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Dass für derartige Ubungen Shakespeare, an den in dem Lehrbuche für Gymnasien von Zernial bereits im ersten Jahre die sprachlichen UÜbungen angeknüpft werden, nicht gerade den geeigneten Text liefert, dürfte einleuchten. Aber auch abgesehen von seiner fragwürdigen Verwendbarkeit nicht nur für die von mir gekennzeichneten, sondern für grammatische UÜbungen überhaupt erscheint mir die Wahl dieses Dichters als Lesestoff für Schüler, die kaum über die allerelementarste Kenntnis der
Sprache hinweggekommen sind, wohl mehr einem anderen Interesse, als dem des Unterrichtes selbst entsprungen zu sein.
Wenn unter den verschiedenen Formen, wie der englische Lesestoff behufs dauernder Einprägung und lebensvollerer Erfassung der Sprache zu behandeln ist, die Verwendung desselben zu Hör- und Sprechübungen berücksichtigt worden ist, so ist damit zugleich eine aus- drückliche Zielforderung des englischen Unterrichts berührt worden, die nach der Fassung in den „Neuen Lehrplänen“ in der„ersten UÜbung im mündlichen Gebrauche der englischen Sprache“ besteht. Bei der großen Verwandtschaft und Khnlichkeit der englischen Sprache mit der deutschen bietet die erstere gerade nach der Seite des Sprechens uns Deutschen nicht allzugroße Schwierigkeiten, wenigstens erheblich weniger als die französische. Gleichwohl ist bei der ziemlich allgemeinen Fassung dieser Forderung und bei der im allgemeinen wenig günstigen Stimmung, welche allen in dieser Richtung liegenden Forderungen der„Neuen Lehrplänet seitens der Anhänger der alten Methode entgegengebracht wird, von vornherein anzunehmen, dass die Vertreter des in Rede stehenden Unter- richts je nach ihrer zustimmenden oder ablehnenden Haltung gegenüber dem Werte und der Er- reichbarkeit dieser Zielforderung dieselbe in sehr verschiedenem Umfange zu verwirklichen bestrebt sein werden. Wenn ich mich unterfange, gedachter Forderung der„Neuen Lehrplänete, soviel in meinen schwachen Kräften liegt, zu ihrem Rechte zu verhelfen, so weiß ich mich damit im Gegensatze zu so manchen anscheinend recht einleuchtenden Bedenken.
Als ein solches wird vielfach geltend gemacht, dass nur eine geringe Zahl der das Englische treibenden Schüler in die Lage kommen werde, englisch zu sprechen, dass es für die Mehrzahl genüge, das Englische lesen zu können, um gegebenenfalls eine in den Bereich ihrer Studien ein- schlagende englische Schrift, oder, wenn sie ihr Interesse darauf hinführt, ein Erzeugnis der englischen schönen Litteratur lesen zu können. Die Forderung des Englischsprechens sei eine Mehrbelastung, die der englische Unterricht, zumal der des Gymnasiums, bei seiner geringen Stundenzahl auf keinen Fall vertrage.
Die Entschiedenheit, mit der ich gerade dieses Bedenken habe aussprechen können, läßt die Annahme gerechtfertigt erscheinen, dass überhaupt die lautliche Seite einer zu erlernenden Sprache in ihrer pädagogischen und ästhetischen Bedeutung nicht allgemein gebührend gewürdigt wird. Es mögen mir daher zu Gunsten derselben einige ausführlichere Worte gestattet sein: Die Erfahrung lehrt, dass das, was sich dem Ohr eine gewisse Zeit hindurch eingeprägt hat, lange im Gedächtnis haftet. Während das Gesehene immer etwas außer mir Befindliches bleibt, tönt das mit dem Gehör Aufgenommene in mir, das Tönende aber ist Leben, die Schrift ist starr und tot— daher die tiefe Wirkung der Musik, der„innerlichsten der Künste’c. Wegen dieser seiner Innerlichkeit verbindet sich der Klang eines Wortes leicht unmittelbar mit dem Begriffe, sodass auch wiederum mit dem gewohnten Klange der diesem entsprechende Begriff sich ohne weiteres einstellt.
Das Lernen eines Gedichtes und die wörtliche Einprägung irgend eines Textes beruht doch bei der großen Mehrzahl der Menschen nicht darin, dass sie das Bild des Textes bis auf das einzelne Wort so deutlich dem Gedächtnis anvertrauen, dass sie es mit dem innern Auge sozusagen abzulesen im Stande würen. Das meiste thut hierbei doch die Gewöhnung der Zunge und vor- nehmlich des Ohres.


