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selben sowie seine Verwendung zu Sprechübungen ermöglicht wird, so ist gleichzeitig nicht einzusehen, wie die Behandlung darunter leiden sollte, dass wir die sonst allgemein anerkannten pädagogischen Grundsätze in derselben zur Anwendung bringen, zuerst den, dass man möglichst vom Einfachen zum Zusammengesetzten überzugehen hat, dann die allgemeine, auch in der Pädagogik in Geltung stehende Erfahrung„gutta cavat lapidem“. Mit andern Worten: Das Auſftreten der einzelnen sprachlichen Formen ist nicht dem bloßen Ungefähr zu überlassen, sondern nach den oben angeführten Grund- sätzen möglichst zu regeln. Nach diesen Gesichtspunkten ist der Stoff auszuwählen und nötigenfalls umzugestalten, sodass er zur wirksamen Einübung einer bestimmten Gruppe von Erscheinungen die nötige Ausbeute liefert. Inwieweit letzteres in ungezwungener Weise zu ermöglichen ist, haben die Herausgeber der neuen Plötzschen Lehrbücher bewiesen; dies hat ferner in ebenso trefflicher Weise Deutschbein besonders in den auch inhaltlich wertvollen Dialogen seines Ubungsbuches dargethan.
Nachdem ich im Vorausgehenden meine Stellungnahme inmitten der verschiedenen in Geltung befindlichen Lehrmethoden in allgemeiner Weise gekennzeichnet habe, die als eine zwischen den Gegensätzen vermittelnde, die Vorteile beider nach Möglichkeit vereinigende bezeichnet werden kann, will ich, soweit es der mir verstattete Raum zuläßt, meine dem angegebenen Standpunkte ent- sprechende Stellung zu den einzelnen Aufgaben des uns hier beschäftigenden Sprachunterrichtes darlegen.
Als eine gerade beim Betriebe des Englischen besonders hervortretende Aufgabe stellt sich die Behandlung der Aussprache dar. Im Zusammenhange mit der Reformbewegung auf neu- sprachlichem Gebiete, welche eine möglichst lautrichtige mündliche Beherrschung der fremden Sprache anstrebt, ist die Forderung einer besonderen phonetischen Behandlung der fremden Sprache auf lautphysiologischer Grundlage erhoben worden und zwar so weitgehend, dass den Schülern die Hervorbringung der fremden Laute und das Verhältnis derselben zu einander an lautphysiologischen Apparaten deutlich gemacht werden soll. Auch sei für jeden der vielfach von den deutschen abweichenden Laute ein besonderes Schriftzeichen zu gebrauchen, durch welches Verfahren die Er- innerung an einen ähnlich klingenden deutschen Laut und die Verwechselung damit verhütet werde. Was diese phonetische Umschrift betrifft, so erscheint mir— selbst einen dadurch erzielten besseren Erfolg zugegeben— die Umständlichkeit derselben zu groß, als dass man den Schülern die dadurch bedingte Mehrbelastung zumuten dürfte. Meines Erachtens genügt es, wenn von den englischen Lauten ausgegangen wird, die auch dem Deutschen eigen sind, oder die von den entsprechenden deutschen nur wenig abweichen. Diese geringen Abweichungen, z. B. die diphthongische Aussprache der langen Vokale, die immerhin dem Englischen eine eigentümliche Klangfärbung verleiht, lassen sich über- zeugend darthun, wenn man sich etwa den kleinen Scherz macht, dass man den Schülern zeigt, wie der Engländer nach seiner eigentümlichen Weise dieses oder jenes deutsche Wort aussprechen würde. Die Sonderbarkeit dieser Aussprache wird dem Schüler den Unterschied mit einem Schlage in sinn- fälliger Weise zum Bewußtsein bringen, so z. B. wenn man das deutsche Wort„Ofen“ auf englische Manier als„Oufen“ spricht. Darauf werden die wenigen dem Englischen eigentümlichen Zwischenlaute in ihrem Verhältnisse zu den bereits kennen gelernten erläutert. Die Hauptsache bleibt immer wieder die Ausbildung des Gehörs und die unmittelbare Nachahmung des aufgenommenen Lautbildes. Wiederholtes Vorsprechen des Lehrers und Nachsprechen des Schülers wird dem letzteren allmählich den englischen Lautbestand zum sichern Eigentum machen. Was insbesondere die Aussprache der Consonanten betrifft, so bietet diese nach der Erlernung des Französischen, von l under abgesehen, keine neuen Schwierigkeiten. So ist u. a. die stimmhafte Aussprache der Medien und die des s am Ende der Wörter für den, der Französisch gelernt hst, nicht eine neue Erscheinung, vielmehr nur noch eine Sache der Aufmerksamkeit. Unzweifelhaft wird die eingehendste physiologische Analyse der Laute ohne die Vorstellung des Gehörsbildes nicht zu einer durchaus zutreffenden Aussprache führen, während andererseits vielfache Erfahrung lehrt, dass auch ohne Lautphysiologie, durch bloße


