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den Grad moraliſcher Verderbtheit andeutet, den wir in dieſem Falle bei einem Erwachſenen mit Recht vermuthen. Ich wuͤrde es darum der Beſſerung, auf die doch jedes Erziehungsmittel berechnet ſein muß, foͤrderlicher halten, wenn man im Zeugniß blos die Verweiſung von der Schule als wegen groͤb⸗ licher Verletzung der Schulgeſetze erfolgt, bezeichnete und auf ſpezielle Anfragen erſt in ausfuͤhrlichem Bericht die Thatſache mittheilte, wobei auch alle etwaigen mildernden Umſtaͤnde ihren Platz finden koͤnnten.— e,
So verabſcheuungswuͤrdig aber auch dieſe bis jetzt erwaͤhnten Vergehen der Schuͤler ſind, ſo findet doch das erſtere ſeinen Erklaͤrungsgrund in dem Streben, etwas Unangenehmes von ſich fern zu halten, das zweite in jener Naſchhaftigkeit. Rein unbegreiflich aber erſcheint es fuͤr den erſten Augenblick, wie junge Menſchen und zwar merkwuͤrdiger Weiſe deſto mehr, je mehr ſie ſich dem Zielpunkt der Gymna⸗ ſialbildung naͤhern, an einem Trinken im Uebermaaß, am Betrinken Freude finden koͤnnen, da urſpruͤnglich nicht nur kein Trieb dieſer Art in der Jugend exiſtirt, ſondern die Meiſten ſogar Muͤhe haben, ſich daran zu gewoͤhnen. Woher nun dieſe Erſcheinung?—
Da ſie auch ſpaͤter und in noch ſtarkerem Maaße ſich in den Studentenjahren wieder ſindet, ſo kann ſie nicht blos in dem ſogenannten Nachaͤffen ſtudentiſchen Treibens ihren Grund haben, ſondern muß in Etwas liegen, woran Gymnaſiaſten und Studenten gleichmaͤßig leiden.
Es iſt nun nicht zu laͤugnen, daß durch das Streben der Eltern und durch dieſe auch des Staates, die Jugend ſo raſch als moͤglich die Entwickelungsſtufen der Bildung hindurch zu fuͤhren, Verhaͤltniſſe entſtanden ſind, die von den natuͤrlichen Neigungen der jungen Menſchen vollſtaͤndig abweichen. Der Trieb zur Geſelligkeit regt ſich fruͤh und wird mit den Jahren ſtaͤrker; aber Mangel an Zeit, Hinderniſſe, die die Schule ſelbſt entgegenſtellt und ſo manche andere Urſachen machen ſeine Befriedigung den Meiſten unmoͤglich. Ae A
8 dieſer Zeit des innern Unbefriedigtſeins, der regen und doch ungeſtillten Sehnſucht nach Geſel⸗ ligkeit, hoͤrt der Schuͤler von den Zuſammenkuͤnften der Studenten, mit allen den Ausſchmuͤckungen, welche die Phantaſie des Schuͤlers damit verbindet und verſucht nun ahnliche Verſammlungen zu veranſtalten, aus denen ſich bald vollſtaͤndige Gelage entwickeln..
Will man darum dem Uebel mit entſchiedenem Erfolg entgegen treten, dann muß man den Schuͤlern, beſonders den ſchon mehr Entwickelten, nicht nur keine Hinderniſſe in den Weg legen, anſtaͤndige Geſellſchaften zu beſuchen, ſondern man muß ſogar, da ein großer Theil durch Armuth, Mangel an Bekanntſchaften, ſelbſt an paſſender Kleidung davon ausgeſchloſſen bleibt, direkt durch Veranſtaltung kleiner Vergnuͤgungen, gemeinſamer Spaziergänge, die am zweckmaͤßigſten klaſſenweiſe ſtattfinden moͤchten und aͤhnliches Andere dem ſo naturgemaͤßen Trieb der Jugend Genuge leiſten.
Wie ſehr wirkſam das dem Uebel abhelfen würde, beweiſt der Erfahrungsſatz, daß Schuͤler, die die Freuden anſtaͤndiger Geſelligkeit kennen gelernt, ſich auch als Studenten⸗von allen rohen Vergnuͤ⸗ gungen fern halten.
Gegen die aber, welche auch dann noch dergleichen des gebildeten Menſchen ſo unwuͤrdigen Laſtern ſich hingeben, muͤßte mit Strenge verfahren werden. Da jedoch bei Einrichtungen, wie ich ſie eben vorge⸗ ſchlagen, die Zahl derer nicht groß ſein wird, die ſich dazu verfuͤhren laſſen moͤchten, da ferner bei der Unnatuͤrlichkeit dieſes Laſters der Betreffende ſelbſt gewiß bald von ſeiner Verirrung zuruͤckkommt, ſo ſcheint mir in dieſem Fall das Wegjagen nicht gerechtfertigt zu ſein. Es wird vollſtaͤndig genuͤgen, wenn ein ſolcher Schuͤler nach Maaßgabe des Vergehens eingeſperrt und mit allen ſonſtigen unange⸗ nehmen Folgen, die das Schulgeſetz an bedeutende Arreſt⸗Strafen knuͤpft, beſtraft wird.
Ueber die anderweitigen Mittel, dergleichen Gelage zu erfahren und zu hindern, werde ich in dem
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