Aufsatz 
Über den Brummkreisel und das Schwingungsgesetz der kubischen Pfeifen / [Karl Friedrich Julius] Sondhauß
Entstehung
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von dem unteren Theile der Flaſche deutlich abgeſetzt, uͤberall gleich weit und nicht zu kurz iſt. Bei Fla⸗ ſchen mit ſehr kurzen Haͤlſen ergeben ſich zwiſchen der Rechnung und Beobachtung ſehr bedeutende Dif⸗ ferenzen und zwar iſt der Ton, welcher der nach der Formel berechneten Schwingungszahl entſpricht, immer hoͤher als derjenige, welcher durch Anblaſen der Pfeife erhalten wird. Deßhalb kann man die oben fuͤr flaſchenfoͤrmige Pfeifen angegebene Formel auch nicht zur Berechnung der Schwingungszahl des To⸗ nes, welchen der Brummkreiſel beim Anblaſen oder Rotiren hoͤren laͤßt, benutzen, da bei den aus Metallblech conſtruirten Brummkreiſeln der Hals ganz fehlt, bei den hoͤlzernen der durch die in der Holzwandung angebrachte Seitenoͤffnung vorgeſtellte Hals zu kurz iſt.

6. Da ſich durch die bis jetzt uͤber dieſen Gegenſtand angeſtellten Unterſuchungen kein Reſultat er⸗ geben hatte, welches zur Beſtimmung der Schwingungszahl des Brummkreiſels fuͤhren koͤnnte, ſo ent⸗ ſchloß ich mich, Verſuche anzuſtellen, durch welche ich das Schwingungsgeſetz der Luft in kubiſchen Pfeifen und ſomit auch in Brummkreiſeln zu finden und dadurch die Mittel zu erlangen hoffte, die Schwingungszahl ihres Tones aus ihren Dimenſionen zu berechnen. Ich hielt es fuͤr das Angemeſſenſte, den Hals der flaſchenfoͤrmigen Pfeife oder die Wanddicke des hoͤlzernen Brummkreiſels ganz außer Be⸗ tracht zu laſſen nnd hatte daher die Unterſuchung nur auf die Abhaͤngigkeit der Schwingungszahl des Tons von dem Volumen und der Geſtalt des in der Pfeife enthaltenen Luftkoͤrpers und von der Groͤße, Geſtalt und Stellung der Aufſchnittsoͤffnung zu richten.

Ich habe mich zu dieſer Unterſuchung eines ſehr einfachen Apparats bedient. Auf ein kleine cylin⸗ driſche Glaskrauſe, ungefaͤhr 80 Mllm. hoch und gegen 60 Mllm. weit, kittete ich Blechplatten, in welche Oeffnungen von verſchiedener Groͤße und Geſtalt eingeſchnitten waren. Um dieſe Oeffnungen bequem ein⸗ ſchneiden und veraͤndern zu koͤnnen, wendete ich hierzu Zinnblech an, wie es die Orgelbauer zur Conſtruction der zinnernen Orgelpfeifen gebrauchen. Wenn die Verſuche mit der einen Blechplatte beendigt waren, ſo wurde dieſelbe von der Krauſe abgenommen und durch eine andere erſetzt. Die auf dieſe Weiſe conſtruirte ku⸗ biſche Pfeife wurde durch eine breitgedruͤckte Blechroͤhre, in welche ich mit dem Munde blies, in der Weiſe angeblaſen, daß der Rand des Windrohrs an den Rand der in die Blechplatte eingeſchnittenen Oeffnung angeſetzt und der Luftſtrom quer uͤber dieſelbe getrieben wurde. Nur in den Faͤllen, wo der Ton des Apparats bei dieſer Haltung des Windrohrs nicht mehr deutlich anſprach, wurde dem Luftſtrom eine andre Richtung gegeben.

Um das Volumen dieſer Pfeife zu aͤndern, goß ich beſtimmte Quantitäten Waſſer, welche mit einer graduirten Glasroͤhre abgemeſſen wurden, ſucceſſive durch die Oeffnung der Blechplatte in die Krauſe und beſtimmte jedesmal den beim Anblaſen anſprechenden Ton. Nachdem die Verſuchsreihe mit der einen Aufſchnittsoͤffnung beendigt war, wurde nach Veraͤnderung dieſer Oeffnung, daſſelbe Verfahren in der Weiſe wiederholt, daß dieſelben Waſſermengen wie vorhin allmaͤhlig eingegoſſen wurden. Erſt nachdem alle Verſuche beendigt waren, ſtellte ich dieſelben zuſammen, um daraus die gewuͤnſchten Reſultate abzuleiten.

Ich glaube hier bemerken zu muͤſſen, daß ſich ſchon Liskovius eines aͤhnlichen Verfahrens bedient hat, indem er die Flaſche, mit welcher er ſeine Verſuche anſtellte, durch Eingießen von Waſſer allmaͤhlig hoͤher ſtimmte, wobei er fand, daß die zum Theil mit Waſſer gefüllte Flaſche denſelben Ton angiebt, mag ſie beim Anblaſen aufrechtſtehen oder auf der Seite liegen. Dieſe Bemerkung, welcher Liskovius nicht die gehoͤrige Wichtigkeit beigelegt zu haben ſcheint, habe ich bei meinen Verſuchen vollkommen be⸗ ſtaͤtigt gefunden, denn auch die Glaskrauſe, mit welcher ich experimentirte, gab zum Theil mit Waſſer gefuͤllt, in jeder beliebigen Neigung gehalten, immer einen und denſelben Ton an, wenn ſie auf gleiche Weiſe angeblaſen wurde. Ich ſchloß daraus, daß bei kubiſchen Pfeifen unter uͤbrigens gleichen Um⸗ ſtaͤnden, die Tonhoͤhe von dem Volumen des Luftkoͤrpers uͤberwiegend abhaͤngt, und eine ſchon bedeutende