Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des chemischen Unterrichtes an der Universität Gießen : mit einem Plan / von G. Weihrich, Direktor des Großherzoglichen Realgymnasium und der Realschule in Gießen
Entstehung
[Giessen] [2018]
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der entzündlichen Stoffe ſich gelagert haben. Nach einer weit ausholenden geſchichtlichen Einleitung kommt der Verfaſſer auf einen jener entzündlichen Stoffe, den Schwefel; er giebt die Chemiker an, die ſich mit jenem Stoffe und ſeinen Verbindungen beſchäftigt haben. Doch ſei noch vieles dunkel und unentſchieden; deshalb habe er hierüber eine große Anzahl von Beobachtungen angeſtellt, deren Ergebniſſe bei vielen hervorragenden und ihm teuren Männern, bei ſeinem Lehrer Schmidt, bei Bucholz(dem bekannten, von Goethe hochgeſchätzten Apotheker und analytiſchen Chemiker in Weimar), Gehlen(Mit⸗ glied der Akademie der Wiſſenſchaften in München, 1815 bei der Unterſuchung des Arſenwaſſerſtoffs durch Vergiftung geſtorben), Emmerling(dem angeſehenen Mineralogen, damals Hofkammerrat in Gießen, ſpäter Oberbergrat in Darmſtadt), Lenz(Bergrat und Profeſſor der Mineralogie in Jena, der auch anfangs Theologe war, ſpäter lateiniſche Schriftſteller herausgab und dann auf einmal ſich nur mit Naturwiſſenſchaft beſchäftigte und zahlreiche mineralogiſche Schriften kompilatoriſch verfaßte), Leonhard(dem bekannten Heidelberger Geognoſten, damals noch Aſſeſſor in Hanau) undDeutſch⸗ lands tiefem Naturdichter, Goethe Beifall gefunden hätten. Er ſchickt noch voraus, daß frühere Unterſuchungen ihn belehrt hätten,daß die Schichtenverbindung verſchiedenartiger feſter Körper, auch bei Ausſchließung der Flüſſigkeit, gleichwohl die einwohnenden Kräfte derſelben zur entſchiedenen Thätigkeit reize. Er ſtellt nun durch Guß zwiſchen Glasplatten ſpiegelglatte Schwefelplatten her, im Durch⸗ meſſer zwiſchen 2 Linien bis 2 Zoll, in der Dicke von 0,1 bis 1 Linie. Die betreffenden Metallplatten werden eben geſchliffen und glänzend poliert. Abwechſelnd mit Schwefel und Metall ſetzt er aus dieſen Platten Säulen(nach Art der ſog. Volta'ſchen Säulen) zuſammen und läßt dieſe beſtimmte'Zeit hindurch ruhig ſtehen. Die anfänglich blanke Metalloberfläche erleidet hierbei nun einen Farbenwechſel, der neben andern Bedingungen hauptſächlich von der Zeit abhängt. Dieſer Farbenwechſel und die Zeit werden feſtgeſtellt. Nachher werden die Verſuche dahin abgeändert, daß die Berührungsflächen von Metall und Schwefel mit den verſchiedenſten Flüſſigkeiten befeuchtet werden und daß die Art der Befeuchtung mehr⸗ fach abgeändert wird. Die an dem Farbenwechſel der allmählich ſich vergrößernden dünnen Schicht des Schwefelmetalls erkennbare chemiſche Wirkung wird nun nach den Verſuchsbedingungen(Zeit, Temperatur, Druck u. ſ. w.) klaſſifiziert. Als Metalle werden gewählt Kupfer, Silber, Gold, Eiſen, Zinn, Blei, Meſſing, Tomback, Semilor, Zink, Queckſilber u. ſ. w.; zur Befeuchtung dienen Waſſer, dann in den verſchiedenſten Verdünnungsgraden Salzſäure, Schwefelſäure, Salpeterſäure, Eſſigſäure, Phosphorſäure, Schwefelwaſſerſtoffwaſſer, Kali- und Natronlauge, Ammoniak, Alkohol, Ather, fette und ätheriſche Hle und ſchließlich eine ganze Menge von Salzlöſungen. Rechnet man dazu noch die Variationen der Temperatur, der Zeit u. ſ. w., ſo iſt gewiß der aufgewendete Fleiß anzuerkennen. Weiter als eben angegeben, iſt die Arbeit nicht gediehen; es wird Fortſetzung verſprochen, ſobalddie wenig freie Zeit laſſende Lage des Verfaſſers ſich geändert habe. Er hoffe dieſe Beſſerung bald zu erleben, da maß⸗ gebende Perſonen ihm und ſeinen wiſſenſchaftlichen Beſtrebungen vielen Anteil ſchenken.

Inzwiſchen war Müller geſtorben, an deſſen Stelle Vogt berufen und von dieſem der Boden in oben ſchon dargelegter Weiſe bereitet, die Trennung der Pharmacie und Chemie angebahnt worden. Im Jahre 1818 reicht Zimmermann ein neues Geſuch um Verleihung einer Profeſſur ein. Die jetzt, wie vor drei Jahren, unterlaſſene Angabe des Faches wird nunmehr in den Verhandlungen nicht wie damals ausgebeutet. Zu Zimmermanns alten Freunden(v. Grolman, Palmer u. a.) geſellen ſich jetzt ſeine früheren, zum Teil heftigen Gegner, ſo daß mit einer beträchtlichen Majorität das Geſuch befürwortet und Zimmermann durch Dekret vom 6. Juni 1818 zum außerordentlichen Profeſſor der Chemie und Mineralogie ernannt wird. Die Regelung der Verhältniſſe an dem mit der Univerſität ſeit ihrer Gründung eng verbundenen Pädagogium mögen hier übergangen werden. So