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keit und unvermischt mit anderen zuweilen ähnlich klingenden auftreten, ist selbstverständlich. Es sei hierbei bemerkt, dass Deutschbein in seinen„Vorstufen“ zu Anfang Fabeln bietet, deren erste, ohne in ihrer Sprache den Eindruck des Gezwungenen zu machen, ausschließlich aus einsilbigen Wörtern bestehen und nur ganz vereinzelt Erscheinungen mit sich führen, deren besondere Einübung erst die Aufgabe eines späteren Lesestückes bildet. So können an einem derart methodisch ge- sichteten Lesestoffe allmählich alle die eigentümlichen Erscheinungen der englischen Aussprache durch unmittelbare wirksame Einübung zum Eigentum des Schülers gemacht werden, ohne dass es besonderer Regeln bedarf. Aber auch hier unoch wird die Anknüpfung an das dem Schüler stofflich bereits Bekannte— ich meine an ihm bekannte Namen— die Einprägung der Aussprache des Geschriebenen und umgekehrt der Schreibung des Gesprochenen erleichtern. Man denke an Wörter wie Irving, Birmingham, Harrow School, Longfellow, James Cook, Dundee, London, Dudley, New-York, Macaulay, Manchester, Newcastle- upon-Tyne, Washington, Cornwall, Brighton, Wight und„last not least“ Shakespeare.
Dass dabei freilich eine etwa vorhandene ungenaue Aussprache dieser Wörter seitens des Lehrers zuerst zu berichtigen ist, bedarf wohl kaum der Erwähnung.
Was sodann die an den Gymnasiasten zu stellenden Forderungen inbezug auf grammatisches Wissen betrifft, so muß eine Erwägung dieses Punktes davon ausgehen, dass gerade im Englischen das Bedürfnis grammatischen Wissens sich sehr verschieden bemessen kann, je nachdem man es auf bloßes Verständnis der Lektüre oder auf durchaus zuverlässige und sichere Beherrschung der Sprache für den schriftlichen Gebrauch abgesehen hat. Man denke dabei an die Rektion der Verba, die Aus- lassung von to beim Objektiv, eine eingehende Kenntnis des Gebrauchs der Präpositionen. Wenn nun schon auf mittleren und höheren Realanstalten das Englische nicht in gleicher Weise wie das Französische die Aufgabe hat, sprachlich-formale Bildung zu vermitteln und daher schon seit langer Zeit auf Direktoren-Konferenzen einer Vereinfachung des grammatischen Lernstoffes selbst für Real- gymnasien und Oberrealschulen das Wort geredet worden ist, so erscheint die für das Gymnasium in den„Neuen Lehrplänen“ aufgestellte Forderung, welche sich auf„die feste Aneignung der Formen- lehre und der notwendigsten syntaktischen Gesetze“ beschränkt, um so gerechtfertigter.
In ähnlicher Weise wie die Aneignung der Aussprache wird sich auch die Gewinnung des grammatischen Wissens nach der analytisch-induktiven Methode vollziehen.
Nur in Kürze sei hier den Bedenken begegnet, welche gerade gegen die Gewinnung der Grammatik auf diesem Wege erhoben werden. In erster Linie muß ich dabei dem Einwande ent- gegentreten, ein Sprachbetrieb, der nicht von der Grammatik ausgehe, sei mechanisch und führe zur Oberflächlichkeit und Gedankenlosigkeit.
Wenn dies nach meiner UÜberzeugung zuträfe, so würde ich der erste sein, der sich gegen die soeben von mir empfohlene Methode erklärte, da ich durchaus dem Gedanken huldige, dass geistige Bildung nicht im Wissen, sondern in geistiger Kraft beruht. Jener Vorwurf mag allenfalls auf die rein imitative Methode zutreffen, welche auf grammatische Einsicht für die ersten Jahre vollständig verzichtet, keineswegs jedoch auf unsere induktive Methode, welche einen ihrer bedeutsamsten Vorzüge darin sieht, dass der Schüler nicht, wie es nach der alten synthetischen Methode geschah, eine ihm vom Lehrer oder durch die Grammatik fertig entgegengebrachteRegel einfach aufzufassen und sich einzuprägen, sondern aus einer Anzahl von Einzelerscheinungen durch Vergleichung und Abstraktion das Gesetz selbst zu finden hat. Es dürfte wohl ohne weiteres zuzugeben sein, dass eine derartige Gewinnung der Grammatik dem gereifteren und grammatisch geschulteren Denken des hier in Betracht kommenden Schülers durchaus angemessen ist. Ist ja doch von vornherein anzunehmen, dass gerade das den in Rede stehenden Schülern durch die ganze vorangegangene sprachliche Schulung anerzogene Bedürfnis sprachlicher Gesetzmäßigkeit und Ordnung dieser heuristischen Methode ganz besonders zu statten kommen muß. Ist ja doch ferner dieses Finden der die Einzelerscheinungen beherrschenden
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