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Die Vergleichung der in der zehnten Columne enthaltenen, aus den Dimenſionen der Apparate be⸗ rechneten Schwingungszahlen mit den Schwingungszahlen der beobachteten Toͤne zeigt, daß die Reſul⸗ tate der Rechnung mehrere mal nicht unbetraͤchtlich von denen der Beobachtung abweichen. In den meiſten Faͤllen iſt der beobachtete Ton etwas hoͤher als die nach der obigen Formel berechneten Schwingungszahlen angeben. Die Abweichungen moͤgen zum Theil ihren Grund in dem nicht gleichmaͤßigen Anblaſen der Apparate haben, da, wie ſchon bemerkt worden iſt, die kubiſchen Pfeifen in Folge von verſchiedenem An⸗ blaſen mehrere Toͤne angeben. Unter dieſen befindet ſich immer auch derjenige, welcher genau der berech⸗ neten Schwingungszahl entſpricht, weshalb ich eine vollkommene Uebereinſtimmung haͤtte erzielen koͤnnen, wenn ich unter den bei jeder einzelnen Pfeife anſprechenden Toͤnen grade den brauchbaren haͤtte auswaͤh⸗ len wollen. Ich habe aber den in der Tabelle notirten Ton, um mich nicht ſelbſt zu taͤuſchen, immer vor der Rechnung beſtimmt. Es haben aber ſicher noch andre Umſtaͤnde mitgewirkt, um jene Abweichungen zu veranlaſſen; ich erinnere nur an den Einfluß, welchen die Dicke der Waͤnde der Pfeife, ſo wie das Ma⸗ terial, woraus ſie angefertigt iſt, auf die Hoͤhe des Tons ausuͤben. Die bedeutende Differenz, welche bei den drei erſten, mit den hoͤlzernen Brummkreiſeln angeſtellten Verſuchen ſich vorfindet und welche in No. 1 etwas mehr als eine große Secunde, in No. 2 nicht ganz eine große Secunde, in No. 3 eine kleine Terz betraͤgt, ruͤhrt von der bei den hoͤlzernen Brummkreiſeln nicht in Rechnung gezogenen Dicke der Wandung her, indem außer dem in der Hohlkugel enthaltenen Luftvolumen noch die in der prismatiſchen oder cylindriſchen Seitenoͤffnung enthaltene Luftſaͤule mitſchwingt. Zu beachten iſt hierbei noch, daß in . No. 1 die Abweichung groͤßer iſt als in No. 2, weil bei faſt gleicher Dicke der Holzwandung(7 u. S Mllm.) die Oeffnung i in No. 2 beinahe doppelt ſo groß iſt und deshalb auf die Vertiefung des Tons einen nicht ſo großen Einfluß ausuͤbt; in No. 3 iſt die Wand noch dicker(13 Mllm.), und deshalb der beobachtete Ton noch mehr von demjenigen verſchieden, den ein eben ſolcher Apparat mit verſchwindender Wanddicke geben wuͤrde. In den uͤbrigen Verſuchen, mit Ausnahme von No. 87, wo die Abweichung einen ganzen Ton betraͤgt, ſtimmen Beobachtung und Rechnung doch noch ſo gut uͤberein, daß das durch die Quotien⸗ ten angegebene Intervall der Abweichung nur dreimal(No. 5, No. Sa und No. 11) etwas mehr als einen halben Ton betraͤgt. In dem Verſuche No. SdA ſcheint die Geſtalt der dreieckigen Oeffnung bei dem kleinen Luftvolumen von uͤberwiegendem Einfluſſe geweſen zu ſein.
10. Die Reſultate meiner Verſuche ſtimmen mit den von F. Savart aufgeſtellten Saͤtzen uͤberein. Die beiden von demſelben gefundenen Geſetze, naͤmlich: 1) daß die Schwingungszahlen bei Pfeifen von aͤhnlicher Geſtalt im umgekehrten Verhaͤltniſſe zu den lineaͤren Dimenſionen derſelben ſtehen und 2) daß die Schwingungszahlen ſolcher Pfeifen, welche ſich durch zu einer Seitenwand parallel gelegte Schnitte in unendlich duͤnne einander gleiche und auf dieſelbe Weiſe in Vibration verſetzte Lamellen zerlegen laſſen, ſich umgekehrt wie die Quadratwurzeln aus dieſen vibrirenden Flaͤchen verhalten, ſind in dem von mir gefundenen allgemeineren Geſetze enthalten, weshalb die daſſelbe ausdruͤckende Formel vielleicht der von Savart gewuͤnſchte allgemeine Ausdruck iſt, nach welchem ſich die Schwingungszahlen der Pfeifen a priori beſtimmen laſſen. Die Formel
CW VV laͤßt ſich naͤmlich leicht ſo umgeſtalten, daß ſie die Geſetze Savarts ausdruͤckt. Es reicht zu der Aehn⸗
lichkeit der Pfeifen, wie ſchon Savart bemerkt hat, nicht hin, daß bloß der innere Raum derſelben aͤhn⸗ lich iſt, ſondern es muß auch die Oeffnung, durch welche der innere Luftkoͤrper in Vibration verſetzt wird,
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