20
Die nun folgenden Eigenſchaften der Thaͤtigkeit, die Ordnung in Arbeiten und Sachen, die Puͤnktlichkeit bei der Erfuͤllung aller Pflichten, die Sauberkeit in Heften und Buͤchern, ſo wie in der Kleidung und am Koͤrper, ſind ſo ſehr Ausfluß derſelben, nur in ihrer Anwendung auf Raum und Zeit verſchiedenen Geiſtes⸗Richtung, daß ich ſie auch fuͤr die Beſprechung zuſammenfaſſen kann. Dieſe Geiſtesrichtung iſt das Wohlgefallen an zweckmaͤßiger und geſetzmaͤßiger Aufeinanderfolge und Zuſammen⸗ ſtellung der Dinge, das bei ſolchen, die es nicht durch Naturanlage beſitzen nur geweckt werden kann, wenn man nach ſorgfaͤltiger Ueberlegung die Thaͤtigkeit des Schuͤlers, in der ſich jene Eigenſchaften zeigen, nach Art und Zeit genau ordnet und dann auf das Strengſte dieſe Beſtimmungen handhabt. Dabei darf dem Lehrer, wenn er einen ſichern Erfolg erzielen will, Nichts zu kleinlich und zu unbedeutend er⸗ ſcheinen. Jedes Zuſpaͤtkommen, jedes willkuͤrliche Aendern des Platzes, auf dem er ſitzt, jede Un⸗ ordnung in Buͤchern und Heften, jeder Fleck auf dem Rock, jeder fehlende Knopf muß geruͤgt und wenn dies nicht hilft, geſtraft werden. Nur wenn der Schuͤler weiß, daß er nichts ſpaͤter und nichts anderes thun darf, als es vom Lehrer oder von ihm ſelbſt, mit Billigung des Lehrers beſtimmt worden iſt, wird er nach mehrjaͤhriger Uebung dieſe Eigenſchaften vollſtaͤndig zu ſeiner zweiten Natur machen und dies dann ſein ganzes uͤbriges Leben der Anſtalt danken.
Das Meiſte in dieſer Beziehung muß aber gleich im erſten Jahre geſchehen, nicht nur, weil die Schuͤler bei dem Eintritt in dieſes ganz neue Leben empſaͤnglicher ſind fuͤr Aenderungen in ihren Gewohn⸗ heiten, als ſpaͤter, ſondern auch, weil gerade in dieſer erſten Zeit dem Lehrer auch fuͤr den ganzen Unterricht die Unterſtuͤtzung, die dieſem daraus erwaͤchſt, am nothwendigſten iſt. Man ſollte darum die erſten Paar Tage blos dazu verwenden, die Schuͤler mit allen Diatiplmnar⸗Norſchriſte bekannt zu machen und ſie mit ihnen einzuuͤben.
Da ſich aber dieſelbe Bemerkung auch für die meiſten andern Theile der Erziehung machen laͤßt, ſo erwaͤchſt daraus eine Bedeutung füͤr die Lehrer und beſonders fuͤr die Ordinarien der unterſten Klaſſen, die man ihnen haͤufig nicht einzuraͤumen ſcheint, da man nicht ſelten Kandidaten, die eben erſt r Probejahr empfangen⸗ dieſe Klaſſen voüſt andig uͤbergiebt.—
§ 11.
3ch wende mich nunmehr zu dem dritten Haupttheil, naͤmlich zu der koͤrperlichen Erziehung.
Wie ich ſchon am Anfang dieſer Abhandlung bemerkte, kann die Schule nach dieſer Seite hin nur wenig thun, da die eigentliche Pflege und Wartung des Körpers in geſunden und kranken Tagen ganz der Familie anheimfaͤllt. Nur iſt es Pflicht der Schule, bei den Geſunden die Reinlichkeit mit zu uͤber⸗ wachen und bei den Kranken den Gebrauch des Arztes und der Medizin zu erleichtern. Bei der Armuth ſo vieler Eltern der Schuͤler iſt in jeder ernſtlichen Krankheit die Lage eines ſolchen armen Menſchen fuͤrchterlich und die Einrichtung von Krankenkaſſen fuͤr ſie eine ſolche Wohlthat, daß ſie nicht nur Kberall. eingefuͤhrt, ſondern allgemeiner unterſtuͤtzt werden ſollten.
Einflußreicher kann die Schule auf die Uebung und Kraͤftigung des geſunden Koͤrpers einwirken, da in den Staͤdten außer den Spaziergaͤngen keine andere Koͤrper⸗Uebung möoͤglich iſt und das Schul⸗ Turnen dieſe alſo erſetzen muß. Weil es aber ein Erſatz fuͤr die kräftigenden Spiele ſein ſoll, denen ſich unter andern Verhaͤltniſſen die Jugend hingeben wuͤrde, ſo ſollte es auch dieſen Charakter behalten. Bei der jetzigen Einrichtung ſieht es dagegen aus, als wenn lauter Athleten und Seiltaͤnzer gebildet werden ſollten und da dies, ſo wie das ſchulmaͤßig Gezwungene des Ganzen, den Neigungen der Schuͤler, auf die doch nirgends ſo ſehr, wie gerade hierbei Ruͤckſicht genommen werden muͤßte, nicht ent⸗ ſpricht, ſo hat ſich auf vielen Anſtalten eine ſolche Abneigung gegen das Turnen entwickelt, daß die
7


