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es ihm fuͤr ſein uͤbriges Leben die Bahn geebnet und die Muͤhſeligkeiten, denen er auch da noch entgegen geht, bedeutend erleichtert. Laͤßt er ſich aber dadurch nicht aͤndern, oder fehlt ihm das Talent, dann iſt es wahrlich grauſam, ihn durch Gewaͤhrung von Vortheilen und Erleichterungen in eine Laufbahn gleichſam zu locken, die ihm nur Entbehrungen, Enttaͤuſchungen und Schmerzen aller Art bringen muß.
Es bleiben aber noch viele Beſtimmungen uͤbrig, die weder durch Belehrung und Beiſpiel, noch durch den Reiz der Belohnung dem Schuͤler angenehm gemacht werden können.— Wenn naͤmlich auch der Geſetzgeber ſorgfaͤltig auf die Triebe und Neigungen der Jugend achtet, ſo muß er doch bei der großen Menge der Schuͤler nach einer Art mittleren Normal⸗Maaßes verfahren. Auch hat das Gym⸗ naſium es ſchon mit Menſchen zu thun, die bereits laͤngere Zeit erzogen resp. verzogen worden ſind, deren Gewohnheiten deshalb oft ſchon andere ſind, als das Schulgeſetz ſie zu erwarten berechtigt war. Endlich iſt auch nicht zu laͤugnen, daß unſere Art, die Jugend heranzubilden, eine etwas Treibhaus⸗ artige iſt, wodurch in Verbindung mit der Abgeſpanntheit und dem Mangel an Friſche, mit denen viele Lehrer aus den verſchiedenſten Urſachen zu kaͤmpfen haben, oft ein Verhaͤltniß der Oppoſition ſich ent⸗ wickelt, das zwar nicht in der Sache, ſondern in den Perſonen ſeinen Grund hat, aber doch das Wider⸗ ſtreben gegen die geſetzlichen Beſtimmungen veranlaßt.
Da aber nun die Befolgung des Angeordneten die weſentlichſte Forderung einer jeden Erziehung iſt und die angedeuteten Urſachen der Unfolgſamkeit entweder gar nicht oder doch nur ſchwer entfernt werden koͤnnen, ſo muß man ſich nach Mitteln umſehen, die Folgſamkeit zu erzwingen. Dieſe werden uns durch den zweiten Theil des oben angefuͤhrten Satzes angedeutet:„Der Menſch thut auch das, was ihm etwas noch Unangenehmeres erſparen kann.“ Dieſes Unangenehmere iſt die Strafe.
Strafen ſind naͤmlich abſichtlich mit einem Thun oder Laſſen in Verbindung geſetzte Empfindungen der Unluſt und des Schmerzes, die in demſelben Grunde geſteigert werden muͤſſen, in dem das verbotene Thun oder Unterlaſſen angenehmer wird.
Da aber die Strafe des Erziehers nicht eine Art von Nache, keine Genugthuung fuͤr das beleidigte Geſetz, wie dies bei der Staatsgeſetzgebung der Fall iſt, ſondern nur ein Mittel zur Beſſerung, ein Er⸗ ziehungsmittel ſein ſoll, ſo muß die Strafe niemals blos die augenblickliche Wirkung beruͤckſichtigen, ſondern hauptſaͤchlich das, was als nachhaltige Spur davon in dem Gemuͤth des Schuͤlers zuruͤckbleibt. Dies iſt nun ganz ſubjektiv und es muß deshalb jedesmal die Perſoͤnlichkeit, die wirkt und die, auf welche gewirkt wird, in Anſchlag gebracht werden. Darum koͤnnen im Schulgeſetz nur im Allgemeinen die Straf⸗Arten angegeben werden, die in den verſchiedenen Faͤllen ſtattfinden duͤrfen..
Wie nicht geſtraft werden duͤrfe, ergiebt ſich aus dem Begriff und Zweck der Strafe von felbſt. Es ſoll ein Gefuͤhl der Unluſt hervorgerufen werden und es darf alſo nicht mit Etwas geſtraft werden, was dieſe nicht hervorruft; es ſoll ferner gebeſſert werden und es darf darum niemals als Wirkung ein erhoͤhtes Streben nach demſelben Vergehen eintreten, das eben beſtraft worden iſt, und endlich darf durch die Strafe kein Nachtheil entſtehen, der zu dem erreichten Nutzen in keinem Vergleich ſteht.
Zu der erſten Art wuͤrde z. B. das Strafen durchs Herunterruͤcken im Platz gehoͤren, wenn die Schuͤler noch keinen Sinn dafur haben; zur zweiten zaͤhle ich den Fall, wenn ein Lehrer das Nichtlernen eines Penſum mit Verdoppelung deſſelben beſtraft. Zu der dritten aber wuͤrden Strafen gehoͤren, wie das noch jetzt in Frankreich uͤbliche Abſchreiben. Hahn a. a. O. S. 364 verſichert z. B., daß Schuͤler bis 10,000 Zeilen zum Abſchreiben bekommen und nicht fruͤher zum Unterricht kommen duͤrfen, bis ſie damit fertig ſind. Taugenichtſe bringen ſo oft Wochen lang zu Hauſe zu, weil ſie nach der Anfertigung einer ſolchen Rieſen⸗Straf⸗Arbeit nur in der Schule erſcheinen, um ſich eine neue zu holen. Oft aber werden ſolche Straf⸗Arbeiten noch dazu von ganz Andern geſchrieben, als die beſtraft worden ſind.


