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die fremde Sprache zu übertragen. So ist es wohl kaum als eine zu große Zumutung an die Leistungsfähigkeit des Schülers anzusehen, wenn ich denselben veranlasse, die in deutscher Sprache gehaltene freie Umformung eines gelesenen englischen Stückes zum Zwecke grammatischer UÜbung und festerer Einprägung des im englischen Texte vorkommenden sprachlichen Materials ins Englische zu übersetzen.
Auffallender als meine soeben gekennzeichnete Stellung zum UÜbersetzen ins Englische dürfte das erscheinen, was ich über das Ubersetzen ins Deutsche gesagt habe. So mancher Leser wird verwundert fragen, wie denn das Ubersetzen aus dem Englischen zu ersetzen sei, auf welche Weise der Lehrer sich überhaupt sonst des Verständnisses des Lesestoffes seitens des Schülers versichern soll. Darauf ist zu erwidern, dass das Ubersetzen aus dem Englischen, wofern der Schüler den Wort- bestand des zu lesenden Stückes beherrscht, im allgemeinen nicht mehr viel Mühe macht. Ob der Schüler einzelne sprachlich schwierigere Stellen verstanden hat, kann ja durch einige geeignete Fragen ermittelt werden. Ubrigens befürchte ich von einer einmaligen Ubersetzung des englischen Textes für die Ent- wickelung des englischen Sprachgefühls keine so weitgehende Beeinträchtigung, dass ich um dieser willen auf eine durch Vermittelung der Muttersprache zu erreichende gründlichere und erschöpfendere Auffassung des Gedankeninhalts verzichten möchte. Eine einmalige Ubersetzung kann aber genügen: Sie tritt in ihr Recht, wenn es gilt, das Verständnis des englischen Textes zu vermitteln bezw. zu gewinnen, d. h. bei der ersten Vornahme des Textes und gründlichen Erklärung desselben. Sobald aber der Text verstanden ist, muß das Deutsche im Bewußtsein möglichst zurücktreten und der Schüler durchaus in der geistigen Sphäre des Englischen bleiben. Dass er den Text beherrscht, kann er in der nächsten Stunde ebensogut als durch die Übersetzung dadurch zeigen, dass er bei geschlossenem Buche den ihm vom Lehrer englisch vorgesprochenen Text satzweise wiederholt, welches Verfahren nicht mehr Zeit in Anspruch nimmt als das sonst übliche Lesen und UÜbersetzen aus dem Buche. Auch bietet es mannigfache Vorteile: der Schüler hört dabei viel Englisch aus dem Munde des Lehrers, er muß es dem Inhalt nach auffassen, um es wiederholen zu können, das Zeitmaß, in dem dies sich vollzieht, ist derart, dass ein UÜbersetzen ins Deutsche nicht möglich ist, und schließlich muß er den aufgenommenen Gedanken, der ihm nur in englischer Form vorschwebt, frei aus dem Gedächtnis wiederholen. Daran schließt sich dann die Besprechung des Stoffes in Frage- und Antwortform und schließlich eine zusammenhängende Wiederholung. Dass eine derartige Behandlung des Lesestückes ohne Herbeiziehung der Muttersprache sehr dazu beitragen muß, das Denken in der fremden Sprache, d. h. die unmittelbare Verbindung des Begriffes mit dem fremden Ausdruck zu fördern, liegt auf der Hand. Um auf bereits vorliegende Ergebnisse Bezug zu nehmen, darf ich wohl erwähnen, dass ich aus der ganzen Art und Weise, wie meine fortgeschritteneren Schüler auf eine Behandlung eines gelesenen Stückes in Gesprächsform einzugehen wissen oder ein solches wiedererzählen, glaube schließen zu dürfen, dass sie der Vermittelung des Gedankens durch die Muttersprache nicht bedürfen. Auch ist mir dies seitens eines durchaus zuverlässigen Schülers auf Grund genauer Selbstbeobachtung mit aller Bestimmtheit versichert worden.
Nur muß mit solchen Ubungen rechtzeitig angefangen werden und nicht erst dann, wann der Schüler sich einmal daran gewöhnt hat, mit den Wörtern der fremden Sprache nur durch Ver- mittelung der Muttersprache Begriffe zu verbinden.
Dass bei einer solchen Behandlung des englischen Textes, welche eine unmittelbare, möglichst innige Verschmelzung des Wortes, und nicht nur des geschriebenen oder gedruckten, sondern auch des gesprochenen, mit dem Begriffe anstrebt, für die erste Zeit des Unterrichts nicht von der Bewäl- tigung eines großen Lesestoffes die Rede sein kann, liegt nahe. Bei dem geringen Umfange dieses Lesestoffes ist es auch von keinem besonderen Werte, dass derselbe durchweg englischen Schrift- stellern entnommen ist. Vielmehr genügt es, wenn derselbe inhaltlich ansprechend und lehrreich und in seiner Form einwandfreies Englisch ist.


