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vieler, tritt dieſe Harmonie niemals rein hervor. Da giebt es aus Urſachen, die ich hier nicht weiter eroͤrtern kann, mannigfachen Widerſpruch zwiſchen beiden und darum vielfaches Abweichen vom Geſetz.
Da die Szu geſebe aber nur den zweck haben, den jungen Menſchen an das zu gewoͤhnen, was ſie verordnen, d. h. doch, ihn wirklich und immer das thun zu laſſen, was einmal als zweckmaͤßig erkannt iſt, zndem jede Abweichung dieſes Gewoͤhnen ſtoͤrt, ſo muͤſſen ſie mehr als andere auf die urſpruͤngliche Natur der Geſetze zuruͤckgehen, um den Erfolg zu ſichern. Die Schulgeſetze ſind dem⸗ nach diejenigen Beſtimmungen, welche die Thaͤtigkeit der Schule in einer konſequent ſyſtematiſchen und mit der Außenwelt harmonirenden Weiſe regeln, indem ſie ſich auf die Triebe und Neigungen der Schuͤler ſtuͤtzen.
Sie muͤſſen alſo zunaͤchſt den Standpunkt derſelben, ihre Kraͤfte, Gefuͤhle, Neigungen(kurz jene innere Beſchaffenheit der ſchwaͤcheren Kraft) kennen und beruͤckſichtigen; ſie muͤſſen den Schuͤler nehmen, wie er eben iſt und von dieſer ſeiner vorhandenen Natur aus die weitere Entwickelung beginnen. Viele dieſer Gefuͤhle und Neigungen ſind zwar ſchon irre geleitet und muͤſſen bekaͤmpft werden; da ſie aber meiſtens aus urſpruͤnglich guten Trieben hervorgewachſen ſind, deren Wurzeln noch immer ſich vor⸗ finden, ſo muß man zu den Erziehungszwecken auf dieſe zuruͤckgehen.
Mit der zunehmenden Entwickelung und den Jahren wird dieſer Standpunkt natuͤrlich ein anderer und die Schulgeſetze muͤſſen deshalb darauf Ruͤckſicht nehmen und fuͤr die obern Klaſſen zum Theil ganz andere ſein, als fuͤr die untern.
Daß ferner durch die Geſammtmaſſe der Verordnungen ein Geiſt wehen, daſſelbe Prinzip herrſchen müſſe, bedarf wohl nicht der weitern Ausfuͤhrung.—
Endlich aber muß auch hier, wie bei jedem andern Geſetz, auf die ,aͤußere Welt, mit der die zu Erziehenden ja in fortwaͤhrendem Zuſammenhang bleihen, Rückſicht genommen werden. Nur wenn man Beſtimmungen erlaͤßt, die mit der Ueberzeugung des vernuͤnftigen und gebildeten Theiles der Beroͤlkerung uͤbereinſtimmen, wird man auf ſichern Erfolg rechnen koͤnnen. Entſpricht aber manchmal dieſe Ueberzeugung nicht dem, was das Denken als das Ziel der Erziehung fordert, ſo muß man ſich damit begnuͤgen, mit der einen Generation von dieſem Standpunkt aus das Fortſchreiten der kuͤnftigen oͤffentlichen Meinung vorzubereiten.
Verfaͤhrt man nicht in dieſer Weiſe, dann wirken dem Bemuͤhen der Schule Tauſende von Organen entgegen und man verliert in dem Streben, Alles auf einmal zu erreichen, den Boden unter den Fuͤßen.— Auch darf man nicht vergeſſen, daß man ja fuͤr das Leben erzieht und daß man durch die vorgeſchlagene Art des Verfahrens auch die Mitwirkung des uͤberall gegenwärtigen und zu derſelben dann auch geneigten Publikums gewinnt.
Da aber die oͤffentliche Meinung ſelten beſtimmt erkennbar iſt, da ferner ſelbſt unter verſtaͤndigen Leuten nur in den Grund⸗Prinzipien Uebereinſtimmung herrſcht, in den Folgerungen daraus aber viel⸗ fache Abweichungen ſtattfinden, die Schule aber nothwendig nach feſter Einheit bis in's Detail hinab ſtreben muß, ſo kann, ſelbſt bei vollſtaͤndiger Anerkennung dieſes Prinzips nur den leitenden Behoͤrden die Befugniß eingeraͤumt werden, uͤber die Konzeſſionen dieſer Art zu entſcheiden.
Zu dieſem Allen fuͤge ich nur noch hinzu, daß ich, bei aller Achtung vor der ſelbſtſtaͤndigen Wirk⸗ ſamkeit eines tuͤchtigen Paͤdagogen, es doch fuͤr nothwendig halte, daß ſolche nach allen Seiten erwo⸗ gene und bis in's Detail ausgearbeitete Schulgeſetze dann auch zur bindenden Norm fuͤr die Lehrer
werden. Nur durch Gleichmaͤßigkeit des Verfahrens iſt bei groͤßeren Maſſen eine entſchiedene Wirkung moͤglich..


