Aufsatz 
Über den Zweck von Aristophanes Thesmophoriazusen / Julius Zastra
Entstehung
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Und in der That mag Ariſtophanes bei mancher Uebertreibung, die er ſich erlaubt, hat,(und wer könnte einem Comödiendichter daraus einen Vorwurf machen?), wohl nicht ganz Unrecht gehabt haben; wenigſtens läßt ſich aus der allgemeinen Zügelloſigkeit, aus dem frechſten Ueber⸗ ſpringen der gezogenen Schranken, aus dem muthwilligen Entfernen von der Väter heiliger Sitte wohl leicht entnehmen, ohne daß man grundloſer Verdächtigung bezüchtigt zu werden fürchten darf, daß auch die Frauen ſehr viel von dem Adel der Geſinnung und der erhabenen Einfach⸗ heit, mit der die Frauen im heroiſchen Zeitalter prangten, ja auch von der liebenswürdigen Häuslichkeit und ſtillen Zurückgezogenheit, welche, freilich oft erzwungen, die atheniſchen Frauen zur Zeit der Perſerkriege zierten, verloren haben mochten. Auch ſehe ich nicht ein, warum Ariſtophanes, der ſonſt in jeder Hinſicht als ein tüchtiger, zuverläßiger Gewährsmann geſchätzt wird, und deſſen Leitung allein uns oft in dem wirren Felde der atheniſchen Demokratie ſicher gehen und zu einem einigermaßen beſtimmten Reſultate gelangen läßt, gerade hier weniger glaubwürdig erſcheinen ſoll, vorausgeſetzt, daß man mit nöthiger Vorſicht die Uebertreibung von der Wahrheit zu ſondern bemüht iſt. An dem verehrten Jakobs, deſſen Abhandlung über die helleniſchen Frauen inLeben und Kunſt der Alten zu bekannt iſt, als daß ich darüber be⸗ richten ſollte, haben freilich die atheniſchen Frauen einen trefflichen Apologeten erhalten; allein ſelbſt dieſer giebt zu, daß ſeine Apologie nur auf Hypotheſen beruhe. Jedenfalls iſt dieſer Theil des atheniſchen Lebens noch keineswegs ſo ans Licht geſtellt, als er es verdient, aber der Mangel an poſitiven Nachrichten darüber erſchwert auch ſeine Durchforſchung außerordentlich. Endlich könnte man aber nachfragen, wozu Ariſtophanes die Weiber verſpottet habe, da doch denſelben nicht erlaubt war, der Darſtellung der Comödien beizuwohnen, und ſie daher die bunte Darſtellung ihres Thuns und Treibens nicht mit anſchauen konnten? Denn wenn auch, nachdem Caſaubonus, Böttiger, Jakobs, Welker, Voß, Böckh, Schlegel, Meier, Wilhelm Paſſow, theils für, theils wider den Theater⸗Beſuch der Frauen geſprochen haben, Wilhelm Adolph Becker*) ein unzweifelhaftes Zeugniß vorbringt für die Anweſenheit der Frauen während der Darſtellung von Tragödien aus den Bioes des Peripatetikers Satyros*), wo es von Alci⸗ biades heißt: öre 8 Jooyyoin o2εν ν n0ρ‚ον⁴³, eicid el r0 αστσροeν 29αυνυμ⁴ερςεο od μνον dνπ τάďν ⁴edρν dad cl ur τπιυ ναν, ſo läßt ſich doch nicht einmal denken, vielweniger darthun, daß ſie auch der Comödie beigewohnt haben, da dieſe nur allenfalls vor Männern Entſchuldigung finden konnte. Es kann alſo nur im Plane des Ariſtophanes gelegen haben, die Männer auf die Sittenloſigkeit ihrer Frauen aufmerkſam zu machen und ſie vor einer zu großen Nachgiebigkeit zu warnen.

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*) Charikles II. p. 260. **) Athenäus XII. 534.