15
waren. Wie aus Verhandlungen der Adminiſtrations⸗Kommiſſion unmittelbar nach dem Tode Zimmer⸗ manns hervorgeht, hat der Letztere die dem Laboratorium gehörigen Juſtrumente, Gerätſchaften u. ſ. w. in ſeiner Wohnnng gehabt, mithin auch da gearbeitet; bezüglich Liebigs weiß man aus ſeinem berühmten Brief an den Kanzler Geh. Staatsrat von Linde, den er während ſeines Kuraufenthaltes in Baden⸗Baden Herbſt 1833 ſchrieb, daß er alle Laboratoriumsbedürfniſſe für ſich und ſeine Laboranten aus eigener Taſche beſtritten habe, daß ſomit das ganze Inventar des Laboratoriums ſein Eigentum ſei. Die Art, wie man ſich hier geholfen hat, ſchloß natürlich jedes Zerwürfnis, jede gegenſeitige Störung aus.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 23. April 1825 erhielt Liebig auf ſein Nachſuchen eine Zulage von 200 fl., wodurch ſein Gehalt auf 500 fl. wächſt. Im Winterſemeſter 1824/25 lieſt ordentlicher Profeſſor Zimmermann außer Geologie noch Agrikultur— und Forſtchemie und Reggentienlehre; außerordentlicher Profeſſor Liebig dagegen pharmaceutiſche Chemie 4 und Experimentalchemie 4.
Für das Sommerſemeſter 1825 kündigten an:
1) Zimmermann: Experimentalchemie 5, Agrikultur- und Forſtchemie 4, Mineralogie und Anleitung zum Beſtimmen der Mineralien 5, Geognoſie 3.
2) Liebig: Erperimentalchemie 5, Pharmaceutiſche Chemie 4, Analytiſche Chemie mit Übungen.
3) Wernekinck, außer anatomiſchen Vorleſungen: Spezielle Mineralogie 5.
Als Liebig im Mai 1824 zum außerordentlichen Profeſſor ernannt wurde, war er gerade erſt 21 Jahre alt geworden, doch bereits ein reifer Mann. Als 19jähriger Jüngling beherrſchte er die damalige chemiſche Wiſſenſchaft, ſoweit ſie aus Büchern und in Deutſchland von Lehrern zu lernen war. Als Student war er von Bonn aus mit dem unter den deutſchen Chemikern hoch angeſehenen Kaſtner nach Erlangen übergeſiedelt. Hier übte er bei der erſten Bekanntſchaft auf den Grafen Platen jenen nachhaltigen Eindruck aus, der den um ſechs Jahre älteren Dichter zu dem bekannten Sonett„an Juſtus Liebig“ begeiſterte, der den eigenartigen Freundſchaftsbund zwiſchen beiden Männern erzeugte, dem in dem veröffentlichten Tagebuch Platens und in dem Briefwechſel¹) ein Denkmal errichtet iſt. Wie Liebig als 20jähriger Jüngling ſich den einflußreichſten Beſchützer aller aufſtrebenden Talente, Alexander v. Humboldt, gewann und durch dieſen den großen franzöſiſchen Chemikern und Phyſikern nahe trat, ſchildert er ſelbſt in ſo beredter, von tief empfundener Dankbarkeit zeugenden Weiſe in der Widmung ſeiner Agrikultur⸗Chemie(1840).
Das gewinnende, ſieghafte Auftreten des jungen Mannes iſt ausreichend geſchildert und mit einer Menge von Einzelheiten belegt worden von Carriere, Schödler, Kolbe, Hofmann, u. a. und zuletzt in der deutſchen Biographie von Ladenburg, daß darauf verwieſen werden kann. Auch an jeder andern deutſchen Univerſität wäre Liebig ſiegreich aufgetreten, wahr⸗ ſcheinlich wäre aber auch an jeder andern Univerſität das mit Bezug auf die Art ſeiner Ernennung kolportierte Wort„Favoritenwirtſchaft“ aufgekommen. Ich will nun die Ereigniſſe des Sommers 1825 erzählen.
Zimmermann, der Ordinarius, und der noch nicht 22jährige Extraordinarius Liebig, welcher erſt ſeit einem Semeſter überhaupt Vorleſungen hielt, kündigten beide dasſelbe fünfſtündige Kolleg über Experimentalchemie an. Die andern Kollegien waren verſchieden. Kaum hatten die Vor⸗ leſungen begonnen, ſo richtete Zimmermann an das Miniſterium ein Geſuch um ein Stipendium zu einer wiſſenſchaftlichen Reiſe ins Ausland. Das Geſuch war faſt ſo kurz wie meine Worte. Zur
¹) Vergleiche Carriere, Lebensbilder.


