Aufsatz 
Das Englische auf dem Gymnasium / Julius Jelinek
Entstehung
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lich umzugehen lernt, lernt er es später an zusammengesetzterem und schwierigerem Sprachmaterial nimmermehr. Besonders die dafür notwendige Zuversichtlichkeit und Unbefangenheit gewinnt er später sehr schwer.

Wenn ich es für die erste Zeit für verhältnismäßig wenig ersprießlich erklärt habe, die englische Sprache ohne Rücksicht auf ihre Schreibung zu lehren, so erscheint für eine spätere Zeit, wenn der Schüler bereits einen gewissen Wortvorrat gewonnen hat, der Versuch die Aufnahme- fähigkeit durch das Ohr gegenüber einem ihm noch unbekannten Texte zu entwickeln durch- aus empfehlenswerth. Dass der Schüler hierbei gar nichts aus dem Gedächtnis ergänzen kann, sondern allein auf sein Gehör und seine geistige Auffassungskraft angewiesen ist, wird zur Schärfung seines Gehörs sowohl als seines geistigen Auffassungsvermögens entschieden beitragen. Zur Er- leichterung dieses Verfahrens wird es wesentlich dienen, wenn die in dem Texte neu auftretenden Vokabeln in einer dem Ganzen des Textes sich anschließenden Reihenfolge dem Schüler vorliegen, wie dies in der neueren Auflage derVorstufen von Deutschbein der Fall ist. Der Schüler hat bei Benützung des genannten Buches während des Vorlesens des Lehrers nur das Wörterverzeichnis aufgeschlagen und kann sich darin über eine neue Vokabel mit einem Blicke selbst unterrichten.

Daneben kann von Zeit zu Zeit der Rest einer Stunde vom Lehrer darauf verwendet werden, ein früher gelesenes Stück, das im Gedächtnis der Schüler etwas zurückgetreten ist, vorzulesen. Darüber dass die Schüler aufmerksam folgen, kann der Lehrer ohne grossen Zeitverlust sich leicht unter- richten, indem er hin und wieder eine Stelle plötzlich übersetzen lässt und zum Schlusse kurz den Inhalt angeben läßt. Der hieraus sich ergebende Nutzen, der neben der UÜbung im Hören zugleich in der Auffrischung des in dem Stücke enthaltenen sprachlichen Materials beruht, wird groß sein im Ver- hältnis zu der darauf verwendeten kurzen Zeit.

Als besonders geeignet für Sprechübungen empfehlen sich nach meinen Erfahrungen wegen ihrer Concretheit und Vielseitigkeit besonders geographische Stoffe. Es liegt hierbei nahe, an die Geographie Englands zu denken, des Landes, auf dessen Boden sich die Ereignisse der Lektüre abspielen, mit dessen Einrichtungen und Sitten der Schüler einigermaßen bekannt gemacht werden und von dessen Geistesleben er einen Hauch verspüren soll. Auch würde hierdurch zugleich der nahe- liegenden Aufgabe genügt, dem Schüler eine richtige Aussprache der englischen geographischen Namen zu vermitteln. Gerade der geographische Unterricht läßt sich zu einem wirklichen Auschauungs- unterrichte gestalten, wenn die Karte und etwa vorhandene Abbildungen in reichlichstem Maße zur Verwendung kommen und im übrigen die Phantasie, was bei diesem Stoffe nicht schwerfällt, zu möglichster Thätigkeit angeregt wird. Um für Sprechübungen geeignet zu sein, muß der zu Grunde liegende Text(bei Deutschbein Abschnitte aus englischen Schulbüchern) sich durch möglichste Einfachheit der Sprache auszeichnen.

Als weitere geeignete Mittel, den Schüler von der Gebundenheit an das Buch zu befreien und in ihm ein lebendiges Gefühl der gesprochenen Sprache zu erwecken, seien noch Deklamationen und Aufführungen dramatischer Scenen erwähnt.

Zum Schlusse mögen hier noch einige Worte über die Gewinnung eines für Lektürezwecke einigermaßen ausreichenden Wortschatzes ihre Stelle finden. Wenn in der Entlehnung des englischen Wortbestandes im wesentlichen aus dem Französischen und Deutschen für den mit diesen Sprachen vertrau- ten Schüler eine Erleichterung der Aneignung desselben liegt, so wird dieser Vorteil doch zum teil wieder aufgehoben durch den infolge des Zusammenfließens beider Sprachenströme überaus reichen Wortschatz selbst. Was die Art der Aneignung desselben betrifft, so liegt diese in dem ganzen vorstehend bezeichneten Unterrichtsverfahren begründet. Da das im Englischen zu Lesende, und zwar sowohl in der ersten Zeit die zur Einübung der Aussprache und Grammatik bestimmten Lesestücke als auch später die mehr als Selbstzweck getriebene Lektüre nur im Wortschatz eine Beschränkung findet, so leuchtet wohl ein, dass dem Schüler außer den in dem Lesestoffe vorkommenden Vokabeln keine