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entweder aus wissenschaftlicher Neigung oder aus nüchterner Erwägung der mit der Kenntnis dieser wichtigen Kultursprache verbundenen Vorteile diesem Fache entgegenbringen, das Meiste von der Hingabe des Lehrers an diesen Unterricht zu erwarten, von seinem unablässigen Bemühen, den Lern- stoff, um das Interesse der Schüler rege zu erhalten, in möglichst mannigfaltiger und abwechselungs- reicher Form mit ihnen durchzuarbeiten und nach Grammatik und Wortschatz ihnen möglichst zu eigen zu machen, sowie in ihrem sprachlichen Interesse und Wissen für das Neuanzueignende die vielfachsten Anknüpfungen zu suchen. Wie bei der Lautlehre, so wird auch beim grammatischen Unterrichte dieser Methode ein sprachlich passend ausgewählter und eigens zugerichteter Text zu gute kommen. Dass dabei im Anschluß an die im Lesestoffe auftretenden grammatischen Formen seitens des Lehrers auch etwas mehr gegeben werden kann, entspricht jenem bereits obenerwähnten dem Gymnasiasten anerzogenen Streben nach Einheitlichkeit und Systematik. Dass einem glück- lichen Zufall in der Wahl des Stoffes für die einzelnen grammatischen Kapitel ein längerer zusammen- hängender Lesestoff weniger Spielraum gewährt als kleinere, die verschiedensten Gegenstände behandelnde Lesestücke liegt auf der Hand. Auch eignen sich Fabeln, Anekdoten und kleine Geschichtchen wegen ihrer engeren Begrenzung mehr für daran anzuknüpfende Sprechübungen, wozu ferner noch der Umstand kommt, dass bei dem wegen der aussprachlichen und grammatischen Erörterungen sowie des noch geringen Wortschatzes sehr langsamen Fortschreiten der Lektüre das Interesse für den Inhalt eines längeren zusammenhängenden Textes, dessen Zusammenhang dabei wohl gar verloren gehen kann, leicht erlahmt, während es jeder neu auftretenden Erzühlung in voller Frische gegenübertritt.
Muß die Schwierigkeit, bald für den Anfang zusammenhängende Erzählungen zu bringen, die unter möglichster Fernhaltung von Schwierigkeiten die Erscheinungen der Aussprache und Grammatik in methodischer Folge enthalten, trotz bereits vorliegender erfreulicher Versuche ohne weiteres zugegeben werden, so scheint mir eine solche Schwierigkeit in Bezug auf frei zu gestaltende geeignete Dialoge nicht vorzuliegen. Diese lassen in Hinsicht auf den Gang und das Ziel der Unterhaltung die größte Freiheit zu, sie gewähren auch mit der Mannigfaltigkeit des zu behandelnden Inhaltes einer beliebigen Hineinziehung des Wortschatzes einen großen Spielraum. Dazu kommt ihr Wert als Grundlage und Vorübung für Sprechübungen. Um so mehr muß ich mich wundern, dass meines Wissens erst Deutschbein auf den Gedanken gekommen ist, die Form des Dialogs zur Einübung der Grammatik in methodischer Folge zu verwerten. Dass der Inhalt bei ihm nicht trivialer Natur, sondern durchweg zugleich geeignet ist, den Schüler mit englischen Verhältnissen bekannt zu machen, ist diesem Verfahren des genannten Verfassers noch als besonderes Verdienst anzurechnen.
Was schriftliche zur Einübung der Grammatik bestimmte UÜbersetzungen in die fremde Sprache betrifft, so werden diese nur in geringerem Umfange notwendig sein, schon deshalb, weil Schreibfertigkeit nicht vorwaltendes Ziel des hier zu erörternden englischen Unterrichts ist, dann aber auch weil der englische Lesestoff in so mannigfaltiger Weise und unter so vielen Gesichtspunkten durchgearbeitet wird, dass die darin neu auftretenden sprach- lichen Gebilde dadurch schon sich dem Schüler genügend einprägen und überhaupt auf diese Weise eine ausreichende UÜbung in der fremden Sprache erzielt wird. Ich denke dabei an Ubersetzung des Textes sowohl nach dem Buche als auch nach dem Vorlesen des Lehrers, münd- liche Rückübertragung aus dem Deutschen, Nachschreiben des Textes nach Diktieren, besonders in der ersten Zeit, wobei der Schüler in bequemer Weise nach dem hinterher aufgeschlagenen Texte seine Fehler selbst verbessern kann, Behandlung des Textes in Gesprächsform, sowie zusammen- hnängendes Wiedererzählen. Zudem ist bei den in Rede stehenden Schülern die infolge der größeren geistigen und allgemein sprachlichen Geschultheit leichtere Auffassung und größere Sicherheit in der Anwendung des Gelernten in Anschlag zu bringen, welche ein umfängliches Ubersetzen in die fremde Sprache zum Zwecke der Einübung der Grammatik als weniger notwendig erscheinen läßt.
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