Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des chemischen Unterrichtes an der Universität Gießen : mit einem Plan / von G. Weihrich, Direktor des Großherzoglichen Realgymnasium und der Realschule in Gießen
Entstehung
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welcher er arbeitete. Bezüglich der Herde verlangt und beſchreibt er das Sand⸗, Waſſer⸗ und Dampf⸗ bad, den Wind⸗ oder Schmelzofen, den Sublimierofen, den furnus docimasticus(Probierofen), den furnus vitrarius und endlich den furnus negligentiae(den faulen Heinrich) nach der Beſchreibung des Cramer und Ludolf. Noch viel umfangreicher iſt das Kapitel über die chemiſchen Gerätſchaften, die Gläſer, Kolben, Muffeln, Kapellen u. ſ. w. Soviel iſt ſicher, daß nur das allerwenigſte davon in Baumers Laboratorium zu finden war.

Der oben erwähnte Streit iſt ſelbſtverſtändlich zu ſeinen Gunſten entſchieden worden. Die Univerſität berichtet darüber u. a.Was aber die Ausbauung des Laboratorii und insbeſondere deſſen innere Einrichtung betrifft, worüber der Profeſſor Müller die Aufſicht ſich gleichfalls erbittet, ſo gehen majora dahin, daß ſolche innere Einrichtung am beſten mit gemeinſchaftlichem Rate und Übereinſtim⸗ mung der mediziniſchen Fakultät geſchehe, damit kein Mitglied derſelben ſich beklagen könne; minora aber ſind der ohnmaßgeblichen Meinung, daß nur ein Profeſſor die Aufſicht haben müſſe und ſolche vorzüglich dem Bergrat Dr. Baumer als professori chymiae ordinario, wenn er ſie anderſt annehmen wolle, zu übertragen ſei, welcher alsdann mit dem Profeſſor Müller und dem ganzen Senate darüber zu Rate gehen könne. Darauf erfolgt die landesfürſtliche Entſcheidung, Darmſtadt, 13. Auguſt 1783: daß es bei denen dem Bergrat Dr. Baumer, in der Qualität als Lehrer der Chymie, zugeteilten 30 fl. und andern Emolumenten ſein Verbleiben haben und ſolche anderwärts nicht angewieſen, ſodann, daß die Einrichtung des Laboratorii nach gemeinſchaftlicher Beratung und Uebereinkunft der mediziniſchen Fakultät veranſtaltet und nach deſſen Ausbauung die Aufſicht darüber dem Dr. Baumer, als Profeſſor der Chymie allein übertragen werden ſolle.

Von den dieſer Entſcheidung vorausgegangenen Gutachten der Mitglieder des akademiſchen Senates iſt eines noch in mehrfacher Hinſicht von Intereſſe. Der Profeſſor der Theologie und Direktor des damals noch mit der Univerſität vereinigten Predigerſeminars, Dr. Schulz, bemerkt mit Bezug⸗ nahme auf den Ausbau des Laboratoriums, daß er es für das Beſte halte, wenn der Ausbau ganz unterbliebe. Das Gebäude ſei zu klein; es größer zu machen, dürfte ſchwerlich ausführbar ſein wegen der großen Koſten. Der jetzt geplante Ausbau koſte die Univerſität gewiß 100 Reichsthaler und dann ſind immer noch keine Ofen und andere nötige Werkzeuge angeſchafft.Mein ohnmaßgeblicher Vor ſchlag wäre alſo: Man verlege den Gebrauch des den Einſturz drohenden Gartenhäuschens in horto academico in dieſes Gebäude(sic! Gelände?) und decke es zu dieſem Zwecke blos mit einem Dache; nun kann das armſelige Gartenhäuschen ganz weggenommen und der Platz zu Pflanzen benützt werden. Soll dann doch ein Laboratorium ſein, ſo haben wir ſo viele am vallo ſtehende, ganz ungebrauchte feuerfeſte und geräumige Türme, z. E. am Selzerthore, daß es ein Leichtes ſein wird, einen davon zu dieſem Gebrauch eingeräumt zu bekommen. Sollte dieſer mein Vorſchlag ſtattfinden, ſo wüßte ich auch ein Mittel, die nötigen Ofen ohne alle Koſten für die Univerſität herbeizuſchaffen. Dieſen will ich aber bis dahin noch bei mir behalten. Dieſem Votum tritt durch ſeine Unterſchrift bei Profeſſor Böhm, der auch zu den Poly⸗ hiſtoren jener Zeit gehört(er war Univerſitätsbibliothekar und trug vor: Logik, Metaphyſik, angewandte Mathematik, beſonders Mechanik, Hydroſtatik, Hydraulik, Aſtronomie, Chronologie, Gnomonik, Civil⸗ und Militärbaukunſt und Algebra). Auf einem den Akten beiliegenden Blatt, für des Rektors Mag⸗ nificenz beſtimmt, warnt der Sekretarius in beweglichen Worten vor dem Antrag des Profeſſor Schulz. Die Annahme desſelben würde nämlich dem Amtskeller die erwünſchte Gelegenheit geben, nicht allein dieſem Vorſchlag erfolgreich Hinderniſſe zu bereiten, ſondern auch den bereits beſchloſſenen Ausbau des Laboratoriums im Gartenhäuschen völlig in Frage zu ſtellen. Zudem ſeien die genannten Türme nicht frei; der am Selzerthore enthielte Patronen und andere Geräte für die auf der Selzerpförter Batterie ſtehenden Stücke.