Aufsatz 
Das Englische auf dem Gymnasium / Julius Jelinek
Entstehung
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unmittelbare Lautnachahmung eine gute Aussprache einer fremden Sprache erworben werden kann. Ich darf mich hierbei auch auf meine eigenen als Lehrer des Französischen an einem sächsischen Gymnasium, also unter sprachlich schwierigen Vorbedingungen, gemachten Erfahrungen beziehen. Dass man dem Schüler durch mancherlei Winke und Fingerzeige inbezug auf den Gebrauch der Sprachwerkzeuge zu Hilfe kommen kann und muß, ist dabei nicht ausgeschlossen.

Was nun die Aneignung der englischen Schreibung anlangt, so gesellt sich zu dem bereits früher angeführten Grunde, der es wenigstens für den gymnasialen Unterricht wegen der wenigen weit auseinander liegenden Stunden nicht rathsam erscheinen läßt, auf dieselbe zu Anfang ganz zu verzichten, noch ein weiterer: Bekanntlich stellt im allgemeinen die englische Schrift eine ältere Form der Sprache dar, welche unserer deutschen näher stand als das heutige Englisch, und somit viel- fach die Vermittelung zwischen der heutigen englischen und deutschen Sprache bildet. Damit hängt es denn auch zusammen, dass ich bei dem Versuche, den ich mit einer englischen Abteilung machte, den Schülern die gesprochene Sprache ohne gleichzeitige Berücksichtigung der Schrift zu vermitteln, nur zu häufig mich veranlaßt fühlte, die neuauftretenden Wörter zu buchstabieren oder an die Tafel zu schreiben, um die Schüler durch die Schreibung der Wörter auf die Bedeutung derselben zu führen.

Zum Nachweise seien eine Anzahl von Wörtern aus den allerersten Lesestücken, ungefähr dem Raume einer Seite, in DeutschbeinsVorstufen angeführt, deren heutige Aussprache im Unter- schiede von der Schreibung nur wenig an das entsprechende deutsche Wort erinnert:

one Dem hochd. ei entspricht im Niederdeutschen ê, im Angelsächsischen à, im Eng- stone lischen o; but(bei Reuter buten= außen, außer, woraus sich die adversative Bedeutung ent-

wickelt hat); often, us(mit Ausfall des n wie in could), vgl. soft(= deutschsanft odersacht); half, should, such(deutsch dialektisch auchsulch), as(deutschals); come came come; same(entspricht der deutschen Endsilbe sam); taste(vgl. deutschtasten, franz.tAter); bei great und stream läßt sich auf die Analogie des engl. ea und des deutschen o hinweisen; ran, day und may, knave, son, sprang; sure, vile, just(auch deutsch just= gerade) deuten ebenfalls nur durch ihre Schreibung auf ihren französischen Ursprung hin.

Wenn ich demnach in der Beiseitelassung der englischen Schrift keine Erleichterung des Unterrichts sehen kann, so muß ich mich doch gegen ein UÜbermaß die Schreibung betreffender Regeln erklären, einmal darum, weil derartige Regeln wegen der vielen Abweichungen nicht einen der auf ihre Erlernung verwendeten Mühe entsprechenden Wert haben, dann aber deshalb, weil bei dem langsamen Fortschreiten in dem Lesestoffe die Schreibung und Aussprache der Vokabeln sich von selbst einprägt. Die wichtigeren und wirklich brauchbaren Regeln können aus einer Zusammen- stellung bereits gelernter Wörter induktiv gewonnen werden. Für den ersten Anfang dürfte es sich empfehlen, die wichtigsten lautlichen Bedeutungen der Schriftzeichen, so besonders der Vokalbuch- staben, je nachdem sie in offener oder geschlossener Silbe stehen, aus solchen Wörtern, die dem Schüler bereits durch die Geograpbie, Geschichte, Litteratur u. s. w. bekannt sind, von dem Schüler selbst finden zu lassen. Solche Wörter sind u. a. Aden, Eton, Ivanhoe, Dover, Hume, Hyde, Byron, Man, Kent, Bristol, Oxford, Hull, Dublin.

Nach der Gewinnung dieser Erkenntnis steht nichts im Wege, dass der Schüler an einen zu- sammenhängenden Text herantritt, vorausgesetzt, dass dieser sprachlich geeignet ausgewählt und nötigenfalls für den Schüler eigens zugerichtet ist. Dass letzterer die weiteren noch kennen zu lernenden lautlichen Erscheinungen sich jedenfalls leichter zu eigen machen wird, wenn sie in größerer Häufig-