daß die Worte„iſt ertrunken“ ausgeſtrichen ſind und von derſelben Hand (des Burgpfarrers und Profeſſors der Theologie Dr. Dieffenbach) mit derſelben Tinte und anſchei⸗ nend mit der nämlichen Feder durch die Worte„fand ſeinen Tod“ erſetzt wurden. In dem Nachrufe, den Crome bei der Übernahme des Dekanats dem Verſtorbenen in dem Dekanatsbuche mit den wärmſten Worten widmet, wird als Zeit der Geburt der 17. Oktober 1782¹) angegeben, womit das im Kirchenbuch angegebene Alter übereinſtimmt. Zugleich rühmt Crome als ein Hauptverdienſt Zimmermanns um die Univerſität den von dieſem bewirkten Ankauf der Mineralienſammlung, welche Profeſſor Schaub in Kaſſel beſaß.
3. Iiebig.
So endete in einer das lebhafteſte Mitgefühl erweckenden Weiſe ein Mann, der von kräftigem Wollen erfüllt und von ſtärkſtem Ehrgeiz getrieben ſich höhere Ziele geſteckt hatte, als zu erreichen ihm geſtattet war, ſowohl nach Maßgabe ſeiner Beanlagung als auch im Hinblick auf die in der geiſtigen Auffaſſung jener Zeit wurzelnden Vorbildung zu ſeinem Fache. Ein im höchſten Grad tragiſches Ver⸗ hängnis war es, daß in die Sphäre des ſtrebſamen und dabei empfindlichen Mannes ein genialer Jüngling trat, der nach ſchwerem Kampfe ſich von den verführeriſchen Lockungen Schelling'ſcher Naturphiloſophie freigemacht, der im Alter von 20 Jahren ſchon die Richtſchnur ſeines zukünftigen Wirkens in einem Brief an Platenè) mit folgenden Worten kennzeichnet:
„Es iſt wahrlich traurig, wie ſehr in der neueren Zeit der Ruhm der Deutſchen in der Phyſik, Chemie und den andern Naturwiſſenſchaften geſchwunden iſt; kaum iſt noch ein Schatten übrig geblieben, und um dieſen Schatten reißen ſie ſich wie biſſige Hunde. Der jetzige deutſche Chemiker, der genug zu thun hat, wenn er nur ſeine unerſchöpfliche Wiſſenſchaft umfaſſen will, maßt ſich den Philoſophen zu ſpielen an, und darüber geht ſein Wirken verloren. Recht vortrefflich iſt es, wenn er ſeine Wiſſen⸗ ſchaff philoſophiſch ergreift und erfaßt und dadurch in die tote Maſſe Geiſt und Leben bringt, allein er darf ſeine Grenzen als Chemiker nicht überſchreiten, da bei ihm das Philoſophieren Lachen erregt. Es erxiſtieren kaum die nötigen Geſetze, um den ungeheuren Bau dieſer Wiſſenſchaft ein wenig zuſammen⸗ zuleimen, allein deſſenungeachtet wird darauf los ſyſtematiſiert und Hypotheſenkrämerei getrieben, daß einem der Kopf ſchwindelt. Die Franzoſen und Engländer ſchlagen ganz den entgegengeſetzten Weg ein: hier iſt die Wiſſenſchaft bloß ein mechaniſches Mauerwerk, die quasi mathematiſche Art, wie man ſie behandelt, läßt gar kein Raiſonnement zu; doch iſt ſie im Augenblick ſehr gut, ſie hat in der neueren Zeit die herrlichſten Entdeckungen herbeigeführt und iſt beſonders für das Leben von außerordentlichem Nutzen. Die ſchwediſche und däniſche Schule(Berzelius, Oerſtedt) ſchlägt den goldenen Mittel⸗ weg ein, und wir haben noch mehr zu erwarten.“
Wie ſehr jene naturphiloſophiſche Richtung dem ganzen Geiſte jener Zeit entſprach, wie ſchwer es alſo jedem fiel, ſich ihrem Einfluß zu entziehen, wie groß ferner der Schaden war, den ſie dem Fortſchritt der Naturwiſſenſchaften in Deutſchland zufügte, das hat Liebig mit dem ihm eigenen Mannesmut in ſeiner berühmten Schrift:„Ueber das Studium der Naturwiſſenſchaften und über den Zuſtand der Chemie in Preußen“ im Jahre 1840 dargelegt. Sein Zweck war, wie er in einem Brief
4 ¹) Hiernach iſt jedenfalls zu verbeſſern die Geburtsangabe in Scribas Lexikon der heſſ. Schriftſteller, (7. Oktober 1780). Der Ort der Geburt iſt Bickenbach, wo damals Zimmermanns Vater Pfarrer war. ²) Carriere, Lebensbilder S. 293.


