um die Schüler zur englischen Lektüre zu befähigen.“ So urteilte Schrader bereits 1868 in seiner Erziehungs- und Unterrichtslehre.
In dieser Richtung liegende Gedanken kamen auch auf der 1886 stattfindenden Sächsischen Direktoren-Versammlung zum Ausdruck, so z. B.„Im Englischen ist noch mehr das Nebensächliche und Vereinzelte gelegentlicher Behandlung bei der Lektüre oder auch grammatischen Repetitionen zu überlassen“. Einer systematisch-grammatischen Behandlung wird auf dieser Versammlung von keiner Seite das Wort geredet.„Dieser Behandlung“— so lässt dieselbe Stimme sich weiter vernehmen—„würden noch besonders zu statten kommen nicht nur die entwickelteren Fähigkeiten der Schüler, sondern auch eine größere Summe von sprachlichen Kenntnissen und UÜbung in der Verwendung derselben, an die der Unterricht stets anzuknüpfen hat.“
Aus alledem erklärt es sich, dass viele Schulmänner, welche für die formenreiche griechische und lateinische Sprache die rein systematische Behandlung der Grammatik aufrecht erhalten wissen und sonst nur noch allenfalls für das Französische eine freiere Behandlung zulassen wollen, einer solchen bezüglich des Englischen ohne weiteres zustimmen. So könnte es denn scheinen, als sei für die Behandlung des Englischen auf eine eigentliche Methode gänzlich zu verzichten, als sei diese Sprache wie die Muttersprache allmählich durch Sprechübungen, die an die Umgebung des Schülers oder an eine durch Bilder vermittelte Anschauung anzuknüpfen seien, sowie durch Lektüre irgend eines für die Erlernung der Sprache von vornherein garnicht berechneten Schriftwerkes zu gewinnen. Und wirklich haben derartige Anschauungen, die übrigens, obwohl von den leidenschaftlichsten Re- formern mit viel Behagen vorgetragen, durchaus nicht neu sind,— man denke an Jacotot und Hamilton— viele Vertreter gefunden, die sich zum Teil auch schon beachtenswerter Erfolge rühmen zu können glauben. Auch ich bin durchaus der Meinung, dass für ein tieferes Verständnis einer Sprache die Kenntnis der Umgangssprache eine unerläßliche Bedingung ist. Besteht doch selbst die Sprache erhabensten Gedanken- und Gefühlsaufschwunges im Grunde aus mehr oder minder bewußten Metaphern, beruht ja doch das Wirkungsvolle, Eindringliche, UÜberzeugende des Ausdrucks darin, dass die in ihm immer nachweisbare sinnliche Vorstellung ein möglichst angemessenes äußeres Gewand für den abstrakten Gedanken bildet und das nicht der Sinnenwelt Angehörige und darum schwer zu Fassende unserm innern Auge als etwas Sinnliches erscheinen läßt. Wie befruchtend eine darauf gerichtete Betrachtung der Sprache in jeglichem Sprachunterrichte, nicht zum mindesten auch bei Behandlung der Muttersprache, für Geschmack und Phantasie werden kann, wie wichtig zumal auch für synonymische Unterscheidungen, dürfte demjenigen einleuchten, der R. Hildebrands Buch über den deutschen Unterricht gelesen hat. Das sollten auch diejenigen nicht übersehen, die im falsch verstandenen Interesse der in erster Linie zu berücksichtigenden Lektüre auf die Sprache des Alltags- lebens mit allzugroßer Geringschätzung herabsehen.
Wenn zudem die Ergebnisse dieser Methode, zumal was Gewandtheit im Gebrauche der fremden Sprache und Sprechfertigkeit betrifft, so überraschend sind, wie sie uns Graf Pfeil in seiner Schrift:„Wie lernt man eine Sprache am leichtesten und besten?“ und Klinghardt in seiner Schrift: „Meine Erfahrungen mit der imitativen Methode“ überzeugend schildern, so scheint damit jedem anderen Unterrichtsverfahren die Daseinsberechtigung entzogen zu sein. Und doch stehen meines Erachtens mindestens in unserm Falle einem derartigen rein empirischen Verfahren sehr gewichtige Bedenken gegenüber.
In erster Linie ist wohl zu beachten, dass in den Fällen, wo mit dieser Methode selbst im Lateinischen und Griechischen überraschende Ergebnisse erzielt worden sind, es sich meistens um Einzelunterricht handelte, in der Regel überdies noch ein hervorragendes Interesse und energisches Wollen auf Seiten des Lernenden den Erfolg begünstigte. Außerdem fällt in den meisten dieser Fälle die ausschließliche Beschäftigung mit einer einzigen Sprache bei einer größeren wöchentlichen Stunden- zahl schwer ins Gewicht. Am hinderlichsten für die Anwendung dieser Methode auf das Englische


