Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des chemischen Unterrichtes an der Universität Gießen : mit einem Plan / von G. Weihrich, Direktor des Großherzoglichen Realgymnasium und der Realschule in Gießen
Entstehung
[Giessen] [2018]
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erſte Ueberſetzer des Lehrbuches der Chemie von Berzelius war, jenes für lange Jahre ſo einflußreichen Werkes. Es hat hier jedoch keinen beſonderen Zweck auf die Lebensgeſchichte des Hofkammerrates und penſionierten Hütteninſpektors Joh. Georg Ludolph Blumhof einzugehen. Als derſelbe mit einer Remuneration von 300 fl., die ſeinen ſchmalen Ruhegehalt etwas aufbeſſern ſollten, im Jahre 1819 als außerordentlicher Profeſſor der Technologie angeſtellt wurde, war er 45 Jahre alt. Es wird ſeiner hier nur deshalb gedacht, weil in der Rede des Geheimerates v. Hofmann inſofern eine kleine Unrichtigkeit ſich vorfand, als Blumhof nie Ordinarius war.

Zimmermann hat in der Folge nur noch eine unvollendet gebliebene Arbeit veröffentlicht, die was Methode und Behandlung im ganzen anbelangt einen deutlichen Fortſchritt erkennen läßt, obgleich der eigentliche chemiſche Teil gar nicht erſchienen iſt. Dieſelbe erſchien 1824 im erſten Jahrgang von Kaſtners Archiv und war veranlaßt durch einen am 3. Mai 1821, vormittags 9 ½ Uhr in Gießen niedergegangenen Blutregen, der übrigens eine geringe Verbreitung und Dauer gehabt hat. Die Abhandlung iſt überſchrieben:Beiträge zur genaueren Kenntnis der wäſſerigen Meteore. Durch drei Jahre hindurch werden alle atmoſphäriſchen Niederſchläge unter Beobachtung aller Vorſichtsmaßregeln in geeigneten Gefäßen an fünf Orten aufgefangen und zwar auf dem Dünsberg(Vermeſſungsgerüſt) 1055, auf der Ruine Gleiberg 380, einem der ſüdlichen Türme der Kaſerne(Klinik) 120, im Hofe des Klingelhöfferſchen Hauſes(jetzt Röhrles Brauerei, damals Zimmermanns Wohnung) 24 und end⸗ lich in einem Garten an der Lahn 8' über dem Lahnſpiegel. Es ſind nun viele, meteorologiſch und phyſikaliſch wichtige Beobachtungen gemacht bez. beſtätigt worden, wie z. B. die Niederſchlagsmenge in ihrer Abhängigkeit vom Höhenunterſchied, die Anſammlung von ſtaubartigen oder gasförmigen Bei⸗ mengungen der Atmoſphäre auf den Dunſt⸗- oder Nebelbläschen, Regentropfen oder Schneeflocken, der Nachweis von Eiſen und Mangan unter jenem Staub, wobei von Kaſtner in der Anmerkung an vulkaniſchen Aſchenſtaub, von Zimmermann dagegen an kosmiſchen Staub gedacht wird u. a. Etwas langweilig wird die Abhandlung, weil ſämtliche Niederſchläge mehrfach klaſſifiziert werden, einmal nach den Aggregatzuſtänden, dann nach der Farbe, endlich nach den vier Rubriken: a) Meteorſtaub⸗ waſſer, b) Faſerwaſſer, c) Schleimwaſſer, d) Blütenſtaubwaſſer. Hierauf kommen noch Einteilungen nach Geruch und Geſchmack. Die chemiſche Abteilung beginnt zuerſt mit einem ſorgfältigen geſchichtlichen Üüberblick früherer analytiſcher Arbeiten von Tabernae Montanus an bis zu Bergman, Prieſtley und Lavoiſier. Mitttn in der Beſprechung der von ihm angewandten Unterſuchungs⸗ methoden, die in ihren vielfachen Wiederholungen erkennen läßt, daß damals der einfache und klare Gang der qualitativen Analyſe, wie er ſpäter unter Liebig und deſſen Schülern Freſenius, Will u. a. entſtanden iſt, noch nicht ausgebildet war, bricht die Arbeit ab. In einer etwas ſpäter abgedruckten brieflichen Notiz wird die Verzögerung der Fortſetzung mit der großen Menge von Schwierig⸗ keiten entſchuldigt, die zu überwinden ſeien. Einſtweilen wird bemerkt, daß ein weſentliches Hindernis bei der Analyſe die geringe Menge der feſten Beſtandteile ſei, trotzdem hätte ſchon feſtgeſtellt werden können, daß jeder Schneefall von einer ſchwärzlich metalliſchen Subſtanz begleitet ſei, die größtenteils aus Eiſen, Mangan und organiſchen Stoffen beſtehe und deren Herkunft völlig rätſelhaft ſei.

Als Zimmermann dieſe Worte ſchrieb, war in den Lehrkörper der Univerſität ohne deſſen Willen und Wiſſen ſchon ein Mann eingetreten, der an Jahren zwar ein Jüngling, doch vom erſten Tage ſeiner Wirkſamkeit gleichmäßig bis zum letzten durch die Genialität ebenſo ſehr wie durch die Raſtloſigkeit ſeines Schaffens dieſer Univerſität den größten Glanz verliehen hat.

Im Jahre 1823 war Crome Dekan der philoſophiſchen Fakultät und ein eigentümliches Verhängnis zwang ihn, in den beiden folgenden Jahren jedesmal in ſeiner Eigenſchaft als Exdekan