zum Lehrer, das zweite durch die der Schuͤler untereinander, das dritte wird ihnen nur zur Anſcha ung gebracht durch die Art und Weiſe, wie der Lehrer ſich gegen ſie benimmt.
Obgleich aber in dem Verhaͤltniß zu hoͤher Geſtellten im Leben noch der Unterſchied zwiſchen amt⸗ lichen und nicht amtlichen Beziehungen ſtatt findet, ſo kann die Schule dieſen ihrerſeits nur darſtellen, wenn ſie gemeinſame geſellige Freuden, Spaziergaͤnge und dergleichen veranſtaltet. In der Regel aber findet nur ein amtlicher Verkehr ſtatt und wenn auch in dieſem ſich die weſentlichſten Eigenſchaften fuͤr die außeramtlichen Verhaͤltniſſe uͤben laſſen, ſo bleibt der erſtere Charakter doch vorherrſchend.
Darum muͤſſen wir an die Spitze dieſes Abſchnittes die Gewoͤhnung an Gehorſam ſetzen, ohne den jede Wirkſamkeit unmoͤglich wird, der alſo das eigentliche Fundament nicht nur der Schule, ſondern jedes amtlichen Wirkens iſt. So wichtig er aber iſt, ebenſo leicht iſt er zu erreichen und bei einem tuͤchtigen Paͤdagogen iſt Ungehorſam eigentlich unmoͤglich, da der Schuͤler immer geneigt iſt, ſich vernünftigem und konſequentem, ohne Gereiztheit ausgeſprochenem Wollen zu fuͤgen. Man achte nur darauf, daß ſelbſt die kleinſten Anfaͤnge zum Ungehorſam nicht geduldet, daß ſelbſt das Unbedeutendſte, ſobald es einmal Geſetz iſt, ausgefuͤhrt werde. Wenn man dabei die ganze Handhabung der Disciplin, die eigentlich eine fortwaͤhrende Uebung im Gehorſam iſt, in die Haͤnde derer legt und in der Weiſe, wie es der§ 5 bezeichnet, dann wird unbedingter Gehorſam bald herrſchend werden.
Verweigert aber ein Schuͤler entſchieden allen Gehorſam, dann entzieht er ſelbſt der Schule jede Moͤglicckeit, auf ihn zu wirken und hebt dadurch ſo ſehr das Verhaͤltniß zur Schule auf, daß eine Verweiſung von der Anſtalt ſofort ſtatt finden muß.
Außer an Gehorſam muß ferner der Schuͤler auch an achtungsvolles Benehmen gegen die Lehrer und dadurch auch gegen alle, die in ein aͤhnliches Verhaͤltniß zu ihm treten, gewoͤhnt werden. Ueber⸗ laͤßt man die Form dieſes Benehmens den Schuͤlern ſelbſt, dann werden die Wenigſten die richtige Mitte finden, ſondern immer zwiſchen plump anmaßender Vertraulichkeit und demuͤthiger Kriecherei ſchwanken.— Man muß ihnen darum nicht blos allgemeine Grundſaͤtze angeben, ſondern in bpegiellen
bis ins Detail eingehenden Anordnungen die Form ihres Benehmens vorſchreiben. — Da dieſe Formen aber in aͤhnlicher Weiſe, wie ich das bei der religioͤſen Erziehung entwickelt habe, nicht nur die ſchuldigen Achtungsbeweiſe ſein, ſondern auch umgekehrt dieſe Achtung mit erwecken und beſeſtigen ſollen, ſo muͤſſen ſie auch wirklich nach dem Gefuͤhl und der Sitte gebildeter Menſchen beſtimmt ſein und das ausdruͤcken, was durch ſie bezeichnet werden ſoll.
Das Gymnaſium muß deshalb darauf halten, daß das Gruͤßen, die Haltung beim Vorubergehen ſo ſind, wie ſie das Leben vom jungen Menſchen Maͤnnern gegenuͤber verlangt, denen er Achtung ſchuldig iſt. Es muß verlangen, daß die Schuͤler ſich von ihren Plätzen erheben, wenn der Lehrer in die Klaſſe tritt und ebenſo, daß derjenige aufſteht, mit dem er ſpricht, eben, weil das Leben in aͤhnlichen Verhaͤltniſſen dieſelbe Forderung ſtellt, die ſo naturgemaͤß jenes Gefuͤhl der Achtung ausdruͤckt, daß ſie ſchon Lykurg in ſeine Erziehungs⸗Verordnungen aufnahm.
Naturlich koͤnnen auch ohne ſolche Einrichtungen die Achtung gegen die Lehrer, die Ordnung und Zucht auf einem Gymnaſium vortrefflich ſein; ich behaupte nur, daß es ein gutes Mittel ſei, dies Alles zu erreichen und die Schuͤler an ein paſſendes Benehmen zu gewoͤhnen.
Daß die Schuͤler aber jenes Benehmen gegen alle Lehrer der Anſtalt beobachten müſſen, liegt ſchon in dem Prinzip, daß ſie gewoͤhnt werden ſollen, ſich gegen hoͤher Geſtellte und nicht blos gegen die, von denen ſie ſpeziell abhaͤngen, in einer Weiſe zu benehmen, wie es von gebildeten Leuten erwartet wird. Doch wird auch dies, wie ſo manches Andere, bei unſern uͤberfuͤllten Anſtalten, in denen kein Lehrer alle Schuͤler kennt, nur mit den§ 12 noch zu erwaͤhnenden Mitteln durchgeſetzt werden koͤnnen.
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