Aufsatz 
Prof. Dr. Hugo von Ritgen : Ein Lebensbild / von Otto Buchner
Entstehung
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8 8. Prof. Dr. Sugo von Ritgen. Ein Lebensbild von Dr. Otto Buchner.

Glücklich kann derjenige geprieſen werden, der nach einem langen thaten⸗ und erfolgreichen Leben, umgeben und gepflegt von theuren Angehörigen, der Erde entrückt wird.

Profeſſor Dr. Joſeph Maria Hugo von Ritgen, der am 31. Juli 1889 als Neſtor der Hochſchule zu Gießen ſtarb, war einer dieſer Glücklichen.

Aufgewachſen in günſtigen Familienverhältniſſen und umgeben von lieben Angehörigen widmete er ſich einer Lebensthätigkeit, die ihn als Lehrer der Hochſchule und als ausführender Baumeiſter und Künſtler aufs höchſte befriedigte und ſeinen Namen weit über die Kreiſe ſeines engeren Vaterlandes trug.

Hugo von Ritgen wurde geboren am 3. März 1811 zu Stadtberge bei Medebach in Weſtfalen, wo ſein Vater Phyſikatsarzt war. Als dieſer 1813 einen Ruf als Profeſſor der Medicin an die Hochſchule in Gießen erhielt und annahm, zog der noch nicht drei Jahre alte Knabe mit nach dem neuen Wohnorte über, in welchem ſich ſein weiteres thatenreiches Leben der Hauptſache nach ab⸗ ſpielen ſollte.

Noch im vorgerückten Alter pries ſich v. Ritgen gliücklich, daſelbſt eine fröhliche, heitere ſchöne Jugend verlebt zu haben. Durch ſeine Eltern und die Familie ſeines auch aus Weſtfalen ſtammenden Onkels, des Profeſſors Bernhard Wilbrand, kam er frühe ſchon in einen Kreis gelehrter Männer und feingebildeter Frauen, und wurde hier der Grund in ihm gelegt zu ſcharfer Beobachtung der Natur und zu beſonderer Vorliebe für deren Werke; dann aber auch entwickelte ſich in ihm die Leichtigkeit des weltmänniſchen Umgangs und die feine Sitte, die ihn befähigte, in den höchſten Kreiſen ſich leicht zu bewegen und mit Erfolg zu wirken. Auch der nachmalige niederländiſche Miniſter Thorbecke, der damals Privatdocent in Gießen und v. Ritgen's Lehrer im Lateiniſchen war, trug nicht wenig dazu bei, in dem Knaben den Sinn für das Schöne in der Natur und in der Poeſie zu erwecken.

Im Herbſt 1825 trat v. Ritgen in die Sekunda des Gymnaſiums ein und ging im Herbſt 1828 zur Hochſchule über, um ſich dem Studium der Medicin zu widmen. Außer den Fachvorleſungen beſuchte er mit Eifer auch ſolche über altklaſſiſche Sprachen, Naturwiſſenſchaften und Mathematik und ſtudierte bei Privatlehrern engliſche Sprache, Zeichnen und Mathematik.

Nach zwei Jahren aber entſchloß er ſich, das mediciniſche Studium aufzugeben und Architekt zu werden. Zuerſt privatim, dann in Darmſtadt unter der Leitung des Hofbaudirektors Moller