Aufsatz 
Das Englische auf dem Gymnasium / Julius Jelinek
Entstehung
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10 Gesetze eine wissenschaftliche Thätigkeit im Kleinen, die von der Thätigkeit des Sprachgelehrten, der die Grammatik einer Sprache aufzustellen beschäftigt ist, der Art nach kaum verschieden ist. Auch wird dabei zuweilen etwas von einem freudigen eöonuναν in der Seele des eifrigen Schülers sich vernehmen lassen.

Dass überdies das Selbstgefundene im Vergleiche mit dem nur Erlernten ein ungleich dauernderer Besitz ist, ist eine nicht nur in der Pädagogik alterkannte und altbewährte Erfahrung. Wie verträgt sich nun aber mit dieser unbedenklich zuzugebenden Wahrheit die Erfahrung, dass nach den bisherigen Wahrnehmungen das nur gelegentlich im Laufe der Lektüre Gelernte schnell wieder verloren geht, so dass darauf bei der Mehrzahl der Schüler später nicht mehr zu rechnen ist, während dagegen das im selbständigen grammatischen Unterrichte Durchgenommene ungleich fester haften bleibt? Die Erklärung für letztere Thatsache dürfte nicht weit zu suchen sein.

Bei der jetzigen Trennung des grammatischen Unterrichts von der Lektüre hat ersterer so gut wie ausschließlich die Aufgabe, den Schüler in seinem grammatischen Wissen zu fördern. Er nimmt vorzugsweise die geistige Spannkraft der Schüler in Anspruch. Nur von dem im grammatischen Unterrichte selbst gewonnenen grammatischen Wissen hat derSchüler in den schriftlichen Arbeiten Rechen- schaft abzulegen, dieses ist für seine Versetzung in erster Linie maßgebend. Auf die in der Lektüre neu auftretenden grammatischen Erscheinungen wird nur wenig Gewicht gelegt, sie werden nur soweit erklärt, als das Verständnis des Textes es erfordert. Es wird hinterher keine Rechenschaft darüber ge- fordert, da sie ja im späteren grammatischen Unterrichte zur Behandlung gelangen, da sie mit anderen Worten nicht zum Pensum der Klasse gehören, und da, was hierbei besonders ins Gewicht fällt, der Schüler dies weiß. Ganz anders wird sich die Sache verhalten, wenn eine solche Trennung zwischen Grammatik und Lektüre nicht besteht, wenn ein Teil des sprachlichen Interesses und der größte Teil der Arbeitskraft des Schülers nicht schon nach der Seite eines besonderen grammatischen Unterrichtes abgeleitet ist, wenn der Schüler ferner weiß, dass die Lektüre die Hauptquelle seiner Sprachkenntnis sein soll, wenn womöõglich der bezügliche Paragraph in der Grammatik nachgeschlagen, notiert und aufgegeben, der Schüler auch in der sich anschließenden schriftlichen Arbeit davon Gebrauch zu machen haben wird.

Bei diesem Verfahren wird die Grammatik, die im ganzen immerhin an der Hand der Lektüre methodisch fortschreitet, immer mehr den Charakter einer Zusammenstellung des bereits früher Gelernten annehmen. Doppelt leicht wird der Schüler die Grammatik auch in ihrer Systematik sich zu eigen machen, wenn er in den zur Veranschaulichung der Regeln gewählten Beispielen alle Bekannte aus seiner Lektüre wiederfindet, wie dies in der Grammatik von Deutschbein fast durchweg der Fall ist.

An diejenigen, die trotz meiner Ausführungen noch der Meinung sind, dass die einzelne grammatische Erscheinung sich fester einpräge, wenn diese im synthetisch-grammatischen Unterricht für sich und zu ihrer Zeit auftrete, möchte ich noch die Frage richten, ob sie, um nur ein Beispiel zu wählen, wirklich der Ansicht sind, dass derjenige Schüler, dem sich der Unterschied zwischen can und may unterstützt durch die lebendige Beziehung des Gedankens innerhalb eines zusammen- hängenden und nach mehreren Seiten hin durchgearbeiteten Lesestoffes nicht eingeprägt hat, diesen Unterschied aus der durch keinen oder doch nur mangelhaften Gedankenzusammenhang unterstützten Kenntnisnahme durch die Grammatik sich zu eigen machen wird, es müßte denn der Vertreter dieser gegenteiligen Meinung einen grammatischen Drill im Auge haben, wie ein solcher unter den zu denkenden Verhältnissen den größten Schwierigkeiten begegnet. Als solche stellen sich dar das vor- gerückte Alter der Schüler, die geringe Stundenzahl bei möglichster Beschränkung der häuslichen Arbeit, der fakultative Charakter des Faches und seine Unerheblichkeit für die Versetzung, sowie damit zusammenhängend der verhältnismäßig geringe Einfluß des Lehrers, wofern er nicht zugleich eines der Pflichtfächer in seiner Hand hat. Somit ist denn neben dem Interesse, welches die Schüler