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So ſehr nun aber auch auf ein hoͤfliches, achtungsvolles Benehmen gegen die Lehrer gehalten werden muß und kein Schatten einer Unart geduldet werden darf, ſo ſehr ferner im Ganzen das maß⸗ gebend ſein muß, was die Außenwelt fuͤr hoͤflich haͤlt, ſo ſollte doch in Bezug auf die Anrede die Schule nur Formen geſtatten, die auf Wahrheit und einem reellen Verhaͤltniß beruhen.
Der Deutſche liebt es bekanntlich ſo ſehr, Jedem bei der Anrede einen Titel beizulegen, daß er ihn bei ſolchen, die keinen haben, erfindet. Das geſchieht nun auch bei den Gymnaſiallehrern, indem man ſie in einigen Gegenden Profeſſoren, in anderen Doktoren oder Oberlehrer nennt.— Die Schuͤler hoͤren das und machen es ebenſo, ſo daß der Miniſter, der einſt durch die Unterſchiede von Hilfslehrer, Kollaborator, Lehrer, Oberlehrer, Profeſſor eine beſtimmt gegliederte hierarchiſche Kette ſchaffen wollte, jehr ſtaunen wuͤrde, wenn er faſt uͤberall in den Anreden nur eine Kategorie faͤnde.
Die Sache iſt zwar an ſich kleinlich, aber fuͤr die Erziehung doch beachtungswerth, weil Unwahr⸗ heit zum Grunde liegt.— Da aber bei den kuͤnſtlich geſchafſenen Unterſchieden und Titeln auch kein reelles Verhaͤltniß die Grundlage bildet, ſo wuͤrde durch ein Noͤthigen der Schuͤler die jedem zuß ommen⸗ den Titel zu brauchen an die Stelle der bisherigen formellen Unwahrheit nur eine reelle geſetzt.
Der Fehler liegt darin, daß man Verhaͤltniſſe aus andern Staͤnden auf die Schule, fuͤr die ſie gar nicht paſſen, hat anwenden wollen. Ein Hilfs⸗Arbeiter iſt ſonſt wirklich ein untergeordneter Beamte, ein Ober⸗Regierungs⸗Rath wirklich der Vorgeſetzte des Regierungs⸗Rath's und mit ganz anderem Wirkungskreis. Am Gymnaſium aber ſind Hilfslehrer, Kollabdrator, Lehrer, Oberlehrer, Profeſſor in Bezug auf die Schuͤler ganz daſſelbe und Hilfslehrer und Lehrer geben oft in den obern Klaſſen Stunden, waͤhrend Oberlehrer in den untern beſchaͤftigt ſindz gegen einander ſind ſie ebenfalls ganz gleich geſtellt, da die Verſchiedenheit des Einkommens hierbei nicht maßgebend ſein kann und ebenſo ſind alle gleichmaͤßig dem Direktor untergeordnet. Die Schuler haben alſo eigentlich mit ihrem natuͤrlichen Inſtinkt das Wahre getroffen, obgleich ſie gegen die geſetzlichen Titel⸗Beſtimmungen verſtoßen. Um Beides auszugleichen, ſollten darum die Behoͤrden, wie es die Jeſuiten ſchon mit ihrem richtigen Takt thaten, fuͤr dieſelben Funktionen dieſelben Bezeichnungen einfuͤhren und das jetzige Syſtem fallen laſſen.
Ueber den Verkehr der Schuͤler unter einander und uͤber das Benehmen des Lehrers gegen die
Schuͤler iſt es unmoͤglich, ins Einzelne gehende Beſtimmungen zu erlaſſen. Der Lehrer muß in jedem einzelnen Falle mit Gerechtigkeit und Wohlwollen entſcheiden und ſo dieſe Eigenſchaften zur Grundlage fuͤr ihren Verkehr unter nander machen, ſelbſt über Dadch ſein Benehnten ein n nachahmunaswüsdihes Beiſpies auſſtellen. 19 14 n 291 junhd dlads⸗ um mulfnnnig 1 Da jsdoch alles Handeln nicht blos in Bezug 3 die Perſonen, mit tdenen es uns s Fuſaumnenbriagt, ſondern auch in Bezug auf die Art und Weiſe der Thaͤtigkeit an ſich betrachtet werden muß, ſo gehe ich nun zu der Frage uͤber, wie dieſe am wechmzigſtrn rinzurichten uns wovan des Schüler demgemaͦß 39 gewoͤhnen ſei. jun Jede Thaͤtigkeit muß zum Zweck haben, in möglichſt kurzer Zeit recht Bieles und Brauchbares zu leiſten. Daraus ergiebt ſich fuͤr den Schuͤler von ſelbſt, daß er 1) arbeiten und zwar angeſtrengt arbeiten, 2) daß er durch geſchickte Benutzung der Zeit und durch Ordnung in den Arbeiten und Sachen moͤglichſt viel leiſten muͤſſe, und 3) daß er femne Arbeiten zict nur materſelt gut, dſandan auch formell brauchbar und ſauber anfertigen ſolle. 62 312t Indderg I Nas n Dieſe letztere Eigenſchaft, die Sauberkeit, gehört war zum Theil, ſo weit ſie die Reinlichkeit mder Kleidung und der ſichtbaren Theile des Koͤrpers betrifft, zu dem Abſchnitt uͤber achtungsvolles Benehmen gegen Andere, zum Theil wieder als Reinlichkeit des ganzen Koͤrpers zur koͤrperlichen Erziehung; da ich


