Aufsatz 
Über den Zweck von Aristophanes Thesmophoriazusen / Julius Zastra
Entstehung
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Zweck gar nicht. Wollte man aber annehmen, Ariſtophanes habe, um die Schmähreden gegen das weibliche Geſchlecht, die in einigen der Euripideiſchen Tragödien vorkommen, lächerlich zu machen, jene Vorwürfe übertrieben dargeſtellt, ſo ſpricht zweierlei entſchieden dagegen; erſtens nämlich ſind die Thesmophoriazuſen nicht die einzige Comödie, in welcher der Frauen Fehler zur Schau geſtellt werden, auch die Lyſiſtrata und vorzüglich die Ekkleſiazuſen enthalten eine Menge Stellen, in denen Aehnliches, wie in der unſrigen, verſpottet wird; zweitens aber ſind gerade diejenigen Fehler, welche in den Thesmophoriazuſen an den Frauen vorzugsweiſe gerügt werden, in keiner der Tragödien des Euripides erwähnt. Ich glaube aus dieſen Gründen nicht mit Unrecht behaupten zu können, daß Ariſtophanes in unſrer Comödie die Weiber wenigſtens ebenſo, wie den Euripides durchzuziehen die Abſicht hatte, und daß er ſich eben ſo ſehr der Frauen bedient hat, um den Euripides zu geißeln, als des Euripides oder vielmehr des Mne⸗ ſilochus, der den Euripides vertheidigt, um die Atheniſchen Damen zu perſiffliren. A. W. von Schlegel iſt der einzige, der darauf hindeutet, indem er ſagt: Die Thesmophoriazuſen ſcherzen mit andern Nebenbeziehungen über die Verhältniſſe und Sitten des weiblichen Ge⸗ ſchlechts.

Uebertriebene Liebe zum Weine nun, und Mangel an weiblicher Züchtigkeit, die ſich

bis zur Verletzung der ehelichen Treue ſteigert, ſind die vorzüglichſten Gegenſtände der Ver⸗ ſpottung.

So erwähnt Mneſilochus im Zank mit den aufgebrachten Frauen unter denjenigen Dingen, die Euripides zu nennen wohl Urſache gehabt hätte, und die er doch verſchwiegen habe, auch das Stechhebern des Weins aus dem Faſſe; ſo antwortet Mneſilochus bei dem mit ihm angeſtellten Examen der Frau, welche ihn frägt, was ſie denn im vorigen Jahre zuerſt beim Feſte unternommen hätten:Wir tranken und tranken einander zu ohne daß er Widerſpruch findet; die Frau ſetzt blos zweifelnd hinzu: das haſt du von Jemandem gehört, und die eine der Frauen bringt einen als Kind angekleideten Weinſchlauch mit in die Verſammlung, und zwar an dem zweiten Tage des Thesmophorienfeſtes, an welchem ein großes Faſten ſtattfand; wie mögen ſie es an Feſttagen gehalten haben, wo nicht Enthaltſamkeit geboten war. Von Beſchuldigungen der zweiten Art iſt die ganze Rede des Mneſilochus voll. Die Summe der Beſchuldigungen concentrirt ſich in den wenigen Verſen des Nneſilochus, die als Antwort dienen auf der Frauen Beſchwerde, daß Euripides nur immer ſchlechte Weiber auf die Bühne

gebracht, lauter Phädren und Menalippen, nicht eine einzige Penelope, weil dieſe ein züchtiges edles Weib geweſen ſei; ſie lauten:

Ich weiß ſehr wohl den Grund davon: denn unter allen Weibern Findſt jetzt du keine Penelope, doch mehr als zuviel Phädren.