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ſie aber nur einmal erwaͤhnen wollte, ſo habe ich ſie hier mit aufgenommen und koͤnnte alſo als Theile dieſer Erziehung feſtſtellen, die Gewoͤhnung 1) an regelmaͤßige und angeſtrengte Thaͤtigkeit, 2) an Ord⸗ nung und Puͤnktlichkeit und 3) an Sauberkeit. 1
Zu allen dieſen Eigenſchaften finden ſich die Keime im Knaben und es bedarf nur der Pflege kon⸗ ſequenter und mit klarem Bewußtſein des Ziels und der Mittel verbundener Muͤhe, um ſie raſch zu entwickeln und zu bleibender Gewohnheit zu machen. inlan
Das Gymnaſium darf ſich aber dieſe Muͤhe um ſo weniger verdrießen laſſen, als dieſer Theil der Erziehung(natuͤrlich der durch Schuldisciplin zu bewirkenden) faſt der einzige iſt, den die Schule voll⸗ ſtaͤndig bewaͤltigen kann. Waͤhrend Religioſitaͤt, Moralitaͤt und Benehmen gegen Andere ſich oft der Beobachtung entziehen, ſind Thaͤtigkeit, Puͤnktlichkeit, Sauberkeit Dinge, die dem Lehrer nicht ver⸗ borgen bleiben koͤnnen. mk. an
Hierin kann alſo Vollſtaͤndiges geleiſtet und dadurch wieder fuͤr die uͤbrige Erziehung, ſelbſt für die moraliſche eine Stuͤtze gewonnen werden, da ein ſtreng an Alles dieſes gewoͤhnter Knabe vor Allem zuruͤckſchrecken wird, was dieſe Eigenſchaften verletzt und dies iſt bei jeder Art von Unmoralitaͤt der Fall.
Dooch darf man auch hier nicht vergeſſen, daß nicht der momentane Erfolg, ſondern das dauernde Gewoͤhnen Zweck des Bemuͤhens ſein muß. Man wuͤrde darum ſehr unzweckmaͤßig verfahren, wenn man die angeſtrengte Thaͤtigkeit blos durch ſtrenge Strafen erzielen wollte. Eine ſolche blos auf Zwang beruhende Thaͤtigkeit wuͤrde zwar in Bezug auf den Unterricht ihren Zweck erreichen, aber in den meiſten Faͤllen mit dem Zwange ſelbſt auch aufhoͤren, in Beziehung auf die Erziehung alſo ihr Ziel verfehlen.
Es iſt darum zweckmaͤßiger und auch naturgemaͤßer, den Schüler dadurch zum Fleiß zu veran⸗ laſſen, daß man ihm das Arbeiten leicht und angenehm macht. Dies aber iſt nicht ſchwer zu erreichen, wenn man nur: 1) keinen Schuͤler in eine Klaſſe ſetzt resp. verſetzt, fuͤr die ſeine Kenntniſſe nicht voll⸗ ſtaͤndig ausreichen, 2) wenn man Alles der Thaͤtigkeit deſſelben zu Uebergebende immer ſo mit ihm durch⸗ arbeitet, daß er es dann wirklich und mit Leichtigkeit bewaͤltigen kann, 3) wenn man ihm durch oͤftere Rekapitulationen und Repetitionen das Fortſchreiten bemerklich macht, und 4) wenn man durch ununter⸗ brochene Kenntnißnahme von ſeiner Thaͤtigkeit und Anerkennung derſelben einen Lohn gewaͤhrt.
Da die drei erſten Arten auf den Fleiß und die Arbeitſamkeit zu wirken ſchon der Methodik des Unterrichtens angehoͤren, ſo kann ich hier nicht weiter auf ſie eingehen.— Bei der vierten aber darf man ſich nicht blos damit begnuͤgen, durch hin und wieder(oft kaum einmal im Monat) vorkommendes Befragen und Nachſehen, die Kontrole zu uͤben, ſondern man muß Einrichtungen treffen, durch die es moͤglich wird, Tag fuͤr Tag und Stunde fuͤr Stunde die Thaͤtigkeit der Schuͤler zu beaufſichtigen.
Dies iſt aber blos zu erreichen, wenn man die ganze Klaſſe in kleinere Abtheilungen, etwa zu 6 oder S theilt und jede einem zuverlaͤſſigen und fleißigen Schuͤler mit der Anweiſung uͤbergiebt, dieſe, ſo wie die Glocke zum Beginn der Stunde ertoͤnt, das aufgegebene Penſum aufſagen und ſich die ſchrift⸗ lichen Arbeiten vorzeigen zu laſſen. In dem Buͤchelchen, das der Aufſeher zu dieſem Zweck einrichten und dem Lehrer ſtuͤndlich vorlegen muͤßte, wuͤrden nun die Schuͤler vermerkt, die nichts gearbeitet haͤtten. 4 Wenn auf dieſe Weiſe den jungen Menſchen die Arbeit erleichtert und angenehm gemacht, wenn ihnen ferner die Gewißheit beigebracht wird, daß etwaige Faulheit auch nicht einziges Mal unbemerkt bleibt, dann werden gewiß die Meiſten ihre Pflicht thun.
Gegen ſolche aber, die auch dann noch faul bleiben, muͤßten nun freilich Strafen angewendet werden, aber nur ſehr allmaͤhlig von den niedrigſten zu den hoͤheren aufſteigend, um, wo moͤglich beide Zwecke, das Erlernen des Verlangten und das Gewoͤhnen an die Thaͤtigkeit auch fuͤr die Folge zu erreichen.
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